Ingrid Reidt (c) Ingrid Reidt

"Fühlen sich verraten und verkauft"

Ingrid Reidt
Datum:
Mi. 16. Juni 2021
Von:
Anja Weiffen / Kirchenzeitung

Immer wieder gerät Opel – 2017 vom französischen Konzern PSA Peugeot Citroen übernommen – durch Umstrukturierungsmaßnahmen in den Blick. Am Standort Rüsselsheim kehrt keine Ruhe ein. Auch beim Rüsselsheimer Ingenieurdienstleister Segula bangen Mitarbeiter um ihre Jobs. Fragen an Ingrid Reidt von der katholischen Betriebsseelsorge Südhessen.

Opel hat vor circa zwei Jahren mehrere hundert Mitarbeiter an den Ingenieurdienstleister Segula in Rüsselsheim überführt. Von etlichen Mitarbeitern hat sich Segula bereits getrennt. Den Arbeitnehmern bei Segula wurde eine Zukunftsperspektive in Aussicht gestellt. Wie geht es den Beschäftigten?

Nicht gut. Sie fühlen sich verraten und verkauft. Der Übergang zu Segula war für die meisten unfreiwillig. Es gab keine Zustimmung seitens des Opel-Betriebsrats. Schon damals gab es Skepsis, diese hat sich vielfach bestätigt. Die Menschen sind frustriert, bangen um ihren Arbeitsplatz, haben schlaflose Nächte.

Ist so ein Transfer von Mitarbeitern an ein anderes Unternehmen, der dann doch für einige kein gutes Ende nimmt, ein Einzelfall oder kommt das öfter vor?

Die Auslagerung ganzer Betriebsteile an Zulieferer ist gängig und oft mit Nachteilen und Risiko für die Beschäftigten verbunden. Diese vermeintliche Normalität verfolgen wir als Betriebsseelsorge sehr kritisch, denn durch diese Praxis werden nicht nur Belegschaften entzweit, sondern Aufspaltung bedeutet vielfach Enttarifierung, Senkung von sozialen Standards und Schwächung von Mitbestimmung.

Was löst das in Menschen aus, wenn sie mehrfach enttäuscht und herumgeschoben werden, sich betrogen fühlen?

Misstrauen dem Arbeitgeber gegenüber, Wut, Ärger, Angst. Durch Corona und Homeoffice ist dies nochmal verschärft, die Kommunikation eingeschränkt, die Zukunft ungewiss.

Was kann die Betriebsseelsorge tun?

Ich pflege engen Kontakt zum Betriebsrat und den Vertrauensleuten und unterstütze Aktionen zur Beschäftigungssicherung. Mein persönliches Angebot als Betriebsseelsorgerin an Beschäftigte, vertraulich sprechen zu können, ist im Betrieb bekannt. Ich nehme an Betriebsversammlung teil, um die Interessen der Belegschaft zu stärken.
Anruf: Anja Weiffen

Diesen Artikel und noch viel mehr lesen Sie in der neuesten Ausgabe von Glaube und Leben vom 20. Juni  2021. Gibt's was Neues bei Ihnen, lassen Sie es uns wissen! Anruf - 06131/28755-0 - oder E-Mail: info@kirchenzeitung.de