Dekan Volkard Guth und Dekan Stefan Wanske, Ausstellung Altersarmut (c) A. Rach

Dekane äußern sich besorgt über die Zunahme der Armut im Alter

Dekan Volkard Guth und Dekan Stefan Wanske, Ausstellung Altersarmut
Mo, 12. Nov 2018
Jutta Rettinghaus

Die gesetzliche Rente muss das Existenzminimum überschreiten!

Nach dem Besuch einer vom Bündnis für Soziale Gerechtigkeit initiierten Ausstellung zum Thema Altersarmut im Kreishaus des Wetteraukreises äußerten die beiden Dekane Volkhard Guth vom Evangelischen Dekanat Wetterau und Stefan Wanske, Katholisches Dekanat Wetterau-West in einer gemeinsamen Presseerklärung ihre Sorge über die Zunahme der Armut unter älteren Menschen.

In der Ausstellung, die noch bis zum 16.11.2018 zu sehen ist, werden Lebenssituationen aufgezeigt von Menschen die bereits Rente beziehen, aber es wird auch beispielhaft dargestellt welche Rentenzahlung jüngere erwerbstätige Menschen zu erwarten haben.

Mehr als eine Millionen Rentner bundesweit stocken schon heute ihre Rente auf. Ihre Zahl nimmt ständig zu, da der Niedriglohnsektor wächst und gleichzeitig das Rentenniveau sinkt. Nicht wenige der Niedriglohnbezieher müssen ihre Einkommen durch Sozialhilfe ergänzen, dies trotz einer dauerhaft guten Wirtschaftslage.

Nach Angaben der IG Bauen-Agrar-Umwelt Friedberg-Gelnhausen beziehen derzeit 11700 Vollzeitbeschäftigte im Wetteraukreis weniger als 2200 Euro brutto im Monat. Mit einem heutigen Einkommen von weniger als 2200 Euro brutto im Monat sind diese Menschen im Alter von Armut bedroht. Die durchschnittliche Rente für Frauen in West-Deutschland lag Anfang 2017 bei 546 €, Männer erhalten1.040 €.

Wie in der Ausstellung zu erfahren ist müssten erwerbstätige Menschen, um nach heutigem Niveau eine Rente von 1268 € im Jahr 2030 zu erhalten, 45 Jahre lang durchgängig mindestens 3500 € brutto verdient haben. Ein Einkommensbetrag, den viele Berufstätige so nicht erreichen und schon gar nicht dauerhaft über einen so langen Zeitraum.

Die Verarmung nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben ist real und trifft in der Mehrheit alleinstehende Personen, insbesondere Frauen deren Erwerbsbiografie durch Erziehungs- und Pflegezeiten unterbrochen sind und die nicht selten in Teilzeit arbeiten.

Beide Dekane weisen darauf hin, dass Altersarmut keine abstrakte Situation ist, die sich irgendwo anders abspielt. Sie sei auch bei uns vor Ort in der Nachbarschaft vorzufinden.

In der Arbeit von Kirche, Diakonie und Caritas gibt es immer wieder die Begegnung mit Menschen, die sich nach einem langen Arbeitsleben in der Armut wiederfinden und die die Wertschätzung für ihre berufliche Lebensleistung schmerzlich vermissen.

Der Blick auf ein Leben im Alter muss vor diesem Hintergrund für Teile unserer Gesellschaft zwangsläufig zu Angst und Hoffnungslosigkeit führen. Dies müsse ernst genommen werden, im Blick auf die Betroffenen, aber auch weil damit dauerhaft der soziale Friede gefährdet sei.

Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus halten die Dekane für unverantwortlich und fordern vielmehr, dass die gesetzliche Rente das gesetzliche Existenzminimum übersteigen müsse, zumal private Vorsorge unter diesen Umständen ein illusorischer Appell sei.

Die Ausstellung „Altersarmut“ ist noch bis zum 16. November im Foyer des Kreishauses am Friedberger Europaplatz, Gebäude B, während der Öffnungszeiten zu sehen: montags bis mittwochs, von 7:30 bis 16 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr und freitags bis 12:30 Uhr.

 

(A. Rach)