Protestaktion Darmstadt (c) ingrid Reidt

Aus für Karstadt Mainz und Kaufhof Worms

Protestaktion Darmstadt
Mo 22. Jun 2020
Betriebsseelsorge

Betriebsseelsorge im Bistum Mainz solidarisiert sich mit den Beschäftigten der angeschlagenen Warenhauskette nach Veröffentlichung der Schließungen

Es war eine hoch angespannte Zitterpartie für die Beschäftigten von Kaufhof und Karstadt, bis am frühen Freitagmittag 19.6.) in den Betriebsversammlungen und öffentlich bekannt gemacht wurde, wie und ob es an den einzelnen Standorten weitergehen wird. Klar war: 62 Häuser der angeschlagenen Warenhauskette, die sich seit April im Schutzschirmverfahren befindet, werden schließen. Harte Sanierungsmaßnahme hatten sich schon vor Wochen angekündigt. Seit Donnerstagabend waren die Zahlen bekannt gegeben worden. Die Ungewissheit war eine Tortur für die Beschäftigten,  insbesondere in Städten wie Mainz und Darmstadt, in denen Kaufhof und Karstadt beiden einen Standort haben.

Mainz und Worms hart getroffen

Hart getroffen hat es die Standorte von Karstadt in Mainz und Kaufhof in Worms.
Allen Beschäftigten, die akut vom Arbeitsplatzverlust betroffen sind, gilt unsere uneingeschränkte Solidarität. Denn: "Wir wissen um die hohe emotionale Belastung der letzten Wochen und die Angst der Kolleginnen und Kollegen, die mit diesen Entscheidungen einhergeht."  sagt Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin Südhessen, die schon mehrfach ähnliche Szenarien erlebt und Belegschaften in diesen Situationen begleitet hat. "Viele verlieren oft nach Jahrzehnte langer Zugehörigkeit nicht nur ihre materielle Existenzgrundlage, sondern auch ihren kollegialen Zusammenhalt - im Raum die  Frage: "Was war meine Arbeit eigentlich wert?" Nicht selten fließen Tränen: Nach so vielen Jahren guter Arbeit entlassen zu werden, das enttäuscht, tut richtig weh."

Zusammenhalt in gemeinsamer Protestaktion in Darmstadt

Karstadt (c) Ingrid Reidt
Karstadt

Ein starkes Zeichen der Solidarität setzte die Protestaktion in Darmstadt, bei der - wissend um die schwierige Konkurrenzsituation -  beide Belegschaften zusammenstanden und gemeinsam für den Erhalt von Arbeitsplätze und Sozialverträglichkeit demonstrierten. Oberbürgermeister Jochen Partsch war einer der insgesamt 5 Redner*innen, die ihre Solidarität und Sorge bekundeten.
62 Kerzen vor dem Eingang von Karstadt symbolisierten die kollegiale Verbundenheit in dem Bewusstsein, dass es hier oder dort Belegschaften treffen wird.

Nicht geschlossen - dennoch prekär

Die Zukunft der verbleibenden Häuser ist ungewiss (c) Ingrid Reidt
Die Zukunft der verbleibenden Häuser ist ungewiss

Die Standorte in Darmstadt, Gießen und Viernheim sind akut nicht von der Schließung betroffen. Trotzdem ist vielen klar: Die Zukunft der Belegschaften ist dennoch alles andere als abgesichert. "Die Sorge um die Zukunft der Arbeit am Standort bleibt" - sagt Ingrid Reidt. "Statt euphorischer Jubelschreie über den Erhalt, begegnete mir eher ein verhaltenes Aufatmen". Die Situation bei Galeria Karstadt Kaufhof bleibt prekär, die Beschäftigten sind sehr strapaziert.
Auch den Belegschaften der bestehenden Häuser werden wir daher unsere Aufmerksamkeit verstärkt widmen und sie in den nächsten Wochen und Monaten solidarisch begleiten.