Radwallfahrt 2021 (c) BSS Ingrid Reidt

Frauen stärken!

Radwallfahrt 2021
Datum:
Di. 14. Sep. 2021
Von:
Ingrid Reidt

Radwallfahrt der Betriebsseelsorge und St. Walburga widmet sich Fragen der Geschlechtergerechtigkeit

21 Radwallfahrer*innen nahmen  im Rahmen der Dekanatswallfahrt nach Maria Einsiedeln die Situation von Frauen in Gesellschaft, Arbeitswelt und Kirche in den Blick.

Seit fast 20 Jahren machen sich im Rahmen der traditionellen Wallfahrt des Dekanates Rüsselsheim nach Gernsheim immer auch Radwallfahrer*innen auf den Weg.
Das Leitthema in diesem Jahr lautete "Frauen stärken".

Beginnend vor St. Walburga in Groß Gerau startete die 21-Personen starke Gruppe um 9 Uhr mit einem Impuls zur Frage nach Arbeitbedingungen von Frauen und der Bewertung von Arbeit, die deutlich macht: Berufe, die gegenwärtig vorrangig Frauen ausüben, werden unverhältnismäßig schlechter und geringer bezahlt als Berufe, die derzeit vorrangig Männer ausüben. "Es bedarf unbedingt einer neuen Art der Bewertung von Erwerbsarbeit, insbesondere der sozialen Berufen ( wie z.B. Pflege, Erziehung, Bildungsarbeit) " sagt Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin Südhessen. Dabei sei es nicht damit getan, zu klatschen, sondern die strukturelle Schieflage zu sehen. Die Wertschätzung von Arbeit müsse sich auch monetär ausdrücken, um gerecht zu sein und um Armut und Altersarmut von Frauen nachhaltig zu lindern.

Nach dem Reisesegen durch Gemeindereferentin Irmgard Jahn macht sich die Gruppe mit dem Fahrrad auf zur nächsten Station, dem Büchnerhaus in Goddelau. Peter Brunner, Leiter des Museums, gab der Gruppe Einblicke in die Biografie von Luise Büchner, die im 19. Jahrhundert als junge Frau dadurch hervorstach, dass sie sich Wissen aneignete, das bis dahin nur Männern vorbehalten war und sich für Frauenrechte und Bildung von Mädchen und Frauen stark machte. Im Vortrag wurde deutlich: Die freie Berufswahl wie auch das Wahlrecht von Frauen waren lange Zeit alles andere als selbstverständlich. Es brauchte Frauen, die diese erkämpften.

An einer letzten Station vor der Kirche Maria von Magdala in Gernheim gab Irmgard Jahn einen Impuls zur Bedeutung von Frauen in der Bibel und in der Kirchengeschichte. Sie verdeutlichte: Es gab zu jeder Zeit in der oft von Männer geprägten Kirche herausragende Frauen, wie etwa Hildegard von Bingen, die Kirche wesentlich prägten und wichtigen geistliche Impulse setzten.

Am Ende der Radwallfahrt, die neben von Ingrid Reidt und Irmgard Jahn auch von Christine Müller vom Caritaszentrum Rüsselsheim verantwortet und gestaltet war,  nahm die Gruppe am Festgottesdienst in Gernsheim teil.
Mit einer Fürbitte brachte die Gruppe ihren thematischen Schwerpunkt der Radwallfahrt ein:
"Gerechter Gott: Vor Dir, Gott, sind alle Menschen gleich und gleich-berechtigt. Die Wirklichkeit sieht vielfach anders aus: Frauen sind an vielen Orten der Welt unterdrückt und der Stimme beraubt. Und auch hierzulande gibt es strukturelle Schieflagen: Frauen arbeiten vielfach für weniger Lohn als Männer, klassische Frauenberufe entbehren die nötige Wertschätzung.  Und auch in unserer Kirche bleiben Frauen noch immer der priesterlicher Beruf aufgrund des Geschlechts verwehrt. Hilf uns als Christinnen und Christen, noch sensibler zu werden für strukturelle Benachteiligung von Frauen, dass wir uns für Gleichberechtigung offen einsetzen. Überall:  In Gesellschaft. Arbeitswelt und auch in unserer eigenen Kirche. 

Bericht: Ingrid Reidt