Enthüllung (c) Susanne Rapp

Respekt und Feierabend!

Enthüllung
Di 25. Jun 2019
Ingrid Reidt und Susanne Rapp

Betriebsseelsorge Südhessen und DGB laden zum Feierabend im Hof der Betriebsseelsorge und zum Netzwerkfest der Solidarität nach Rüsselsheim ein.

Im Mittelpunkt steht die Aktion „Respekt – kein Platz für Rassismus“ und die Solidarität mit Belegschaften in Krisensituationen

Schon seit Längerem gibt es ein Netzwerk von Einrichtungen, Institutionen und Menschen, die sich für Gerechtigkeit, Frieden und gutes Miteinander engagieren. Dazu gehört die katholische
Betriebsseelsorge, die zu einem »Feierabend Netzwerkfest« eingeladen hatte.
»Wer sich engagiert und streitet für soziale Gerechtigkeit, sollte auch zusammen feiern«, erklärt Ingrid Reidt von der katholischen Betriebsseelsorge Südhessen und setzt ihr Anliegen mit einem »Feierabend Netzwerkfest« in die Tat um. Im Hof der Betriebsseelsorge in der Weisenauer Straße 31 hat sie eingeladen und rote Fahnen des DGB am Eingang weisen darauf hin, dass im Hof gefeiert wird. Trotz der Hitze sind viele gekommen, um es sich im Schatten mit einem kühlen Getränk und interessanten Gesprächspartnern gemütlich zu machen. Einige haben sich verspätet. Überall in der Stadt sei Polizei, erklärt ein Ankömmling. Denn parallel zur kleinen Feier bei der Betriebsseelsorge startet der Firmenlauf in der Rüsselsheimer Innenstadt und die Polizei sperrt die Straßen dafür ab. Einige haben sich verspätet. Überall in der Stadt sei Polizei, erklärt ein Ankömmling. Denn parallel zur kleinen Feier bei der Betriebsseelsorge startet der Firmenlauf in der Rüsselsheimer Innenstadt und die Polizei sperrt die Straßen dafür ab.

DGB Kreisvorsitzender Bernd Schiffer nimmt das Mikrofon in die Hand und erklärt, der Begriff Feierabend, mit dem das heutige Netzwerkfest betitelt sei, heiße nicht, dass ab sofort Ruhe gegeben und Schluss gemacht werde mit dem Kampf. Das Wort bedeute nur das Ende eines Arbeitstages. »Wir denken, dass es in nächster Zeit sehr notwendig ist, sich zu vernetzen«, sagt der Gewerkschafter und unterstreicht auch die Wichtigkeit des Hauses, vor dem gerade gefeiert wird. Viele Gruppen hätten hier die Möglichkeit, sich zu treffen und die Räume kostenlos zu nutzen.

Respekt steht im Mittelpunkt

Ulrike Obermayr, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Darmstadt spricht ein Grußwort zur Aktion
Ulrike Obermayr, 2. Bevollmächtigte der IG Metall Darmstadt spricht ein Grußwort zur Aktion "Respekt"

Doch nicht nur zum Feiern hat man sich an diesem Abend getroffen. Es gilt auch, eine Meinung kundzutun. Denn mit einem großen Schild, dass zu Beginn der Feier noch verdeckt war, um ganz offiziell enthüllt zu werden, beteiligt sich die Betriebsseelsorge an der Aktion »Respekt!
Kein Platz für Rassismus«. Ursprünglich eine Aktion der IG-Metall, übernahm die Stadt Rüsselsheim 2013 das Thema. Seither sind die Schilder sukzessive an städtischen Einrichtungen, Institutionen und von Vereinen aufgehängt worden, berichtet Mostafa Lyazami vom Integrationsbüro der Stadt Rüsselsheim. Nicht ganz so groß wie das Schild, das ab sofort gut sichtbar an einer Wand im Hof der Betriebsseelsorge zu sehen ist, jedoch mit dem gleichen Text versehen, ist ein weiteres Schild, dass er symbolisch an die beiden Betriebsseelsorger Ingrid Reidt und Michael Ohlemüller überreicht. Ein geeigneter Platz wird sich sicherlich dafür finden. Er freue sich, dass es weitergehe mit der Aktion gegen Rassismus, erklärt Lyazami. Die Schilder, die überall in Rüsselsheim zu finden sind, haben einen ähnlichen Charakter wie die Aufkleber, die Orte als Schutzbereiche für Kinder ausweisen. Die Frage, ob im Zusammenhang mit den Schildern schon einmal etwas geschehen sei, verneint er. Ab und zu werde mal ein Schild übersprüht. Das sei alles.

Mostafa Lyazami, Integrationsbüro der Stadt Rüsselsheim bedankt sich, dass die Betriebsseelsorge sich der Aktion
Mostafa Lyazami, Integrationsbüro der Stadt Rüsselsheim bedankt sich, dass die Betriebsseelsorge sich der Aktion "Respekt" in der Stadt Rüsselsheim anschließt

Wie es Ende der 90er Jahre zu der Entstehung der Aktion gekommen sei, berichtet Ulrike Obermayr, die 2. Bevollmächtigte der IG-Metall Darmstadt. Zu dieser Zeit gab es einige Übergriffe auf Fußballspieler wegen deren Migrationshintergrund. Ungehemmter Rassismus habe sich
gezeigt. Inspiriert von Schildern, auf denen »Rasen betreten verboten!« steht, entwickelte eine Agentur die »Respekt! Kein Platz für Rassismus«-Schilder. Es gelte, diese Botschaft auch im betrieblichen Kontext zu verankern, so Obermayr. Noch immer gebe es jedoch Betriebe,
die das nicht wollen. Beruflich habe sie mit Frauenfußballerinnen zusammengearbeitet. Dabei habe sie sehr viel zum Thema Respekt gelernt. Frauenfußball sei damals noch viel weniger anerkannt gewesen als heute. Für ihre Siege bekamen die Frauen Essgeschirrsets geschenkt. Ehemalige Weltmeisterinnen waren nach ihrer sportlichen Karriere praktisch mittellos. »Ein Schild allein reicht nicht. Es muss mehr getan werden«, beendet sie ihre Ansprache.

Michael Ohlemüller und Ingid Reidt nehmen gerne das Schild

Solidarität mit Belegschaften in Krisensituation

Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin und Bernd Schiffler, DGB Rüsselsheim begrüßen die Gäste beim Feierabend (c) Susanne Rapp
Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin und Bernd Schiffler, DGB Rüsselsheim begrüßen die Gäste beim Feierabend

Das fest bot auch Gelegenheit, über die Situationen in den Betrieben zu reden. Der Betriebsrat von LSG und Distribution 44 GmbH ergriffen das Wort uns berichteten über ihre prekäre Situation und drohender Arbeitslosigkeit. Um die Solidarität anderer Kolleginnen und Kollegen zu wissen, - das war spürbar - ist in solchen schwierigen Situationen besonders wichtig. „Gemeinsam und solidarisch ist man weniger allein“ betont Ingrid Reidt, das gäbe Kraft für harte Auseinandersetzung und den Einsatz für mehr soziale Gerechtigkeit.