Demonstration (c) IGMetall Darmstadt

Soziale Verantwortung statt Kahlschlag!

Demonstration
Do 10. Okt 2019
Ingrid Reidt

Solidaritätserklärung der Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen mit den Beschäftigten der Continental Automotiv GmbH Babenhausen angesichts angekündigter Massenentlassungen

Die Continental Automotive GmbH (eh. VDO) am Standort Babenhausen zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten großen Betrieben in der Region. Als Arbeitgeberin von tausenden Beschäftigten kommt ihr ein hoher gesellschaftlicher Stellenwert zu – sowohl als Existenzsicherung für die Beschäftigten mit ihren Familien als auch für die Stadt Babenhausen und die umliegenden Kommunen. Nicht unerwähnt darf bleiben: Continental hat über viele Jahre hinweg von der geleisteten Arbeit der Menschen am Standort profitiert.

Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt während der Kundgebung (c) IGMetall Darmstadt
Betriebsseelsorgerin Ingrid Reidt während der Kundgebung

Die Ankündigung von Massenentlassungen und konzertiertem Personalabbau mit dem Plan, das Werk zu minimieren und ganze Bereiche auszulagern, ist ein Schlag ins Gesicht für Beschäftigte und die Region.

Mit großem Unverständnis und noch größerer Sorge reagieren wir seitens der katholischen Betriebsseelsorge Südhessen auf die unternehmerischen Entscheidungen des Konzerns. Wir teilen die Empörung über die Entscheidung „von oben“ – die bereits weit auch über die Grenzen des Betriebes hinaus geäußert wurde.

Ingrid Reidt (c) IGMetall Darmstadt
Ingrid Reidt

Art und Größenordnung der Umstrukturierungspläne zieht gravierende soziale und gesellschaftliche Folgen nach sich - für jede und jeden einzelne/n Beschäftigte/n, für die Belegschaft als ganze wie auch für Stadt und Region.

Als Betriebsseelsorge wissen wir leider zu gut, was mit all dem einhergeht: Angst um den Arbeitsplatz, Sorge um Lohn und Brot und die offene Frage, wie es mit dem Standort überhaupt weitergeht. Für viele der Beschäftigten und ihre Familien steht die Existenzgrundlage auf dem Spiel. Dazu kommt: Die Beschäftigten sind völlig unvermittelt von den Kahlschlag-Plänen überrascht worden. Das schürt Misstrauen und Wut gegenüber der Konzernleitung. Es bleibt der bittere Beigeschmack, dass die redliche und gute Arbeit von Menschen und deren Leben (mal wieder) an letzter Stelle steht.

Den Beschäftigten der Continental Automotive GmbH und ihren Familien sagt die katholische Betriebsseelsorge ihre uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung zu: Im Kampf um Arbeitsplatzerhalt wie auch durch menschliche Begleitung in dieser schwierigen und von Auseinandersetzung geprägten Zeit.

Unsere Aufmerksamkeit gilt dabei der Belegschaft in seiner ganzen Vielfalt: Ob Angestellte in Entwicklung und Forschung oder Facharbeiter*innen, wie auch auf die große Anzahl von Frauen und Männern in der Fertigung, und nicht zuletzt die befristet Angestellten und die oft vergessenen Leiharbeitnehmer*innen: Sie alle sind auf unterschiedliche Weise betroffen. Alle haben Wertschätzung für geleistete Arbeit und eine Perspektive verdient!

Wir appellieren an die Verantwortlichen im Konzern, ihre soziale Verantwortung ernst zu nehmen insbesondere in Zeiten der Transformation. Statt Kahlschlag zu betreiben gilt es, innovative Ideen zu entwickeln, um Arbeitsplätze vor Ort zu nachhaltig sichern. Der Einbezug und die Beteiligung der Beschäftigten, deren Mitbestimmung erscheint dafür unerlässlich.

Die Katholischen Betriebsseelsorge Südhessen wird die weiteren Entwicklungen kritisch verfolgen und in engem Kontakt mit dem Betriebsrat, den Vertrauensleuten und der IG Metall Netzwerke der Solidarität voranbringen.

Dabei betonen wir: In schwierigen betrieblichen Situation steht die Sorge um den Menschen im Vordergrund.

 

Ingrid Reidt                                                                            

Katholische Betriebsseelsorgerin Südhessen  

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