Kreuzgang1: (c) BSS Südhessen

Kreuzgänge Rüsselsheim 2018

Kreuzgang1:
Di 27. Mär 2018
Eileen Hirsch

Vierter Kreuzgang in Rüsselsheim richtet kritischen Blick auf die neuen Medien und »Arbeit 4.0«

Welche Vor- und Nachteile bringt das Internet, Smartphones, soziale Netzwerke mit sich? Bestimmen wir noch über die Technologien oder ist es längst umgekehrt? An der letzten Station des hölzernen Kreuzes, das als Mahnung unter freiem Himmel steht, nahmen die katholische Betriebsseelsorge Südhessen, die KAB und Kolleginnen des Evangelischen Dekanates als Initiatoren der Kreuzgänge durch Rüsselsheim die Frage nach Menschlichkeit in der digitalen Welt in den Blick.
Kreuzgang2 (c) BSS Südhessen
Kreuzgang2

Rüsselsheim. 21. März. Es ist die Letzte von vier Stationen und alle Kreuzbalken des Holzkreuzes widmen sich einem Thema. Der Standort direkt vor dem City Forum, einem großen Bürokomplex, ist treffend gewählt. Es symbolisiert Einsatzorte moderner Technologien. Dort wird verwaltet, kommuniziert, anonymisiert.
Selbstbestimmt oder ferngesteuert? Lukas Hundemer, Mathematiker, Systemsoftwareentwickler und Mitglied der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung Gernsheim ist Impulsgeber des Themas. Er beginnt mit der Frage »Haben Sie schon einmal gegoogelt?« Vor 20 Jahren, als sich die Firma Google gründete, wäre diese Frage nicht selbstverständlich gewesen. Wer sich selbst einmal gegoogelt hat, wird erstaunt darüber sein, was das Internet alles weiß. »Die Informationen, die wir bei einer solchen Suche so über uns finden, sind wie eine Fahrt über das Polarmeer, bei dem wir Eisberge aus dem Wasser ragen sehen. Die wesentlich größere Menge an Daten, die von uns gespeichert sind, befinden sich unter der Oberfläche und wir sehen sie überhaupt nicht«, sagt Hundemer. Die eigenen Wünsche und Schritte werden beobachtet. Wer sich im Internet bewegt verliert seine Anonymität, wird sichtbar. Ist die neue Technologie gut oder gar böse? Um eine Antwort zu finden, stellt sich die Frage, wem nützt die Technologie? Die in der katholischen Soziallehre verankerten Prinzipien der Katholischen Arbeitnehmerbewegung stellen den Menschen und nicht die Wirtschaft in den Vordergrund wenn es um politische Entscheidungen geht. Allen Menschen wird die gesellschaftliche Teilhabe und Teilnahme in einer gerechten und solidarischen Gesellschaft ermöglicht, lautet das Ziel.
Drei Beispiele nennt der Systemsoftwareentwickler Hundemer auf der Suche nach einer Antwort darauf, ob die neue Technologie gut oder böse ist.
»Unter Industrie 4.0 versteht die Wirtschaft die selbstreklamierte vierte industrielle Revolution, bei der insbesondere die Maschinen und Anlagen untereinander vernetzt sind und miteinander kommunizieren, letztlich eine weitgehend selbstorganisierte Produktion«, lautet die Definition bei Wikipedia im Internet. Wem nützt die fortschreitende Automatisierung und wo bleibt der Mensch?
Wie steht es um die sozialen Netzwerke? Sie ermöglichen die weltweite Kommunikation und informieren über die Aktivitäten von Freunden. Eine gute Sache also? Doch sind Freunde im Internet auch die Sorte von Freunden, wie man sie im täglichen Leben hat? Ist die »wunderschöne virtuelle Welt« nicht vielmehr ein Zerrbild der Realität?
Was ist mit den »Fake News«, den Lügen, die im Internet kursieren? Da sind Nutzer gefragt, die kritisch nachhaken, statt »einfach nur das dumme Geschwätz nachzuplappern«, so Hundemer.
Bei allem Für und Wider zieht Hundemer ein Fazit: »Setzen wir uns dafür ein, dass in der digitalen Welt nicht das Gewinn- und Machtstreben, Egoismus, Hass und Lügen die Oberhand haben, sondern die Wahrheit, die Gerechtigkeit, die Achtung vor und die Liebe zu unseren Mitmenschen.«
Die Kreuzgänge durch Rüsselsheim verstehen sich als Ort des Innehaltens und Gebetes an Orten und Brennpunkten unserer Gesellschaft, sagt Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin. Das hölzerne Kreuz hat über die Fastenzeit „Gesicht“ bekommen. Gesichter von Menschen mit ihren realen Kreuzen des profanen Lebens.

In der Karwoche findet Abschluss der Kreuzgänge nicht draußen sondern wieder in einer Kirche statt. Bewusst werden die Sorgen und Nöte der Menschen mit hinein genommen in die Feier der Kar- und Ostertage. 
Autor: Susanne Rapp
 

 

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