Georg Köstner (l.), Leiter der Service-Werkstatt, mit dem Auszubildenden Ehsan Mohammadi. (c) bss

Ausbildung von jungen Flüchtlingen stellt hohe Anforderungen an die Betriebe

Georg Köstner (l.), Leiter der Service-Werkstatt, mit dem Auszubildenden Ehsan Mohammadi.
Do 23. Jul 2020
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Bistum hilft benachteiligten Jugendlichen

Seit über 35 Jahren fördert das Bistum Mainz Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche. Ausbildungsbetriebe erhalten einen Zuschuss zu den Kosten. Gespeist wird der Fond aus Spenden und dem Haushalt des Bistums. Aktuell befinden sich 20 Ausbildungsplätze in der Förderung durch das Sofortprogramm.

Einer der Betriebe, die gefördert werden, ist der Roadrunner Bikeshop im Mainz-Hechtsheimer Industriegebiet. 2016, eher zufällig, ist der junge Muslim Ehsan Mohammadi  mit Bardo Dörrschuck, dem Prokuristen dieses mit 40 Jahren ältesten Mainzer Motorrad- und Rollergeschäfts und dem Leiter der Service-Werkstatt, Georg Köstner, in Kontakt gekommen. 

Schon immer interessierte sich Ehsan für Motoräder und deren Reparatur. Gute Voraussetzungen für Praktikum und Einstiegsqualifizierung und schließlich die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt Motorrad-Technik. Ehsans Ansprechpartner im Betrieb ist Georg Köstner.

Dörrschuck und Köstner sind stolz, dass er in diesem Sommer die Zwischenprüfung geschafft hat. Das sei nicht selbstverständlich gewesen, erklärten sie. Ehsan sei als „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ nach Deutschland gekommen. Dörrschuck gibt zu bedenken, was es bedeutet als 15-Jähriger alleine in einem fremden Land anzukommen, ohne Kenntnis der Kultur, der Sprache und Schrift und ganz von vorne beginnen zu müssen und vor allem ohne die Orientierung, die normalerweise das Elternhaus bietet. Auch habe Ehsan dramatische Erinnerungen an den Terror in der Heimat. Mit der Mutter auf der Flucht, kamen sie in den Iran. Von dort habe ihn seine Mutter schließlich alleine weiter nach Europa geschickt. Heute lebt Ehsan in einer Wohngruppe mit anderen Jugendlichen und erfährt Hilfe und Unterstützung durch Mitarbeiter eines freien Jugendhilfeträgers.

„Ich gab Eshan zu verstehen, dass ich an ihn glaube und sicher bin, dass er es schafft.“

Dörrschuck weist auf die erhöhten Anforderungen an einen Betrieb bei der Ausbildung von jungen Flüchtlingen hin. Sprachliche und fachliche Nachförderung sei unumgänglich und erfordere einen zusätzlichen Zeitbedarf. Hier lohne es sich aber in die jungen Menschen zu investieren. „Wir sind froh, dass wir durch unsere Bemühungen bei Ehsan eine positive Entwicklung anstoßen konnten.“ Kleine Betriebe könnten das allerdings nur bedingt leisten. Auch sei die Motivation und das Durchhalten im Betrieb eine große Herausforderung. Denn in einer Ausbildung stellten sich auch Misserfolge ein, nicht alles laufe glatt. „Groß sei die Versuchung dann hinzuschmeißen und das schnelle Geld als Ungelernter zu suchen. Für Dörrschuck kurzsichtig und ganz klar die falsche Alternative. „Ich gab Eshan zu verstehen, dass ich an ihn glaube und sicher bin, dass er es schafft.“

Der Auszubildende Ehsan Mohammadi (l.) bei der Montage einer Gabel an einem Motorrad mit dem Leiter der Service-Werkstatt Georg Köstner (c) bss
Der Auszubildende Ehsan Mohammadi (l.) bei der Montage einer Gabel an einem Motorrad mit dem Leiter der Service-Werkstatt Georg Köstner

Einen deutlichen Nachholbedarf sieht Dörrschuck in der Förderung von Betrieben, die sich für die Integration von Flüchtlingen durch eine qualifizierte Ausbildung einsetzten. Hier fühlt er sich von öffentlichen Einrichtungen allein gelassen, bedauert er unmissverständlich. „Aber ich bin froh über das Angebot der katholischen Kirche meine Ausbildungsbemühungen mit einem anerkennenden Zuschuss zu unterstützen“.