ELBE (c) Pia Kuner

Soziale Gerechtigkeit in der „BRDDR“ 30 Jahre Einheit in Deutschland – eine Bilanz

ELBE
Datum:
Di. 6. Okt. 2020
Von:
Pia Kuner

Seminar in Dresden 27. Juli 2020 - 30. Juli 2020

30 Jahre nach 1990, als die Grenze zwischen den BRD und DDR geöffnet wurde trafen sich Angehörige die Erwerbsloseninitiativen aus Südhessen, Baden-Württemberg, Franken, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt  zu einem 4-tägigen Seminar in Dresden.

 

Ist Deutschland ein wiedervereinigtes Land? Sind die Kategorien Ost und West überholt? Was ist mit der sozialen Gerechtigkeit? Und wie gelang die friedliche Revolution?

Diesen Fragen wollten wir auf den Grund gehen.

 

Die friedliche Revolution

13-februar-1982-Medaille_ (c) Pia Kuner
13-februar-1982-Medaille_

Voll Staunen und Dankbarkeit blicken viele zurück auf das Jahr 1989, in dem in vielen Städten der DDR die Bürger mit friedlichem Montagsdemonstrationen den Grundstein legten für Revolution, die dann letztendlich zur Beseitigung der Mauer führte. Kerzen statt Steine und keine Panzer, wie in Peking in Juni desselben Jahres.

In Dresden gab es die Gruppe der 20, etwa 20 Bürgerinnen und Bürger die während der Demonstration am 8. Oktober 1989 ernannt und beauftragt wurden, am folgenden Tag mit den örtlichen Behörden in Dresden über ihre politischen Forderungen zu verhandeln. In der Dresdner Innenstadt, unweit des Hauptbahnhofs, erinnert heute eine in den Boden eingelassene Inschrift an die Gruppe.

Und wir hatten das Privileg, von dem Sprecher dieser Gruppe durch die Dresdner Innenstadt geführt zu werden und authentische Berichte von der Zeit zu bekommen. Auch andere Sehenswürdigkeiten der historischen, neu aufgebauten Stadt brachte er uns mit viel Detailwissen näher.

 

Leben in der DDR – die Macht der Stasi

Zelle Gedenkstätte (c) Pia Kuner
Zelle Gedenkstätte

Der Besuch in der Gedenkstätte Bautzner-Straße-Dresden vermittelte eindringlich die Methoden und Mechanismen, mit denen die Menschen behandelt wurden, die nicht in das Parteikonzept passten. Es war erschreckend und bedrückend und wir bekamen einen kleinen Eindruck von der Macht und der furchteinflößenden Herrschaft.

 

Ost und West – Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Fassade alt-neu (c) Pia Kuner
Fassade alt-neu

Für die westdeutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars war es sehr spannend, aus erster Hand Hintergründe und Erfahrungen von den Menschen zu bekommen, die in der DDR gelebt und groß geworden sind.

Die DDR hatte eine schlechte politische Ordnung, in der die Menschen viel Gutes hinbekommen haben.

Die Ideologie war Religionsersatz, mit dem Ende der DDR brachen Sinn und Sicherheit weg.

Die Grenze, die Ost und West-Deutschland trennte ist auch eine Grenze zwischen Westeuropa und Osteuropa, mit anderen kulturellen und politischen Erfahrungen. Pluralität und Liberalität fand nicht im gleichen Maß statt.

Nach der Öffnung der Mauer von Osten nach Westen erfolgte keine Vereinigung, sondern lediglich der Beitritt in den Geltungsbereich des Grundgesetzes.

Nach der Maueröffnung wurden viele Betriebe abgewickelt und lösten dadurch eine hohe Arbeitslosigkeit aus. Der Bevölkerungsverluste durch die Abwanderung in den Westen ist dramatisch und hinterlässt entleerte, verödete Kleinstädte und Dörfer.

Und was nützen billige Mieten und blühende Landschaften ohne Arbeitsplatz?

Und es waren nicht nur die nicht mehr rentablen Großbetriebe, auch hochwertige Fertigungsbetriebe, wie z.B. die Seidenblumenmanufakturen von Sebnitz zerbrachen.

Viele Güter, die in Westdeutschland vertrieben wurden hatten ihren Ursprung im Osten, standen dort aber nicht zum Verkauf. Namhafte Häuser hatten die Produktion in der DDR.

Und heute? Nach 30 Jahren? Die Unterschiede sind nach wie vor sichtbar, man muss nur die die Herkunft der DAX-Vorstände, Führungsebenen, Richter am BVG, Politiker, etc zu betrachten.

Aber wir erkannten auch aufgrund von Statistiken bezüglich Arbeitslosigkeit, Bildung, Schulabschluss, die Unterschiede gibt es zwischen Ost und West aber ebenso zwischen Nord und Süd.

 

Dresden - Elb-Florenz.

Villa Weißer Hirsch (c) Pia Kuner
Villa Weißer Hirsch

Auch in diesem Seminar blieb Zeit, die Stadt zu entdecken.

Einen Nachmittag lang hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Dresden die Gelegenheit, den Gästen „Ihr“ Dresden zu zeigen, und so erkundeten wir in kleinen Gruppen die Stadt. Ich lernte die Dresdner Neustadt kennen und war beeindruckt von der Lebendigkeit und der großen Zahl kleiner und winziger Geschäfte, liebevoll inhabergeführt, Cafés und Kneipen.

Zum Abschluss gab es dann noch die beste Eierschecke von ganz Dresden

Am Abend wurden wir dann durch das Villenviertel beim weißen Hirsch geführt. Der Roman der Turm von Uwe Tellkamp beschreibt die Gegend und der Gästeführer rezitierte auswendig Beschreibungen zu einzelnen Häusern aus dem Roman

Ein Seminar in Corona-Zeit

Gruppe im garten (c) Pia Kuner
Gruppe im garten

Wie kann das gelingen? Ein Seminar mit 40 Personen in Corona Zeiten? Wir waren froh, als wir die Zugfahrt im vollen Zug mit Maske hinter uns hatten.

Die evangelische Tagungs- und Freizietstätte in Dresden verfügte über einen großzügigen Seminarraum, die Abstände zu beachten war kein Problem.  Außerdem hatten wir ein Audio-System, das sich sehr bewährte, mit Empfänger und Kopfhörer ausgerüstet konnte vor allem die Führungen entspannt und mit großem Abstand durchgeführt werden. Das Wetter half mit und so konnten die Mahlzeiten auch im Freien eingenommen werden.