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Beschäftigung sichern statt Arbeitsplätze vernichten

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Datum:
Do. 22. Apr. 2021
Von:
Ingrid Reidt

Solidarität der katholischen Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Südhessen mit den Beschäftigten von Segula Technologies in Rüsselsheim

Alle Befürchtungen sind wahr geworden. Die Restrukturierung bei Segula Technologies Rüsselsheim ließ jenseits aller Versprechungen nicht lange auf sich warten. Nach nicht einmal zwei Jahren und dem unfreiwilligen Übergang mehrerer hundert Opelaner zum angepriesenen Dienstleistungsunternehmen Segula haben bereits jetzt schon knapp 100 Beschäftige ihren Arbeitsplatz verloren, davon etliche ehemalige langjährige Opelaner. Dreizehn Kollegen droht die betriebsbedingte Kündigung. 

Als Betriebsseelsorgerin in Rüsselsheim/Südhessen stehe ich in engem Kontakt mit dem Betriebsrat und der Belegschaft. Ihnen gilt meine Unterstützung im Kampf um jeden Arbeitsplatz und um existenzsichernde Beschäftigung im Unternehmen. Meine uneingeschränkte Solidarität gilt vor allem jenen Kollegen, denen nun, oft nach jahrzehnte langer Berufstätigkeit bei Opel und dem unfreiwilligen Wechsel zu Segula, die Arbeitslosigkeit droht. Ich teile deren Entrüstung und das berechtigte Gefühl, „verraten und verkauft“ worden zu sein. Denn Vertrauen ins Unternehmen wurde enttäuscht, das Versprechen einer sicheren beruflichen Zukunft bei Segula nicht eingelöst.  Die menschliche Enttäuschung mischt sich nun mit ganz existenziellen Ängsten vor Arbeitslosigkeit und sozialem Abstieg. Die Einrichtung einer Transfergesellschaft tröstet da nur bedingt: Denn aus langjähriger Erfahrung als Seelsorgerin in der Arbeitswelt weiß ich zu gut um derartige Situationen. Zu oft habe ich in den letzten Jahren in Rüsselsheim und der Region (etwa bei Rhenus/SCR) Ähnliches erlebt. Mit Anfang/ Mitte 50 eine neue adäquate Arbeit zu finden, gleicht im umkämpften und liberalisierten Arbeitsmarkt einem mittleren bis schweren Unterfangen. Die Corona-Pandemie verschärft die Situation dazu immens. Und auch jenes zeigt sich immer wieder: Den „freiwilligen“ Angeboten folgt oft die Drohung betriebsbedingter Kündigungen.

Daher richte ich in dieser Erklärung verstärkt das Augenmerk auf die Folgen, die mit permanenten Restrukturierungsmaßnahmen einhergehen, und damit auf das, was all das menschlich und psychisch mit den Beschäftigten macht.

Besorgt um jede einzelne Person (mitsamt ihrer Familie) appelliere ich an alle Verantwortlichen in Wirtschaft und Arbeitswelt, sich mehr denn je für die nachhaltige Sicherung von Beschäftigung im Unternehmen einzusetzen statt Arbeitsplätze aufs Spiel zu setzen.  

Es braucht insbesondere in der Automobilbranche sozialverträgliche, nachhaltige Formen der Transformation. Dieser Appell gilt in einer durch Corona höchst fragilen Zeit noch einmal mehr.

Das Team der Betriebsseelsorge Rüsselsheim/Südhessen bietet jedweden von Arbeitslosigkeit Betroffenen wie auch Beschäftigten Unterstützung an. Wir sagen der Belegschaft und dem Betriebsrat von Segula auch im Fortgang der Entwicklung unsere Solidarität zu.

Kontakt:
Kath. Betriebsseelsorge Südhessen
Ingrid Reidt
Weisenauer Str. 31
65428 Rüsselheim
Tel. 06142/64104
Ingrid.reidt@bistum-mainz.de