Solidarität der Betriebsseelsorge Südhessen mit den Beschäftigten von Distribution Juni 2019 (c) BSS

Ausgeliefert?!

Solidarität der Betriebsseelsorge Südhessen mit den Beschäftigten von Distribution Juni 2019
Mi 26. Jun 2019
Ingrid Reidt

Katholische Betriebsseelsorge Südhessen moniert respektlosen Umgang mit den Beschäftigten der Distribution GmbH 44 Bischofsheim

 

Solidaritätsbekundung der Katholischen Betriebsseelsorge und des katholischen Dekanats Rüsselsheim an die Belegschaft angesichts unverzüglicher Freistellung, ungeklärter betrieblicher Zukunft und drohender Arbeitslosigkeit

Mitte Juni erhielten die 68 Beschäftigten von Distribution-44 GmbH in Bischofsheim, Systempartner des Logistikunternehmens trans-o-flex, völlig unvorbereitet ein Schreiben, in dem sie von der Arbeit unverzüglich freigestellt und aufgefordert wurden, jegliches Eigentum wie auch Schlüssel und Unterlagen ihrer Tätigkeit dem Arbeitgeber abzugeben und eigene Gegenstände aus den Betriebsräumen an sich zu nehmen.  

Noch immer herrscht Ungewissheit über die betriebliche Zukunft der Belegschaft. Eine mögliche Insolvenzankündigung steht im Raum, bislang ohne Verifikation oder Konkretion. Eine der Situation angemessene Kommunikation seitens des Arbeitgebers bleibt aus. Nur mit großer Mühe des Betriebsrates und der zuständigen Gewerkschaft ver.di können Informationen über die konkrete Sachlage eingeholt werden. Die Beschäftigten bangen um ihre Arbeitsplätze und ihre Existenz. 

Die Presse hat bereits berichtet.

Auch als Kirche verfolgen wir diese Entwicklungen mit Sorge. In der Funktion als Arbeitnehmer*innen- und Betriebsseelsorgerin stehe ich im engen Kontakt mit dem Betriebstrat und der Belegschaft, begleite sie bei den Betriebsversammlungen und Treffen in dieser höchst prekären Situation. Verunsicherung, Fassungslosigkeit und Wut mischen sich mit der Angst um ihre Zukunft. Nach oft jahrzehntelanger Arbeit für das Unternehmen werden die Beschäftigten abserviert und in dieser schwierigen und vor allem ungeklärten Situation von Entscheidungsträgern und Verantwortlichen des Unternehmens im Stich gelassen.  

Als Katholische Betriebsseelsorge Südhessen und als katholisches Dekanat Rüsselsheim können und wollen wir diese Art des Vorgehen nicht unkommentiert lassen: 

Mit höchster Irritation und großem Unverständnis reagieren wir auf die gesamte Vorgehensweise seitens der Geschäftsleitung mit ihrer Belegschaft und monieren den respektlosen Umgang mit den Betroffenen Kolleginnen und Kollegen. 

Wir appellieren öffentlich an die Verantwortlichen des Unternehmens, ihre Informationspflicht wie auch ihre Verantwortung wahr und ernst zu nehmen und Sorge für ihre Belegschaft zu tragen. Damit machen wir deutlich, dass wir als Christen durchaus kritisch unternehmerische Entscheidungen verfolgen und auf die Wahrung der sozialen Verantwortung in regionalen Betrieben Wert legen.

Wir erwarten Transparenz über die betriebliche Lage, Übernahme der sozialen Verantwortung und nicht zuletzt, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, wertschätzende Kommunikation in dieser prekären Situation. 

Unsere uneingeschränkte Solidarität gilt den Beschäftigten und ihren Familien. Wir unterstützen die Belegschaft im Kampf um ihre Arbeitsplätze und um das Recht auf betriebliche Mitbestimmung.  

Mit unserem Angebot und der Begleitung bieten wir zudem ganz konkrete Hilfe an.

Ingrid Reidt, Katholische Betriebsseelsorgerin Südhessen  

Karl Zirmer, Dekan, Katholisches Dekanat Rüsselsheim