Oasentag auf dem Jakobsberg (c) bss

Das „Gelbe“ der Scheibe zu treffen, war nicht das erste Ziel!

Oasentag auf dem Jakobsberg
Datum:
Mi. 6. Okt. 2021
Von:
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Oasentage für Arbeitnehmervertreter auf dem Jakobsberg

Einen sicheren Stand finden, das Ziel fokussieren, Spannung aufbauen und im richtigen Moment loslassen, darauf kommt es nicht nur beim Bogenschießen an, sondern auch im eigenen Leben. Das rechte Maß erkennen, die Kraft des Loslassens und Zulassens entdecken und die eigene Mitte finden, waren Erfahrungen die Betriebs-, Personalräte und Mitarbeitervertretungen im Kloster Jakobsberg während dem Oasentag der Betriebsseelsorge machen konnten.

Niederauer geht es um Selbstwahrnehmung und die Begegnung mit sich selbst.

Gestaltete Mitte im Meditationsraum (c) bss
Gestaltete Mitte im Meditationsraum

Das Besondere an den Oasentagen ist, dass nicht alltägliche Erfahrungen möglich sind. „Ich habe noch nie mit Pfeil und Bogen geschossen“, hörte man von vielen Teilnehmenden. Das Bogenschießen war diesmal die Herausforderung. Das Leitungsteam bildeten Betriebsseelsorger Hans-Georg Orthlauf-Blooß und Uwe Niederauer. Der Diplom Sportlehrer setzt Pfeil und Bogen auch in seiner hauptberuflichen therapeutischen Arbeit ein. Dabei geht es in erster Linie gar nicht darum, das „Gelbe“ in der Mitte der Zielscheibe zu treffen. Niederauer geht es um Selbstwahrnehmung und die Begegnung mit sich selbst. Es ging darum, sich auf ein Ziel auszurichten, zu erleben wie sich Spannungen mit der richtigen Atemtechnik in Kraft umwandeln lassen und sich so ein neues Köperbewusstsein entwickelt: Den Bogen spannen im Einatmen, den Schuss lösen im Ausatmen, dem Schuss nachspüren und so zur eigenen Mitte finden.

Der erste inhaltliche Teil widmete sich den eher theoretischen Grundlagen, wie der Bogen zu halten und ein guter Stand gefunden werden kann. Recht aufschlussreich war der Versuch, ob man links- oder rechtsäugig ist, also welches Auge beim Zielen benutzt werden soll. Die von Niederauer angeleiteten Feldenkrais-Übungen dienten der Schulung der Aufmerksamkeit. Zum guten Stehen wird dabei die Aufmerksamkeit auf den Raum der Füße gerichtet. Durch minimale Gewichtsverlagerungen von der Fuß-Innenseite, zur Außenseite, dem Ballen und dem Zehenbereich ergibt sich große Stabilität. Dies konnten die Teilnehmer auch bei einem frühmorgigen „Gang in die Natur“ barfuß auf der Wiese vor der Laurenzibergkapelle im nassen Gras feststellen.

"Das höchste Glück eines Bogenschützen konnten einige für sich erfahren!"

Genaues Zielen war angesagt (c) bss
Genaues Zielen war angesagt

Später, dann am Vormittag hatten die Teilnehmenden viel Zeit zum intensiven Üben. Groß war der Jubel, wenn immer mehr Bogenschützen auch die aufgestellten Zielscheiben trafen und sich durch immer größere Optimierung der Atemtechnik, des sicheren Stands, des Muskeleinsatzes die Treffer in den Innenkreisen häuften. Aber darauf kam es gar nicht an!

„Das höchste Glück eines Bogenschützen im Loslassen eine gewisse Leichtigkeit zu erfahren, weil die Selbstwahrnehmung im Zusammenspiel zwischen anspannen und zielen im Moment des Loslassens sich genau richtig anfühlt, konnten einige für sich erfahren.“

Auch er Austausch und das Miteinander im Gespräch kam nicht zu kurz. Gerne angenommen wurde auch die Möglichkeit der Teilnahme an den Gebetszeiten der Mönche und Schwestern, die auf dem Jakobsberg leben. Wegen Corona war der Oasentag mit nur 12 Teilnehmenden dennoch ausgebucht. Im Einbahnverkehr innerhalb des Tagungshauses stellte sich fast schon Routine ein und andere Beschränkungen waren im beginnenden Herbst bereits gelockert. So war die Bedrohungslage in der Atmosphäre des Klosters und beim Schießen im Freien fast vergessen.