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Glücklich sein im Arbeitsleben

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Datum:
Mo. 13. Juni 2022
Von:
Michael Christ, DGB

Was macht uns am Arbeitsplatz glücklich? Das war die zentrale Frage des After-Work-Gespräches, am 09.06.22 im DGB-Haus, in Mainz zu dem die DGB Region Rheinhessen-Nahe, das Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau und die Katholischen Arbeitnehmer/innen- und die Betriebsseelsorge Rheinhessen eingeladen hatten.

Die After-Work Gespräche der drei Kooperationspartner finden seit 2015 statt und greifen dabei aktuelle Themen rund um die Arbeitswelt auf. Dabei werden verschiedene Blickwinkel, Theorie und Praxis aber auch Problemstellungen beleuchtet, stets nach der Arbeit von 17:30 bis ca. 19:30 Uhr.

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Mit Prof. Dr. Thomas Rigotti, Inhaber der Professur für Arbeits-, Organisations-, und Wirtschaftspsychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Arbeitsgruppenleiter am Leibnitz-Institut für Resilienzforschung konnten die Kooperationspartner einen Experten auf dem Gebiet gewinnen.

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„Was würden Sie machen, wenn Sie mehrere Millionen Euro im Lotto gewinnen“ startete Prof. Dr. Rigotti seinen Teil des Programmes. Und erstaunlich viele der Teilnehmenden hoben ihren Arm bei der Antwort „weiter arbeiten“ und „weiter arbeiten aber in anderer Form“. Die wenigsten wollten sich rein auf die Freizeit konzentrieren. Durchaus erstaunlich, wenn auch nicht überraschend, da die Arbeitszufriedenheit in Deutschland verhältnismäßig hoch ist, wie Prof. Dr. Rigotti ergänzte. Was sich auf den ersten Blick positiv anhört, muss jedoch genau untersucht werden. So stellte Prof. Dr. Rigotti dar, wie Arbeits- und Lebenszufriedenheit miteinander zusammenhängen und welche Faktoren die Zufriedenheit am Arbeitsplatz erhöhen und auch überhaupt ausmachen. Verschiedene Modelle teilweise mit identischen Merkmalen zeigen auf, dass Autonomie am Arbeitsplatz, die Sinnhaftigkeit der eigenen Arbeit sowie der Grad der Selbstbestimmung und die optimale Nutzung der eigenen Fähigkeiten einen erheblichen Einfluss auf das eigene Befinden haben. Aber auch das soziale Klima und die Möglichkeit einer positiven Entwicklung sowohl inhaltlich aber auch monetär können eine Rolle spielen. Spannend dabei, dass die Lebenszufriedenheit einen größeren Einfluss auf die Arbeitszufriedenheit als umgekehrt und die Entlohnung zwar relevant ist aber kein Garant für das glücklich sein bei der Arbeit. Und auch die eigenen Erwartungen, die man an die Arbeit hat spielen eine Rolle, ob man am Arbeitsplatz glücklich ist oder nicht. 

Was das in der Praxis bedeutet und welche Möglichkeiten Arbeitgeber haben ihren Mitarbeitenden Arbeitsbedingungen zu bieten, die sie privat wie beruflich glücklich machen, zeigte der zweite Gast des Abends, Ralf Lokay, Inhaber der Druckerei Lokay e.K. Das Unternehmen, das als Pionier im Bereich des Ökodruckes gilt hat bereits 1998 angefangen nach ökologischen Leitlinien zu arbeiten. Und auch im Bereich der Zufriedenheit der Mitarbeitenden geht das Unternehmen neue Wege. Unbefristete Arbeitsverträge, Bezahlung nach Tarif, einen Betriebsrat, Ermöglichung von Teilzeit und anderen Optionen, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf optimal zu gestalten sind einige Lösungsvorschläge, von Ralf Lokay auf die Frage, wie die Firma neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnt aber auch langfristig bindet. Ralf Lokay zeigte an diesem Abend ganz deutlich auf, dass die von Prof. Dr. Rigotti analysierte Zufriedenheit im Alltag auch Einflüsse auf die berufliche Zufriedenheit aufweist. Dabei hat die Druckerei auch den Anspruch im Bereich der Arbeitssicherheit Wege zu finden, die langfristig die Produktivität der Mitarbeitenden bindet. Moderne Filteranlagen oder das Jobrad sowie eine 100%ige Übernahme der ÖPNV-Kosten zum Arbeitsplatz sind hierbei zu nennen.

Dass die After-Work-Gespräche ein Erfolgsmodell sind, zeigte sich erneut an diesem Abend. Die zahlreichen Besucherinnen und Besucher hatten noch unzählige Hintergrundfragen an die beiden Referenten. "Wie sind sie durch die Pandemie gekommen?" wollte eine Teilnehmerin von Herrn Lokay wissen, der aufzeigte, dass er mit seiner Philosophie der Unternehmensführung auch Krisen sicherer und souveräner überwinden kann. Und auch Prof. Dr. Rigotti hätte wahrscheinlich noch viele Stunden mehr mit den Teilnehmenden diskutieren können, die aus den eigenen Erfahrungen heraus ihre Situationen am jeweiligen Arbeitsplatz beschrieben.