Gruppenfoto bei den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden v.l.n.r.: Kaplan Levi Hinglo, Francis Ozochi, Pater Alexander George OCarm, Betriebsmeister Erwin Sauer, Betriebsseelsorger Richard Kunkel, Valentine Ede, Pfarrer Eduard Lucaci und Pater Febin Francis OCarm (c) bss

Fundierte Einblicke in die Berufs- und Arbeitswelt

Gruppenfoto bei den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden v.l.n.r.: Kaplan Levi Hinglo, Francis Ozochi, Pater Alexander George OCarm, Betriebsmeister Erwin Sauer, Betriebsseelsorger Richard Kunkel, Valentine Ede, Pfarrer Eduard Lucaci und Pater Febin Francis OCarm
Fr 4. Okt 2019
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Pastoralkurs 2019 ausschließlich mit Seelsorgern der Weltkirche

Sechs pastorale Mitarbeiter des Bistums erhielten in ihrer zweiten Ausbildungsphase im Bistum Mainz, dem sogenannten Pastoralkurs, einen zweiwöchigen Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt. Ziel dieses Kurses ist die Sensibilisierung der Theologen für ökonomische Zusammenhänge, die Veränderungen in der Arbeitswelt sowie die Sorgen und Nöte von Arbeitnehmern. Das Besondere am Pastoralkurs 2019 besteht darin, dass ausschließlich „Seelsorger der Weltkirche“ teilnehmen: drei  Theologen aus Afrika, zwei Patres aus Indien und ein Pfarrer aus Rumänien. Sie werden mittel- und langfristig im Bistum Mainz als Seelsorger arbeiten, so der Plan.

Die pastoralen Mitarbeiter erhielten wichtige Einblicke bei den Besuchen in verschiedenen Betrieben und Einrichtungen sowie im lebendigen Austausch bei Gesprächen mit Betriebsräten, mit Arbeits- und Erwerbslosen, mit Verantwortlichen der Gewerkschaften, der Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer. Sie besuchten Gerichtsverhandlungen und machten einen Informationsbesuch in einem Jobcenter. Auf diese Weise lernten sie auch die Arbeitsfelder der Betriebsseelsorger im Bistum kennen und konnten erfahren, wie facettenreich deren Tätigkeit und wie bedeutsam deren Vernetzungsarbeit in die Berufs- und Arbeitswelt ist.

Station 1: Mitarbeit im Lebensmitteleinzelhandel

Francis Ozochi bei seinem Arbeitseinsatz bei tegut in Frankfurt (c) bss
Francis Ozochi bei seinem Arbeitseinsatz bei tegut in Frankfurt

Den zeitlichen Schwerpunkt bildete wieder wie in den vergangenen Jahren ein Praktikum in verschiedenen Märkten des Lebensmitteleinzelhändlers „tegut… gute Lebensmittel GmbH &Co. KG“ (Hauptsitz: Fulda). Die Betriebsseelsorger arbeiten hier seit vielen Jahren mit Eric Tiedtke von tegut zusammen. Mit viel Verständnis für die besondere Situation übernimmt er die Koordinierung der Arbeitseinsätze in den im Rhein-Main-Gebiet verteilten Märkten. Dort konnten die Theologen Erfahrungen mit konkreten Arbeitssituationen mit allen physischen und psychischen Belastungen sammeln. Auch längere Anreisewege gehörten nun zu ihrem Alltag. So lernten sie Logistik und Arbeitsbedingungen in einem modernen Einzelhandelsunternehmen kennen und konnten die neuen Erfahrungen mit vorhandenen aus anderen Bereichen vertiefen und auf dem Hintergrund als angehende Seelsorger reflektieren.

2. Station: Diözesantag für Betriebs-, Personalräte und Mitarbeitervertretungen

Die Absolventen des Pastoralkurses gehörten zu den mehr als 120 Teilnehmern des Diözesantags der Betriebsseelsorge. Unter dem Motto "fair)-sprechen! informieren – befragen – beteiligen“ beschäftigten sie sich mit guter Kommunikation im Betrieb. Mitten unter den Arbeitnehmervertreter nahmen sie an Vorträgen und Workshops teil. 

