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Solidarisch ist man nicht alleine!

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Do 30. Apr 2020
Katholische Betriebsseelsorge Rheinhessen

Betriebsseelsorger Orthlauf-Blooß zu ausgefallenen Mai-Feiern und Kundgebungen

Zum ersten Mal seit Gründung des DGB gibt es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, auf den Straßen und Plätzen keine Kundgebungen und keine Mai-Feiern. Als Betriebsseelsorger ist normalerweise mein Platz an diesem Tag bei einer der Kundgebungen in Alzey, Worms oder Mainz. Mir ist dort das Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Gewerkschaften, den Betrieben und Einrichtungen wichtig und auch die Gelegenheit, neue Kontakte zu knüpfen. Gemeinsam ist dabei das solidarische Eintreten für gerechte Löhne und faire Bedingungen in der Arbeitswelt. Durch Corona ist das in diesem Jahr anders. Der Slogan der Gewerkschaften: „Solidarisch ist man nicht alleine!“. Mit einem deutschlandweiten Livestream - digital und in den sozialen Netzwerken - sind Ansprachen, Talks, Interviews und Solidaritätsbotschaften zu verfolgen.

Neue Wege für Gewerkschaft und Kirche

Auch die Kirchen und viele Gläubige gehen unter den veränderten Rahmenbedingungen neue Wege. Es gibt Online-Gottesdienste, virtuelle Gemeindetreffs usw. Sie zeigen ein hohes Maß an kreativem Engagement, um Gemeinschaft und Solidarität zu leben und den Mitmenschen irgendwie erfahrbar zu machen. Ich beispielsweise telefoniere viel mehr als früher und versuche so, mit Betriebs- und Personalräten unterstützend in Verbindung zu bleiben. Diese sind in den Betrieben meist die ersten Ansprechpartner, wenn Arbeitnehmer verunsichert sind und sich Sorgen über ihre Zukunft machen.

Nach Corona gibt es also sehr viel aufzuarbeiten, neu zu bewerten und vielleicht auch anders zu machen.

Beileibe nicht alle können im Homeoffice arbeiten und „dürfen“ ihre Kinder betreuen und bei deren Hausaufgaben helfen. Viele, die im Gesundheitswesen, in Alten- und Pflegeheimen, bei der Müllabfuhr oder bei Speditionen allzu oft unter schlechten Bedingungen und zu niedrigen Gehältern tätig sind, werden plötzlich zu „Helden des Alltags“. Nach Corona gibt es also sehr viel aufzuarbeiten, neu zu bewerten und vielleicht auch anders zu machen. Beispiele: Abschaffung prekärer Beschäftigungsverhältnisse, bessere finanzielle und personelle Ausstattung von Kitas und Schulen, mehr Unterstützung für zivilgesellschaftliches Engagement in Vereinen und Nachbarschaftsinitiativen, Bekämpfung des Klimawandels.

Gewerkschaften und Kirchen bleiben dran an den Sorgen und Nöten der Menschen

Gewerkschaften und Kirchen bleiben dran an den Sorgen und Nöten der Menschen, bringen sie jeder auf seine Weise ins Gespräch, tragen sie solidarisch mit und setzen sich für gute Bedingungen ein. Allerdings können gekonnt zusammengeschaltete Livestreams zum Tag der Arbeit, genauso wie auch die Online-Gottesdienste vor leeren Kirchenbänken, nur digitale Notbehelfe sein. Ich freue mich darauf, wenn wir uns in vielleicht naher Zukunft wieder in den Kirchen zum Gottesdienst treffen können und schon heute auf die Mai-Feiern im kommenden Jahr auf dem Alzeyer Rossmarkt, dem Wormser Marktplatz oder dem Mainzer Liebfrauenplatz.

Setzen wir uns für eine solidarische Gesellschaft, für Demokratie und Wohlfahrt aller ein!

Hans-Georg Orthlauf-Blooß, Betriebsseelsorger Rheinhessen

(Dieser Beitrag ist für die regelmäßige Kolumne in einer regionalen Tageszeitung entstanden.)