Domgottesdienst am 30.04. (c) bss (gallhuber/hammes)

Pflege, Heilung und Zuwendung führt ins Herz der christlichen Botschaft

Domgottesdienst am 30.04.
Datum:
Mo. 2. Mai 2022
Von:
Armin Thomas - Pressestelle

Plädoyer für eine Kehrtwende in der Altenpflege

„Es ist noch nicht so lange her, dass Pflegekräfte beklatscht wurden und ihre so genannte Systemrelevanz mit starken Worten herausgestellt wurde.“ So leitete Bischof Dr. Peter Kohlgraf seine Predigt im Gottesdienst im Mainzer Dom am Samstag, 30. April, dem Vorabend zum Tag der Arbeit, ein. Die mangelnde Wertschätzung der Pflegeberufe und die Forderung nach einer Kehrtwende standen auch im Fokus der Betrachtungen beim anschließenden Austausch im Erbacher Hof. Dazu hatten die Betriebsseelsorge im Bistum Mainz, der KAB-Diözesanverband Mainz und der Diözesanverband Mainz des Kolpingwerks eingeladen. Die Überschrift der Veranstaltung lautete: „Fünf nach zwölf! – Pflege (im) Dauer-Notstand! Vom Zusammenbruch einer Branche und dem Ruf nach notwendiger Kehrtwende“.

Bischof Kohlgraf bei seiner Predigt (c) bss (gallhuber/hammes)
Bischof Kohlgraf bei seiner Predigt

„Es ist hier auch der Ort, die Arbeit der Menschen in Pflegeberufen wertzuschätzen und ihnen einen herzlichen Dank zu sagen, nicht nur angesichts der Strapazen in der Corona-Krise“, betonte der Mainzer Bischof in seiner Predigt. Das Thema Pflege, Heilung und Zuwendung führe selbstverständlich ins Herz der christlichen Botschaft. „Denn: Christus ist der Heiland. Er heilt, er rettet, er berührt, er wendet sich dem Menschen zu. All das steckt in dem alten Wort vom Heiland.“ Gerade in der Osterzeit, „in der wir immer auch die Erzählungen der Urgemeinde in Jerusalem hören, fällt deutlich auf: Die Jünger Jesu heilen und richten auf. Das gehört zum Kernauftrag der Kirche.“

Das heilende Handeln der Jünger komme nicht allein aus ihnen, sondern entspringe einer inneren Quelle, erläuterte Bischof Kohlgraf. Diese Quelle sei ihr Glaube. Menschen, die für andere da sind, bräuchten innere Quellen. „Ich wünsche allen Menschen in der Pflege, dass sie solche Quellen haben, die ihr Inneres nicht austrocknen lassen.“ Man könne auf Dauer nur etwas weitergeben, das einen selbst erfüllt. Wer als Christin oder Christ lebt, habe „österliche Augen“, griff Kohlgraf ein vom früheren Aachener Bischof Klaus Hemmerle geprägtes Bild auf. Es mache Mut, gerade auch die leidenden und kranken Menschen mit Hoffnung und Liebe zu betrachten, „sozusagen durch die Augen Jesu“.

Neben dem Dom Organisten, Prof. Daniel Beckmann gestaltete der Katholische Kirchenchor St. St. Philippus und Jakobus und der Chor Klangfarben aus Heidesheim den Domgottesdienst mit. m (c) bss (gallhuber/hammes)
Neben dem Dom Organisten, Prof. Daniel Beckmann gestaltete der Katholische Kirchenchor St. St. Philippus und Jakobus und der Chor Klangfarben aus Heidesheim den Domgottesdienst mit. m

Zur Pflege gehörten Nähe und Berührung, das habe zuletzt auch die Corona-Zeit gezeigt, erinnerte Bischof Kohlgraf unter anderem an Situationen, dass Menschen ihre in Pflegeheimen sterbenden Angehörigen nicht besuchen durften. „Ein wenig sind die Maßstäbe verrückt in diesen Zeiten. Das Heil des ganzen Menschen war nicht immer im Blick.“ Daher werde an diesem Vorabend des 1. Mai auch darüber gesprochen, welche Bedingungen Politik und Arbeitgeber schaffen können, um diese Arbeit angemessen zu würdigen. Dazu gehören finanzielle Anreize, aber auch Wertschätzung und gute Arbeitsbedingungen, sagte Kohlgraf. Zunächst aber dankte er allen, die in der Pflege arbeiten: „Ich hoffe, dass es nicht beim Corona-Applaus bleibt. Das ist Aufgabe der Politik, aber natürlich auch Aufgabe der Kirche. Wir als Kirche werden daran arbeiten müssen, immer mehr eine menschennahe und heilende Kirche zu sein und zu bleiben.“

Die Kollekte des Gottesdienstes war für die medizinische Versorgung von Menschen ohne Krankenversicherung bestimmt, die von der Aktion „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM) versorgt werden. MMM ist Teil der Arbeit des „Malteser Hilfsdienstes e. V. Stadt und Kreis Offenbach“ in Zusammenarbeit mit dem Ketteler Krankenhaus Offenbach. Es kam die stolze Summe von 903,56 € zusammen.