Station 3: Besuch der Mainzer Müllverbrennungsanlage mit Informationsaustausch

Betriebsmeister Erwin Geier (l.) und Pater Febin Francis OCarm beim Blick in die Brennkammer. (c) bss
Betriebsmeister Erwin Geier (l.) und Pater Febin Francis OCarm beim Blick in die Brennkammer.

Teil des Pastoralkurses ist immer auch der Besuch in einem größeren Unternehmen. Im Rundgang durch die Mainzer Müllverbrennung erklärte Betriebsmeister Erwin Geier die imposante und komplizierte Anlage auf der Ingelheimer Aue und erläuterte Abläufe und Arbeitsbedingungen. Die ausländischen Theologen stellten fest, dass es ähnliche Anlagen in ihren Heimatländern praktisch nicht gibt. In der bis zu 1000 Grad Celsius heißen Brennkammer werden täglich ca. 1300 Tonnen Müll in Energie umgewandelt. Mit dem entstehenden heißen Dampf wird in Generatoren Strom erzeugt oder Fernwärme gewonnen. Damit wird seit 2002 auch Raumheizung und Warmwasserversorgung z.B. im Mainzer Dom sichergestellt. Daneben werden auch eine Vielzahl anderer Wohnungen, Bürogebäude, Kirchen und Einrichtungen in Mainz versorgt.

Sehr spannend war zum Abschluss des Besuchs das Gespräch mit dem Vorsitzenden des Betriebsrats der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG, Thomas Scherer. Er berichtete von den Aufgaben der Betriebsräte und der Beteiligung an Unternehmensentscheidungen, die Theologen ihrerseits über die Situation der Wirtschaft und die Herausforderung der Menschen in ihren Heimatländern.

Station 4: Beobachter bei Verhandlungen am Arbeitsgericht

Am Eingang des Arbeitsgerichts (v.l.) Pater Alexander George OCarm und Pater Febin Francis OCarm aus dem Mainzer Karmeliterkloster (c) bss
Am Eingang des Arbeitsgerichts (v.l.) Pater Alexander George OCarm und Pater Febin Francis OCarm aus dem Mainzer Karmeliterkloster

Streitigkeiten zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern können auch am Arbeitsgericht verhandelt werden, wenn bei Arbeitskonflikten keine betriebliche Lösung erreicht werden kann. Um sich einen Eindruck vom System der Rechtsprechung zu machen, nahmen die Seelsorger als Zuschauer einen Vormittag lang an mehreren Verhandlungen teil.

Es handelte sich um sogenannte Gütetermine, die einer „Rechtsprechung“ durch ein richterliches Urteil zwingend vorgeschaltet sind. Darin versucht der vorsitzende Richter zusammen mit den ehrenamtlichen Richtern (je einer von der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite), aus den Einlassungen der Prozessbeteiligten eine einvernehmliche Regelung, einen Vergleich, vorzuschlagen. Zu den häufigsten Verfahren vor den Arbeitsgerichten zählen Kündigungsschutzklagen. Darum ging es auch diesmal, z.B. um die Rechtmäßigkeit einer außerordentlichen Kündigung, die Höhe der Zahlung einer Abfindung, um Aufschub des Kündigungstermins.

Station 5: Manchmal stehen Kirche und Gewerkschaften Seite an Seite

Besuch beim DGB: Myriam Lauzi (M.) im Gespräch mit Valentine Ede (l.) und Pater Alexander George OCarm (c) bss
Besuch beim DGB: Myriam Lauzi (M.) im Gespräch mit Valentine Ede (l.) und Pater Alexander George OCarm

Über die Grundzüge der Gewerkschaftsarbeit informierte Myriam Lauzi, politische Referentin für Sozial- und Gesundheitspolitik beim Landesverband Rheinland-Pfalz/Saarland des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). In den Mitgliedsgewerkschaften des DGB waren 2018 bundesweit knapp 6 Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer organisiert, um ihre Interessen in Gesellschaft und Politik und bei Tarifverhandlungen zu verfolgen. 

