Einzelhandel (c) Alterio Felines/pixabay

Lohn für Arbeit muss zum Leben reichen!

Einzelhandel
Datum:
Mo. 27. Sep. 2021
Von:
Ingrid Reidt

Katholische Betriebsseelsorge im Bistum Mainz solidarisiert sich mit den Beschäftigten des Einzelhandels in der laufenden Tarifauseinandersetzung

Seit Mai 2021 laufen die Verhandlungen zwischen der Arbeitgeberseite und der Gewerkschaft ver.di zur Aushandlung neuer Tarifabschlüsse für den Groß- und Einzelhandel. Die Auseinandersetzung gestaltet sich hartleibiger denn je und zieht sich zäh über nun fast fünf Monate.

Die Forderung einer Erhöhung der Löhne um 4,5 % für alle Beschäftigten im Handel wurde im Mai seitens des Arbeitgebers als völlig unangemessen abgelehnt. Im Raum standen zudem immer wieder Überlegungen, die Branche zu spalten und die Beschäftigten im Nonfood-Sektor schlechter zu stellen als die Beschäftigten im Lebensmittelbereich. Als Argument  dafür wird Corona angeführt.

Als Betriebsseelsorger*innen im Bistum Mainz verfolgen wir äußerst kritisch diese Auseinandersetzung. Unser Blick richtet sich dabei auf die Gesamtsituation der Beschäftigten im Handel. Mit großer Sorge blicken wir auf deren prekäre Arbeitsbedingungen schon vor Corona und auf die Abwärtsspirale in der Lohnstruktur. Wie in kaum einer anderen Branche verschärft sich hier der interne Verdrängungswettbewerb. Dieser wird auf den Schultern der Beschäftigten ausgetragen. Während der Handel durchaus - trotz Corona – Gewinne zu verzeichnen hat, sollen die Beschäftigten in der regulären Tarifrunde fast leer ausgehen!

Das gegenwärtige Angebot der Arbeitgeber (NRW, 21.9.2021) stellt sich aus unterschiedlichen Gründen auch für uns als Betriebsseelsorge als unzureichend dar:

Zwei Prozent nach zwei Nullmonaten zum 1. Juli 2021. Für Unternehmen, die bisher noch nicht nach dem Orientierungsrahmen des Handelsverbandes HDE erhöht haben, soll alleinige Entscheidungshoheit darüber gelten, ob sie ebenfalls die 2-prozentige Tariferhöhung ab dem 1. Juli zahlen oder stattdessen 4 Werktage Urlaub gewähren. Die 2-prozentige Tariferhöhung käme in diesem Falle erst ab März 2022 zur Auszahlung. Außerdem soll es 1,8 Prozent nach 3 Nullmonaten zum 1. August 2022 geben. Verrechnet mit den steigenden Lebenshaltungskosten und einer Inflationsrate von fast 4% bedeutet dieses Tarifangebot aber keine Erhöhung, sondern in Summe ein Lohnverlust!

Als Betriebsseelsorge solidarisieren wir uns daher mit den Beschäftigten des Groß- und Einzelhandels und stellen uns an ihre Seite:
Wir unterstützen ihre berechtigten Forderungen nach spürbarer Lohnerhöhung.
Wir bestärken sie in der Auseinandersetzung für eine existenzsichernde Lohnstruktur, die die permanente Prekarisierung innerhalb der Branche durchbricht und einer Verarmung trotz Arbeit von mehreren Millionen Beschäftigter im Handel entgegenwirkt.

 

Denn an erster Stelle gilt: Der Lohn für die Arbeit im Handel muss zum Leben reichen!

Das Team der Betriebsseelsorge Bistum Mainz
Ingrid Reidt, Betriebsseelsorge Südhessen
Michael Ohlemüller, Betriebsseelsorge Südhessen
Hans-Georg Orthlauf-Blooss, Betriebsseelsorge Rheinhessen
Richard Kunkel, Betriebsseelsorge Oberhessen