Betriebsseelsorger Richard Kunkel bei der Ansprache (c) Anna-Luisa Hortien

Gottesdienst im Zeichen von Solidarität und Hoffnung

Betriebsseelsorger Richard Kunkel bei der Ansprache
Datum:
Di. 8. Dez. 2020
Von:
Richard Kunkel

Der heilige Nikolaus war ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, hat sich für Menschen in Not eingesetzt. Passend dazu haben die Gesamtkirchengemeinde Karben, die katholische Betriebsseelsorge Oberhessen und das Evangelische Dekanat Wetterau am Sonntag, 6. Dezember, dem Namenstag des heiligen Nikolaus, einen Gottesdienst vor dem Werkstor von Continental in Karben gefeiert, wo Tausende Beschäftigte um ihre Arbeitsplätze bangen.

Viele von ihnen waren der Einladung gefolgt und zu dem ökumenischen Gottesdienst gekommen, der unter dem Motto "Hier sollen die Lichter ausgehen - So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten“ stand. Bläser der Musikschule Bad Vilbel und Karben gestalteten den Gottesdienst musikalisch.

Bürgermeister Guido Rahn bekräftigte in einem Grußwort: „Das Motto, das sie gewählt haben, das Licht als Zeichen guter Arbeit, das passt hier her. Hier wird gute Arbeit geleistet. Und trotzdem wird überlegt, den Standort zu schließen. Das ist absurd!“ Er bekräftigte das Engagement der Kirche. Auch die Stadt stehe an der Seite der Beschäftigten. „Ich hoffe, dass die Lichter bei der Kirche und bei Conti noch lange in Karben leuchten und nicht ausgehen.“

Pfarrer Werner Giesler betonte in seiner Predigt, dass Gott auf der Seite der kleinen Leute stehe, die ihrer täglichen Arbeit nachgehen, um mit ehrlicher Arbeit ihr Leben zu sichern. Deshalb sei Jesus auch nicht in einem Palast, sondern in einem Stall geboren. „Und deshalb sind wir heute hier, bei den Menschen, die sich Sorgen um ihre Arbeit, ihr tägliches Brot, ihre Existenz machen.“ Die Verantwortlichen bei Conti müssten einsehen: Menschlichkeit stehe über aller Kalkulation und Profitmacherei.

Betriebsratsvorsitzender Frank Grommeck erzählte im Gespräch mit Wolfgang Dittrich vom Evangelischen Dekanat, dass das Werk in Karben einen sehr guten Ruf genieße. Es habe in den vergangenen Jahren mehrere Preise abgeräumt. „Den Standort zu schließen, ist keine kaufmännische Entscheidung, sondern eine politische.“ Der Betriebsrat sei im Dauerstress, Durchhaltevermögen und starke Nerven seien gefragt. Umso schöner sei es, die Solidarität der Menschen in Karben zu spüren. Das unterstrich auch IG-Metall-Vertreter Michael Erhardt. Solch eine breite Solidarität, sei keine Selbstverständlichkeit und zeichne die Akteure in Karben aus.

Richard Kunkel von der katholischen Betriebsseelsorge Oberhessen blickte zum Schluss auf eine Lichtgestalt, nach der sich in diesen Zeiten viele sehnen: Bischof Nikolaus aus Myra. Er habe sich stets für die Menschen eingesetzt, sei ein Kämpfer für soziale Gerechtigkeit gewesen. Seine Geschichte zeige: „Wir können etwas erreichen, wenn wir als Menschen zusammenstehen und gemeinsam für unser Anliegen eintreten“, so Kunkel. Die Botschaft von Nikolaus sei aktueller denn je. Er wünsche sich: „Mehr Respekt und Wertschätzung statt hochgesteckter Gewinnmargen, mehr Menschlichkeit in einer oft unmenschlichen Welt.“

 

Text und Fotos: Anna-Luisa Hortien 

 

Ökumenischer Gottesdienst am 6.12.2020 vor den Werkstoren von Conti in Karben

Di. 8. Dez. 2020
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