Lauzi hob die Bedeutung der Vernetzung hervor. In vielen Sachfragen stimmten Kirche und Gewerkschaften überein, arbeiten Gewerkschaften z.B. mit der Betriebsseelsorge zusammen. In der Allianz für den freien Sonntag stehen die Gewerkschaften mit den Kirchen Seite an Seite. 

Austausch Im Konferenzraum des DGB (c) bss
Austausch Im Konferenzraum des DGB

Wichtig sei auch das gemeinsame Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus besonders auf der lokalen Ebene. Auch Analogien zum Grundverständnis wurden deutlich. Die Gewerkschaft sei die Summe ihrer Mitglieder. Eine Gewerkschaft sei nur so stark, wie die Mitglieder sie durch einen engagierten Einsatz stark machten, so die politische Referentin des DGB. Solidarität und Respekt seien Grundhaltungen, die Kirche und Gewerkschaften verbinden.

Am IG Metall-Tresen mit der politischen Referentin Claudia Hülsken (M.). (c) bss
Am IG Metall-Tresen mit der politischen Referentin Claudia Hülsken (M.).

Claudia Hülsken von der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall), der mit 2,3 Millionen Mitgliedern größten Einzelgewerkschaft im DGB, hob hervor, dass viele der heute selbstverständlichen Errungenschaften wie beispielsweise die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder der Urlaubsanspruch durch z.T. wochenlange Streiks von den Mitgliedern der Gewerkschaften durchgesetzt wurden. Wie wichtig eine Mitgliedschaft sei, zeigte Hülsken auch an Beispielen von Arbeitskämpfen und Betriebsschließungen auf. Dabei gehe es oft gar nicht um mehr Geld. „Vielen Arbeitnehmern werde neben der finanziellen Absicherung der Faktor, mehr Zeit zu haben z.B. für Hobbys oder die Pflege von Angehörigen, wichtiger,“ sagte die Mainzer IG Metall-Referentin.

Station 6: Besuch des Berufsbildungszentrums und Einblick in das duale Ausbildungssystem

Der Präsident der Handwerkskammer Hans-Jörg Friese (l.) erläutert die Grundsätze der dualen Ausbildung im deutschen Handwerk (c) bss
Der Präsident der Handwerkskammer Hans-Jörg Friese (l.) erläutert die Grundsätze der dualen Ausbildung im deutschen Handwerk

Einen Einblick in das duale Ausbildungssystem bekamen die Teilnehmer beim Besuch der  Handwerkskammer Rheinhessen (HWK). Deren Präsident Hans-Jörg Friese hatte die Gruppe in ihre Berufsbildungszentren in Mainz-Hechtsheim eingeladen. Er wies auf die Bedeutung des Handwerks hin. Die 7500 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk mit ihren über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bringen es auf einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Friese stellte die Aufgaben, die Organisation und die umfangreichen Dienstleistungsangebote der Kammer dar. In Ausbildung befänden sich derzeit über 2500 junge Leute.

Fachgespräch in der Steinmetz-Werkstatt (c) bss
Fachgespräch in der Steinmetz-Werkstatt

Im Austausch mit den Seelsorgern wurden die Unterschiede zur Situation in ihren Heimatländern deutlich. Jugendliche könnten in Deutschland bei ihrer Berufswahl zwischen 130 verschiedenen Handwerksberufen auswählen, stellte Friese heraus. Im Berufsbildungszentrum der HWK steht die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung im Vordergrund, sagte Friese. In unterschiedlichen Gewerken werden mit Lehrgängen die berufsspezifischen praktischen Fertigkeiten und Kenntnisse der Auszubildenden gefördert und die betriebliche Ausbildung unterstützt. Einen Eindruck vom hohen Ausbildungsniveau bekamen die Seelsorger dann beim Besuch der verschiedenen Fachabteilungen von Holz-, Stein- und Metallverarbeitung, über Elektro, Sanitär, Heizung, Klima, Frisör bis hin zu den verschiedenen Kfz-Werkstätten.

