Stephan Czaplicki (c) bss

Malermeister S. Czaplicki in Rüsselsheim

Stephan Czaplicki
Datum:
Di 25. Aug 2020
Von:
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Auf dem Schreibtisch von Malermeister Stephan Czaplicki liegt der Gesellenbrief seines Auszubildenden, Hussain G. aus Afghanistan. Stolz erzählt er, dass der gerade seinen Abschluss als Maler und Lackierer gemacht habe. Er ist jetzt der zweite Geselle, den Czaplicki in seinem seit 1963 bestehenden Betrieb beschäftigt. Vor allem private Kunden schätzen das Leistungsspektrum des Rüsselsheimer Betriebs.

Eine Erfolgsstory gelungener Integration

Die Erfolgsstory der Integration eines Flüchtlings fing vor ein paar Jahren auf dem Rüsselsheimer Hessentag an. In einem Kennenlernangebot der Maler- und Lackierer-Innung ging es darum, junge Leute über Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk zu informieren. Czaplicki hatte gerade Dienst im Zelt der Handwerkskammer, als eine große Schulklasse, augenscheinlich junger Flüchtlinge, den Stand umlagerte. „Da musste ich erstmal schlucken,“ gesteht Czaplicki. „Ich hatte gewisse Vorbehalte.“ Gespürt habe er jedoch bei den Jugendlichen echtes Interesse nach den Tätigkeiten als Maler und Lackierer. Um den Beruf auszuprobieren, machte er, wie üblich, auch auf die Möglichkeit eines Praktikums aufmerksam. Als sich dann der junge Afghane Hussain genau um diese Möglichkeit bei ihm bewarb, stand er zu seiner Einladung. Hussain habe vom ersten Tag motiviert mitgearbeitet, ohne Berührungsängste alles ausprobiert und handwerkliches Geschick gezeigt. Czaplicki war überzeugt und der Ausbildungsvertrag bald unterschrieben. Für ihn als Betrieb sei es jedoch ein Wagnis mit offenem Ausgang gewesen, bekannte der Malermeister.

„Ich hatte gewisse Vorbehalte gegenüber Menschen mit fremdländischem Aussehen, fremder Kultur und Religion!“

Dass er für seine Ausbildungsbereitschaft eine Förderung der katholischen Kirche bekam, sei nicht das Ausschlaggebende gewesen. Es sei wichtig, dass der Betrieb über das Fachliche hinaus unterstütze, beispielsweise bei den notwendigen Behördengängen, da bemühe sich der Betrieb natürlich auch, wie auch bei der Sprachförderung. Von den staatlichen Institutionen habe er mehr Unterstützung für die jungen Flüchtlinge erwartet. Es müsse mehr Sprachförderung erfolgen. Es ist doch ein Unding, wenn die Jugendlichen erst nach 6 - 7 Monaten einen Sprachkurs bekommen, stellt Czaplicki fest. „Das Beherrschen der Sprache ist doch der Schlüssel zu unserer Gesellschaft.“ Und auch während der Ausbildung erkennt er Benachteiligungen, wenn z.B. jungen Afghanen in der Berufsschule die Nachhilfe, die anderen Schülern selbstverständlich offenstehen, verwehrt wird, weil sie „eine schlechte Bleibeperspektive“ hätten“, macht er seinem Ärger Luft. Hier fordert er mehr Flexibilität der Behörden beispielsweise in Mangelberufen.

„Heute bin ich überzeugt, richtig gehandelt zu haben.“

Das Engagement habe sich gelohnt, resümiert Czaplicki. Hier in Deutschland zu bestehen, wertet er für die jungen Flüchtlinge als enorme Herausforderung. Dennoch sei Hussain in den drei Jahren der Ausbildung in Theorie zu einem der Besten seiner Klasse geworden. Und auch die Kundschaft erkennt Hussain als soliden Handwerker voll an. Czaplicki ist überzeugt, dass in Hussain auch das Potential zum Meister steckt, wenn er das wolle.

Stephan Czaplicki bekennt, dass sich seine Vorbehalte gegenüber Menschen mit fremdländischem Aussehen, fremder Kultur und Religion in der Begegnung mit dem Afghanen Hussain aufgelöst haben. „Heute bin ich überzeugt, richtig gehandelt zu haben.“ Und ermutigt damit auch andere Handwerkskollegen jungen Flüchtlingen eine Chance zu geben.

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