Dekan Henning Priesel (Dekanat Bingen) bei einem Statement (c) bss

„Ich greife einfacher zum Telefon, wenn man sich kennt!“

Dekan Henning Priesel (Dekanat Bingen) bei einem Statement
Do, 11. Okt 2018
Betriebsseelsorge Rheinhessen

Rheinhessische Dekanatsleitungen und Gewerkschaftsvertreter im Gespräch

Zum ersten Mal haben sich auf Rheinhessen-Ebene Vertreter der katholischen Kirche und des DGB getroffen. Die Begegnung fand im Mainzer Julius Lehlbach-Haus statt. Astrid Clauss vom DGB der Region Rheinhessen-Nahe stellte fest, dass es viele Anliegen gibt, die Gewerkschaften und Kirchen verbinden. Oftmals finde die gemeinsame Interessenslage schon viele Jahre in gelebten Bündnissen auf lokaler Ebene ihren Ausdruck, so Clauss.
Im Julius Lehlbach-Haus in Mainz kamen die Vertreter von Kirche und Gewerkschaften zusammen. (c) bss
Im Julius Lehlbach-Haus in Mainz kamen die Vertreter von Kirche und Gewerkschaften zusammen.

Betriebsseelsorger Hans-Georg Orthlauf-Blooß hält es nicht für selbstverständlich, wenn sich Kirchenleitungen und Gewerkschaftler zusammensetzten. Hin und wieder wirke das ursprüngliche Lagerdenken nach und er spüre Vorbehalte, berichtete Orthlauf-Blooß von seinen Erfahrungen. „Wir möchten diesen Termin dazu nutzen, uns näher kennen zu lernen und über Themen zu reden, die uns in unserem täglichen Leben begegnen und uns bewegen“, fasste er das Anliegen zusammen. Ein Teilnehmer formulierte treffend: „Ich greife einfacher zum Telefon, wenn man sich kennt!“ Nach einer ausführlichen Vorstellungsrunde wurde aus dem bunten Strauß an Anliegen, den die Teilnehmer mitbrachten, in Kleingruppen drei Themen miteinander gesprochen.

Wir wollen uns die Reaktionsmöglichkeiten nicht diktieren lassen

Breiten Raum nahm die Beurteilung der Gefahr von rechts ein. Hier beziehen Kirchen und Gewerkschaften bereits klare Position. Unisono wandten sich die Teilnehmer gegen jede Gewalt von rechten wie von linken Gruppen. Allerdings wolle man sich die Reaktionsmöglichkeiten nicht diktieren lassen. Eventuell sei das Ignorieren auch eine Antwort auf „Aufmärsche“ kleiner Splittergruppen. Besorgt zeigten sich die Teilnehmer über die Wahlergebnisse der AfD. Hier sei es wichtig, genau hinzuhören, welche Sorgen und Ängste der Bürger sich hinter den plakativen Aussagen verbergen. Gemeinsames Ziel müsse sein, der zunehmenden Frontenbildung und Spaltung der Gesellschaft entgegen zu wirken.

Der soziale Wohnungsbau muss mehr gefördert werden

Thema war auch die Wohnungssituation in Rheinhessen. Besonders in den Städten und guten Wohnlagen seien die Mietpreise massiv gestiegen. Die Politik müsse mehr Anreize schaffen, damit die Vermieter zu vernünftigen Preisen vermieteten. Auch der soziale Wohnungsbau müsse mehr gefördert werden. Trotz niedriger Zinsen könnten sich nur Reiche Immobilien leisten. Für normale oder gar einkommensschwache Familien bliebe das eigene Haus ein unerfüllbarer Traum.

Ein weiteres Thema war der Sonntagsschutz. Hier sei es erforderlich nicht nur die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und die Berücksichtigung der aktuellen Rechtsprechung einzufordern, sondern auf die Bedeutung des Sonntags als arbeitsfreier Tag, seine Chancen und Vorteile hinzuweisen. Der arbeitsfreie Sonntag sei von unschätzbarem Wert für einen selbst, für die Familie, den Freundeskreis und die Gesellschaft, darüber waren sich die Vertreter der Kirche und den Gewerkschaften einig.

Am Gespräch nahmen Vertreter aus den katholischen Dekanaten Mainz-Stadt, Bingen, Alzey/Gau-Bickelheim und der DGB Stadtverbände Alzey und Worms, der Kreisverbände Mainz-Bingen und Alzey-Worms, der IGBCE und der IGMetall teil. Zum Schluss zogen die Teilnehmer ein positives Resümee. Vereinbart wurde, sich jährlich zu treffen, jeweils mit einem besonderen Schwerpunkt.