Claudia Rörig-Paul stellte Unterstützungsangebote zur Integration von jungen Flüchtlingen vor. (c) bss
Claudia Rörig-Paul stellte Unterstützungsangebote zur Integration von jungen Flüchtlingen vor.

Claudia Rörig-Paul von der KAUSA-Servicestelle, der Koordinierungsstelle für Ausbildung und Migration, informierte die Seelsorger über die duale Ausbildung und berufliche Perspektiven im Handwerk auch für Menschen mit Migrationshintergrund. „Es zählt nicht, wo Du herkommst, sondern wo Du hinwillst“, sagte Rörig-Paul. Dabei seien Bildung und Sprache die Schlüssel zu dauerhafter Integration und zu einem erfolgreichen Berufsleben in Deutschland. Es gäbe zahlreiche Unterstützungsangebote zur Integration von jungen Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt.

Station 7: Gespräch bei der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen (IHK)

Vor den Wappen v.l. der Städte Mainz, Bingen, des Landkreises Alzey-Worms und der Stadt Worms mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Jürgen Jertz (3.v.r.) und Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt (r.) (c) bss
Vor den Wappen v.l. der Städte Mainz, Bingen, des Landkreises Alzey-Worms und der Stadt Worms mit dem Hauptgeschäftsführer der IHK Jürgen Jertz (3.v.r.) und Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt (r.)

Nach der Beschäftigung mit dem Thema Handwerk stand der andere große Wirtschaftszweig, die Industrie im Fokus. Dazu besuchte die Gruppe die IHK Rheinhessen. Sie ist die wirtschaftspolitische Interessensvertretung der ca. 43.000 Unternehmen der Region, erläuterte der Hauptgeschäftsführer der IHK, Jürgen Jertz, in einem Gespräch mit den Seelsorgern. Die IHK können für die ganze Wirtschaft sprechen, so setze sie sich für eine besser funktionierende Infrastruktur ein. Der Bau einer weiteren Rheinbrücke zur Verbesserung der Verkehrswege ist z.B. einer der Forderungen der IHK. Auch biete die Kammer Service für die regionale Werbung der Betriebe an. Als traditionell exportorientierter Standort unterstütze die IHK den Außenhandel bei der Abwicklung internationaler Geschäfte. Auch stelle sich die IHK brennenden Themen wie der Digitalisierung, Energie, Umwelt oder Tourismus. Durch die Förderung von Start-ups sind 1600 neue Betriebe entstanden, erläuterte Jertz.

Die Aus- und Weiterbildung beruflicher Nachwuchskräfte sei eine Kernkompetenz der Selbstverwaltung der Wirtschaft. Etwa 3000 Auszubildende im Jahr legten ihre Prüfungen in einem der 250 Ausbildungsberufe ab. Dabei sei die Gruppe der ehrenamtlichen Prüfer, die die bundeseinheitlichen Prüfungen abnähmen, eine starke Stütze für die 72 hauptberuflichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch 350-400 junge Flüchtlinge hätten inzwischen in der rheinhessischen Wirtschaft eine Ausbildung begonnen. Für Jürgen Jertz steht fest, dass Arbeit ein wesentlicher Faktor zur Integration von Flüchtlingen darstellt.

