Virtueller Workshop (c) bss

Grad der Behinderung ist wichtig für Betroffene in der Arbeitswelt

Virtueller Workshop
Do 4. Jun 2020
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Webinar der Betriebsseelsorge zu Vorgaben und Fallstricken bei der Beantragung

Wie alle anderen Veranstaltungen der Betriebsseelsorge musste im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen auch der im März vorgesehene Workshop für die Vertrauensleute der Schwerbehinderten ausfallen. Ausgerechnet das Thema dieses Workshops: Grad der Behinderung und welche Vorgaben und Fallstricke bei der Beantragung zu beachten sind, hatte großes Interesse ausgelöst. Die Unterstützung von Beschäftigten bei Anträgen auf Anerkennung gehört zu den regelmäßigen Aufgaben vieler Schwerbehindertenvertretungen (SBV). So fand der Workshop Anfang Juni dann als virtuelles Seminar, einem sogenannten Webinar, mit 17 Teilnehmenden statt.

Eintrittskarte in die unüberschaubar vielfältige Welt der Nachteilsausgleiche, Vergünstigungen und sonstigen Vorteile für behinderte Menschen

Die Referentin, Sabine Weistand, selbst langjährige Schwerbehindertenvertrauensperson und Personalrätin an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz zeigte die Bedeutung der Anerkennung als behinderter Mensch und des Grads der Behinderung (GdB) innerhalb der Arbeitswelt auf. Sie zitierte dazu aus einem BSG-Urteil: Es ist eine „Eintrittskarte in die unüberschaubar vielfältige Welt der Nachteilsausgleiche, Vergünstigungen und sonstigen Vorteile für behinderte Menschen“. Schlagworte wie steuerliche Pauschalen, der besondere Kündigungsschutz, Sonderurlaub, die behindertengerechte Arbeitsplatzgestaltung, Möglichkeiten der Teilzeit bis hin zu einer vorgezogenen Altersrente unterstreichen die Bedeutung. Es geht immer um die Ermöglichung einer  „gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft“, wie es im Gesetzestext heißt. Die Grundlagen zur Beantragung sind im Sozialgesetzbuch IX und die Versorgungsmedizinverordnung (VersMedV) enthalten, die in keinem SBV-Büro fehlen dürfen.

Nicht immer führen Änderungsanträge zu Verbesserungen

Wie wird der Behinderungsgrad ermittelt? Wann ist es geschickt, einen Antrag zu stellen und wann besser nicht? Weistand erläuterte das Antragsverfahren und zeigte auch „die Klippen auf, die es zu umschiffen gilt“. Nicht selten scheiterten Anträge bzw. Widersprüche, weil sie formale Fehler aufweisen oder unvollständig seien. Auch sollten es sich Betroffene gut überlegen und deshalb beraten lassen, ob Änderungsanträge in ihrem speziellen Fall zu einer Verbesserung führen. Jeder Fall werde neu geprüft und die neuen Einstufungen fielen nicht selten schlechter aus, gab Sabine Weistand zu bedenken.   

Das Webinar zeigte wieder einmal, wie herausfordernd und komplex die Arbeit der Vertrauensleute sein kann. Immer wieder werden sie angefragt, Kolleginnen und Kollegen in schwierigen Situationen zu beraten und zu vertreten. Im nächsten Workshop für Vertrauensleute geht es genau darum, wie solche Gesprächs konstruktiv zu führen sind, wie Betroffene gestärkt und wie man selbst trotz der Belastung stabil bleiben kann. Der Workshop, diesmal mit der Betriebspsychologin Margarete Szpilok, ist für den 8. Oktober 2020 von 9.00 -13.30 Uhr im Tagungszentrum Erbacher Hof in Mainz vorgesehen. Eine Anmeldung ist möglich.

Informationen zum nächsten Workshop