After-Work-Gespräch im Jugendhaus Don Bosco (c) bss

„Liebevoll Aggressiv sein“

After-Work-Gespräch im Jugendhaus Don Bosco
So, 31. Mär 2019
Heike Miehe, ZGV der EKHN

Im zweiten Abend der After-Work-Gespräche ging des um den Umgang mit Aggressionen

So das Fazit von Hubert Frank, Gefängnisseelsorger und Gewaltberater beim zweiten After Work Gespräch 2019 zum Thema „Wenn Worte nicht mehr reichen“ am 28. März in Mainz.

Landläufig wird davon ausgegangen, dass Aggression etwas Schlechtes sei. Dem widersprach Frank in seinem Vortag vor knapp 30 Teilnehmenden. Denn vielfach, so Frank, wird Aggression mit Destruktion verwechselt. Die Bedeutung von Aggression abgeleitet aus dem lateinischen von aggredī , bedeutet zunächst nichts anderes als „sich zubewegen auf etwas oder jemanden.“

Aggression als solche ist per se nicht negativ

Gefängnisseelsorger Hubert Frank (c) bss
Gefängnisseelsorger Hubert Frank

Wenn Menschen aber ihre aggressive Energie dazu nutzen eigene Interessen verbal oder mit Gewalt durchzusetzen, spricht man von Destruktion. Dieses destruktive Verhalten kann dann wiederum in Gewaltausbrüchen enden. Aggression als solche sei jedoch per se nicht negativ, so Frank.

Die Gründe für destruktives Verhalten sind vielfältig. Forscher beschäftigen sich seit Jahrzehnten damit, die zugrunde liegenden Bedingungen und Auslöser zu erklären. Oft liegen, so auch Franks Erfahrungen aus seinen Gesprächen mit den Gefängnisinsassen, diese schon weit zurück und sind in der frühen Kindheit begründet.

Sehr lebhaft diskutierten die Teilnehmenden in den Tischgruppen über den Umgang mit den eigenen Aggressionen. Dabei kam die Frage auf, wie man mit der eigenen Wut umgehen kann, ohne den anderen zu beleidigen oder zu beschimpfen?

Liebevoll aggressiv sein

Anschaulich mit einer Eisenbahn erläuterte Frank die Unterschiede zwischen destruktiver, defizitärer und konstruktiver Aggression (c) bss
Anschaulich mit einer Eisenbahn erläuterte Frank die Unterschiede zwischen destruktiver, defizitärer und konstruktiver Aggression

Wut, so Hubert Frank, sei oft Auslöser von empfundener Ungerechtigkeit, gerade im beruflichen Kontext. In der Situation sei es hilfreich, diese Energie konstruktiv zu nutzen.
In der konkreten Situation sei, das oft schwierig. Daher kann es von Vorteil sein, zunächst inne zu halten, um später mit etwas Abstand sein Anliegen in Form einer Bitte zu formulieren und seine Gründe zu erläutern. Hilfreich seien dazu die vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg, die der Gewaltberater nochmal zitierte:
1. Beobachtung - ohne zu urteilen/ Innehalten
2. Eigene Vorurteile überdenken
3. Eigene Bedürfnisse formulieren
4. Bitte formulieren, keine Forderung

Daher sein Fazit: „liebevoll aggressiv sein“.

Zum Abschluss bedankte sich Hans-Georg Orthlauf-Blooss von der Katholischen Arbeitnehmer/innen- und Betriebsseelsorge Rheinhessen bei allen für das engagierte Gespräch und verwies auf den nächsten und letzten Abend der After-Work-Gespräche 2019 am Dienstag 2. April um 17.30 Uhr.
An diesem Abend wird Marco Jelic Methoden für eine wertschätzende Kommunikation darlegen und die Teilnehmende ins Gespräch bringen. Stefanie Loth von der Polizeidirektion Mainz wird dies anhand konkreter Beispiele aus ihrem Arbeitskontext ergänzen.
Die Veranstaltung findet im ZGV, Albert Schweitzer Str.113, 55128 Mainz statt.

Veranstalter
Die Reihe „Wenn Worte nicht mehr reichen!“ im Rahmen der After-Work-Gespräche 2019 wird organisiert von dem DGB Rheinhessen-Nahe, der Katholischen Arbeitnehmer/innen- und Betriebsseelsorge und dem Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN.

Informationen zum letzten Abend