Station 8: Erwerbslosigkeit: Gekündigt – überfordert – gestresst

Ketteler-Cardijn-Werk (c) INA e.V.
Ketteler-Cardijn-Werk

Mit der Situation von Langzeitarbeitslosen setzten sich die Seelsorger im Ketteler-Cardijn-Werk in Darmstadt-Griesheim auseinander. Die Einrichtung ist einer der Standorte der Initiative Arbeit im Bistum Mainz e.V.. Hier werden Menschen auf ihrem Weg zurück in die Erwerbsarbeit unterstützt  durch Beschäftigung, Beratung, Qualifizierung und Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche. Projektleiter Thomas Rasche begrüßte die Teilnehmer und stellte die Projekte „Computer für alle“, „Stromspar-Check“ und die Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich „Umwelt und Natur“ vor. Gepflegt und bearbeitet werden Naturflächen und öffentliche Flächen für Kommunen und soziale Organisationen. Der ehemalige Arbeitslosenseelsorger Bruno Schumacher ging auf die Folgen von langanhaltender Arbeitslosigkeit ein: „Arbeitslosigkeit stellt die Leute vor die Tür. Sie fallen in ein schwarzes Loch und sehen kein Licht mehr. Ihnen in dieser Lage Mut zu machen, ihnen weiterzuhelfen, das ist Sinn dieses kirchlichen Angebots.“

Station 9: Vom Grundsatz des Forderns und des Förderns im Jobcenter

Arbeitsplätze werden im großen Umkreis von Worms vermittelt. (c) bss
Arbeitsplätze werden im großen Umkreis von Worms vermittelt.

Bei einem Informationsbesuch im Jobcenter Worms erkundeten die Teilnehmer, wie Deutschland als Sozialstaat funktioniert. Unisono erklärten die Gäste, dass sie vergleichbare Strukturen in ihren Heimatländern nicht kennen. In Afrika, in Indien und den Balkanländern sei die Arbeitslosigkeit sehr hoch und entsprechende Sozialsysteme funktionierten nicht. Arbeitsmöglichkeiten fehlen in großer Zahl. Arbeitslose müssten sich weitgehend selbst helfen oder seien auf Unterstützung der Großfamilie angewiesen, wenn diese vorhanden sei.

jobcenter01-1240 (c) bss
jobcenter01-1240

Stephanie Langwald (Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt) und Tatjana Erben (Teamleiterin Leistungsabteilung) stellten das System der sozialen Sicherung in Deutschland vor. Sie erläuterten zunächst die Unterschiede zwischen Arbeitslosengeld I als Versicherungsleistung und Arbeitslosengeld II, das dann gezahlt wird, wenn die Bezugsdauer von Arbeitslosengeld I endet (Arbeitslosengeld II heißt offiziell Grundsicherung für Arbeitssuchende). Daneben stehen Leistungen der Sozialhilfe bzw. die Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung. Mit beiden Grundsicherungsleistungen soll das soziokulturelle Existenzminimum gewährleistet werden.

Ziel der Arbeit im Jobcenter sei die Sicherung des Lebensunterhalts durch Beratung, um die Hilfebedürftigkeit zu verringern und eine Eingliederung in Arbeit zu erreichen. Dabei gelte der Grundsatz des Forderns und des Förderns. Der Leistungsbezieher müsse selbst alle Möglichkeiten zur Verringerung seiner Hilfebedürftigkeit ausschöpfen und aktiv an allen Maßnahmen zur Eingliederung mitwirken. Am Beginn stehe deshalb eine Potenzialanalyse: Welche Fähigkeiten, welche Kenntnisse habe ich und wie sehen die Rahmenbedingungen aus? Dann erfolge die Auswahl der Leistungen im Rahmen des Eingliederungsprozesses, also die Förderung. Dabei hätten die Betroffenen einen Fallmanager als persönlichen Ansprechpartner.

Ein Rundgang durch das Jobcenter schloss den Besuch ab. (c) bss
Ein Rundgang durch das Jobcenter schloss den Besuch ab.

Die Beratung stelle hohe Anforderung an die Berater. Bei den Fragen zur Existenzsicherung zeigten sich oft vielschichtige Problemlagen. Leider gäbe es immer wieder auch Probleme im Sozialverhalten; Beleidigungen und Drohungen gegen die Mitarbeiter seien nicht selten. Darauf würden die Verantwortlichen im Jobcenter jedoch nach klaren Regeln reagieren.

Das Gehörte reflektierten die Teilnehmer im Anschluss an den Besuch nach dem Sehen von Ausschnitten des Films „Papst Franziskus – ein Mann seines Wortes“. In dem Film spricht der Papst über seine Vision einer Kirche, die von tiefer Sorge um die Armen geprägt ist.