BR-Plassat (c) bss

Faire Arbeit. Würde. Helfen

BR-Plassat
Do 7. Dez 2017
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Brasilianischer Ordensmann diskutierte mit Mainzer Betriebsräten

Die Sorge um menschenwürdige Arbeitsbedingungen und gerechte Entlohnung für die Menschen in Lateinamerika steht in diesem Jahr im Blickfeld der Weihnachtsaktion des katholischen Hilfswerkes Adveniat. Bei einem Treffen mit Betriebs- und Personalräten in Mainz wies Alois Bauer, Referent für Gerechtigkeit, Frieden und Weltkirche im Bistum Mainz auf das Wortspiel im Slogan „Faire Arbeit. Würde. Helfen.“ hin und ergänzte „damit Menschen leben können“. Dies umschreibe auch das Anliegen von Xavier Plassat, der in diesem Jahr als Gast von Adveniat das Bistum besuche.
Plassat02 (c) bss
Plassat02

Bruder Xavier Plassat war bevor er sich dem Orden der Dominikaner anschloss. ein engagierter Gewerkschafter in Frankreich. „Dann vor 30 Jahren führte mich mein Weg nach Brasilien. Ich wollte hier mit den Armen zusammenleben“, stellt er sich den Arbeitnehmervertretern vor. Damals habe er beobachtet, dass die Landverteilung durch die Kolonialisierung ungerecht ist. Dies mache die Landbevölkerung bis heute sehr verwundbar. Plassat schilderte seinen gewaltfreien Kampf für faire Bedingungen. Die Bedingungen habe sich dadurch auch verbessert. Doch heute sei die Situation wieder dramatisch. Die derzeitige Regierung lasse es zu, dass sich das Erreichte zurückentwickele. „Zwar ist die Sklaverei 1888 abgeschafft, doch es gibt sie bis heute“, stellte der Ordensmann fest.  

Xavier Plassat ist der nationale Koordinator der Landpastoral der Katholischen Kirche in Brasilien. Ziel der Landpastoral sei, die Rechte der kleinen Landbauern, ihr Recht auf faire Arbeit und Land zu verteidigen und die Befreiung der Arbeitssklaven. Vor allem die Landwirtschaft sei davon betroffen. Skrupellose Unternehmer in kriminellen Netzwerken nutzten die verzweifelte Not vor allem der Migranten aus. Arbeitslos würden sie durch falsche Versprechungen in prekäre Arbeitsverhältnisse gelockt, aus denen sie, in Schulden getrieben, kaum mehr herauskämen. Die Lebensbedingungen trügen die Kennzeichen moderner Sklaverei. Mit Kampagnen und politischer Arbeit versucht die Landpastoral das Unrecht einzuklagen, den Befreiten in ein würdevolles Leben zu helfen und die Ursachen zu bekämpfen.

Spannend wurde das Gespräch, als Plassat an Beispielen deutlich machte, wie auch wir, die Menschen im fernen Deutschland, „indirekt und unwissend“ als Konsumenten am Ende einer langen Produktionskette zur Sklavenarbeit beitragen. Die Betriebsräte betonten, wie wichtig die Aufklärung über die Zusammenhänge sind. So lasse sich solidarisch dann das Kaufverhalten anpassen. In Hilflosigkeit und Resignation zu erstarren, sei der falsche Weg. „Wir müssen laut werden für die, die keine Stimme haben!“, sagte eine Teilnehmerin.

Die Katholische Betriebsseelsorge Rheinhessen hatte zu der Begegnung ins Jugendhaus Don Bosco eingeladen. Die Betriebs- und Personalräte gehören einem unabhängigen Arbeitskreis aus dem Großraum Mainz an. Der Kreis versteht sich als Netzwerk von Arbeitnehmervertretern aus Firmen und Einrichtungen verschiedenster Branchen. Er dient dem gegenseitigen Austausch und der solidarischen Unterstützung untereinander. 

hgob