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1. Mai – Tag der Arbeit

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Datum:
Fr. 30. Apr. 2021
Von:
Michael Ohlemüller

Geistliches Wort

Der 1. Mai wird seit 1890 von Arbeiter*innen und Gewerkschaften als „Tag der Arbeit“ begangen.

Warum aber ein „geistliches Wort“ zu diesem Anlass? Arbeit/gute Arbeit /soziale Gerechtigkeit sind wichtige Themen der katholischen Soziallehre. Seit 1891 nahmen und nehmen die Päpste immer wieder parteiisch Stellung zum Thema „Arbeit“. Parteiisch in dem Sinn, dass ein „Vorrang der Arbeit vor dem Kapital“ betont und eine „Option für die Armen“ gefordert wird. Die „Armen“ sind bei uns oft die Erwerbslosen, und leider auch eine zunehmende Zahl von Rentner*innen.

Arbeit ist mehr als „Broterwerb“. Das benennen schon die beiden Schöpfungserzählungen am Anfang der Bibel. Arbeit wird ganz realistisch auch als Last gesehen: Die Erde macht dem Menschen Mühe, oft muss er sich „im Schweiß seines Angesichts“ quälen. Aber Arbeit ist zunächst einmal etwas Positives: Sie ist ein Auftrag Gottes an die Menschen. In der ersten Schöpfungserzählung heißt es: „Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen.“ (Gen 1,28). Wobei anzumerken ist, dass der Begriff „herrschen“ missverständlich sein kann: Es geht nicht um eine Willkürherrschaft, sondern um ein „Sich-sorgen-um“. Das wird auch noch einmal deutlich in der zweiten Schöpfungserzählung: „Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte“. (Gen 2,15)  Wir sollen uns also um die Schöpfung Gottes kümmern, und zwar im Sinne eines Königsideals im alten Israel: Der König kümmert sich um Recht und Gesetz, insbesondere auch um die „Armen, Witwen und Waisen“ – im Alten Testament als Synonym für alle, die von Armut und Rechtlosigkeit bedroht sind.

„Die menschliche Arbeit ist ein Beitrag zur Gestaltung des gemeinsamen Hauses und zur Verwirklichung des Schöpfungsauftrags: „Macht die Erde zu einem menschenwürdigen Lebensraum.““ (Zitat aus einer Predigt von Bischof Kohlgraf am Vorabend des 1. Mai 2019).

Der Mensch und seine Arbeit müssen im Mittelpunkt stehen, nicht zuerst das Kapital und die Rentabilität. Das Eintreten für „gute Arbeit“ ist also nicht nur die „Spielwiese“ einiger christlicher Sozialromantiker, sondern gehört zum Kerngeschäft unserer christlichen Botschaft – gerne auch zusammen mit den Gewerkschaften und allen Menschen guten Willens!

Michael Ohlemüller,

Kath. Betriebs- und Arbeitslosenseelsorger für den Kreis Bergstraße und den Odenwaldkreis

(veröffentlicht: Bergsträßer Anzeiger)