Fleichverarbeitung (c) pixabay/Jai79

Aus-geschlachtet! - Stellungnahme zur Situation von Werkvertragsarbeitnehmer/innen in der Fleischwirtschaft

Fleichverarbeitung
Mi 20. Mai 2020
Betriebsseelsorge

Für menschenwürdige Arbeit statt Ausbeutung in der Fleischindustrie

Als ethischen Skandal bezeichnet die Katholische Betriebsseelsorge in Deutschland die unhaltbaren, teils menschenunwürdigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie. Unseriöse, oft rechtswidrige Werkverträge, überteuerte, unhygienische (Sammel-)Unterkünfte und Armutslöhne seien die Ursache für zutiefst unmenschliche Zustände, heißt es einer Stellungnahme, die am 19.05.2020 veröffentlicht wurde. „Unzählige Frauen und Männer werden seit Jahren in Knebelverträgen physisch und psychisch verschlissen und in einschlägigen Branchen auf im wahren Sinn des Wortes unerhörte Weise ‚ausgeschlachtet‘. Sie sind es nun, die mangels Schutz dem Virus ausgesetzt sind, in Massen erkranken, und um ihre Gesundheit, manche um ihr Leben ringen.“

Schuld sei die legale Möglichkeit von Werkvertragsvergabe an Subunternehmen, stellen die Betriebsseelsorger/innen fest. Diese Verträge, in denen wirtschaftliche Haftung und soziale Verantwortung an „Dritte“, abgegeben würde, schafften einen Teufelskreis von Abhängigkeiten und Ausbeutung und grenzten an „moderne Sklaverei“. Ethisch und menschlich sei das inakzeptabel.

Die Betriebsseelsorger/innen fordern die Verantwortlichen von Politik und Wirtschaft auf, Maßnahmen zu ergreifen, die Ausbeutung von Arbeitsmigrant/innen strukturell zu verhindern. Wichtig sei eine einschlägige Reform oder sogar die Abschaffung von Werkvertragsvergabe an Subunternehmen.

Verabschiedet wurde die Stellungnahme von der Bundeskommission Betriebsseelsorge. Hier arbeiten Arbeitnehmer- und Betriebsseelsorger/innen aus dreizehn Diözesen zusammen, darunter auch aus dem Bistum Mainz (https://betriebsseelsorge.de/bundesweit)