"Fair zugestellt statt ausgeliefert!"

"Fair zugestellt statt ausgeliefert" - Verteilaktion Raunheim am Tor
Datum:
Di. 29. Nov. 2022
Von:
Eva Reuter

Betriebsseelsorge Südhessen unterstützt ver.di   bei Aktionswochen in der Paketbranche in Raunheim am 24.11.2022

Bundesweite ver.di Kampagne „Fair zugestellt statt ausgeliefert“ informiert die Beschäftigten vor Ort - 

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert ein Gesetz zur Sicherung der Arbeitnehmer*innenrechte in der Paketbranche analog dem bestehenden Gesetz in der Fleischindustrie. Dort verbietet ein Gesetz seit nahezu zwei Jahren Werkverträge und Selbstständige. 

"Fair zugestellt statt ausgeliefert" Verteilung LKW

Mit der bundesweiten Kampagne unter dem Motto „Fair zugestellt statt ausgeliefert“ will sich ver.di für bessere Arbeitsbedingungen bei den Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) wie amazon, Hermes, DPD, GLS und DHL Express einsetzen. Ziel dieses Gesetzes ist die Sicherung von Rechten und Ansprüchen der Arbeitnehmer*innen, ein Gesundheitsschutz und damit bessere Arbeitbedingungen.

Zusammen mit Philipp Jacks DGB-Vorsitzender für Frankfurt am Main Letitia Matarea-Türk vom Beratungsnetzwerk des DGB – „Faire Mobilität“ Frankfurt am Main, Ruth Abraha und Jana Bieker vom Europäischer Verein für Wanderarbeiterfragen e.V. (EVW) und DGB Bildungswerk Bund e.V. in Frankfurt, Nicole Lämmerhirt ver.di Gewerkschaftssekretärin Südhessen und Ingrid Reidt von der katholischen Betriebsseelsorge Südhessen wurden vor dem amazon Verteilzentrum und dem DHL Express Verteilzentrum in Raunheim Infoblätter rund um die Rechte der Arbeitnehmer*innen und Kontaktdaten für mögliche Beratungen verteilt.

In der Zeit von 8:00 Uhr bis 11:00 Uhr fuhren die Fahrer*innen im Minuten Takt auf die Betriebsgelände. Viel Zeit für die Beratung blieb dabei nicht. Viele Arbeitnehmer*innen nahmen den Flyer an. Vier Beschäftigte erzählten uns, dass sie gestern Abend aus Bulgarien kamen und die Nacht in einer heruntergekommenen Sammelunterkunft verbrachten. Jetzt sollen sie geschult werden und dann mit der Zustelltour beginnen. Hier war es umso hilfreicher die Kolleginnen der Fairen Mobilität und Fairen Integration vor Ort zu haben, die die Zusteller*innen in ihrer Landessprache ansprechen und informieren konnten. Denn laut Recherchen sind ca. 90% der Paketzusteller*innen bei den Subunternehmen oder als Soloselbstständige aus Osteuropa oder Drittstaaten.

„Wir fordern von den Unternehmen, dass sie Verantwortung übernehmen“ so Nicole Lämmerhirt, ver.di Gewerkschaftssekretärin Südhessen. „Wir wollen, dass die Unternehmen auch in der Zustellung Arbeitsbedingungen schaffen, die es den Menschen ermöglichen, in diesem Beruf mit guter Bezahlung und adäquaten Arbeitszeitregelungen möglichst lange zu arbeiten“, sagte Nicole Lämmerhirt.

ver.di fordert, dass im Bereich des Transportes und der Auslieferung bei Paketdienstleistern kein Fremdpersonal mehr eingesetzt wird. Im Kerngeschäft der Paketdienstleister, der Sortierung und der Auslieferung von Paketsendungen muss der Einsatz von Fremdpersonal zum Schutz der Arbeitnehmer*innen gesetzlich ausgeschlossen werden. Zudem soll es eine Kennzeichnungspflicht bei schweren Paketen geben. 20 kg soll das Höchstgewicht sein – nicht 31,5 kg wie aktuell. Damit das Gesetz aber wirksam ist, sind Kontrollen durch den Zoll und damit eine Erhöhung der Stellen beim Zoll eine weitere Forderung von ver.di.

Bundesweit gibt es in dieser Woche und in der Woche ab 12.12.22 Aktionen vor den Betrieben von amazon, GLS, Hermes, DPD und DHL Express, um die Beschäftigten über die Forderungen von ver.di zu informieren. Nur gemeinsam mit allen Bündnispartnern lässt sich die prekäre Situation in der Paketbranche verbessern.
Ingrid Reidt von der Betriebsseelsorge Südhessen unterstützt aktiv die Initiative: "Den ausbeuterischen Strukturen in der Logistikbranche gilt es Einhalt zu bieten. Es trifft vor allem Menschen aus Osteuropa und Nicht-EU-Ländern. Es ist zentrales Anliegen der Betriebsseelsorge, gemeinsam mit den Gewerkschaften und Initiativen, Paketfahrer*innen vor Ort in den Industriegebieten aufzusuchen und sie über geltendes Arbeitsrecht aufzuklären. Das ist ein erster wichtiger Schritt.

Die Logistikbranche im Rhein-Mein gebite boomt. Auch in Zukunft wird sich die Betriebsseelsorge in der Region für die menschenwürdige Arbeit insbesondere auch in der Logistikbranche einsetzen und sich an Aktionen beteiligen.  

(Text: Nicole Lämmerhirt, Ingrid Reidt; Bildnachweis: Philipp Jacks, Ingrid Reidt)

Weitere Informationen

Arbeitsausbeutung von Migrant:innen aus Osteuropa wie auch aus Nicht-EULändern ist in vielen Branchen gängige Praxis. Die Betriebsseelsorge unterstützt die Arbeit und Initiative von „Faire Mobilität“ und „Faire Integration“, die Menschen beraten und sich für menschenwürdige Arbeit von Menschen aller Herkunft engagieren.

Beratungsstelle Faire Mobilität Hessen in Ffm
Mehrsprachige Beratungsstelle für Beschäftigte aus Mittel- und Osteuropa.
Info/Kontakt: www.faire-mobilitaet.de Mail: kontakt@faire-mobilitaet.de

Beratungsstelle Faire Integration
Mehrsprachliche Beratung in arbeits- und sozialrechtlichen Fragen für Menschen aus Nicht-EU-Ländern
Info/Kontakt: www.faire-integration.de