Noch gilt der Hinweis (c) bss

Soziale Verantwortung wahrnehmen statt billig abspeisen!

Noch gilt der Hinweis
Fr 17. Jan 2020
Hans-Georg Orthlauf-Blooß

Solidarität mit Beschäftigten der Rhenus/SCR GmbH Rüsselsheim

Der massive Umbau und Abbau bei Opel erreicht eine weitere Dimension – mit gravierenden Folgen für die Beschäftigten dort, aber verschärft auch für die Belegschaften direkter Zulieferbetriebe im Kreis und in der Region. Die Belegschaft von Rhenus/SCR trifft es derzeit besonders hart, stellt Ingrid Reidt, Betriebsseelsorgerin für Südhessen fest. "In der Flut von immer neuen Nachrichten darf das nicht untergehen." So habe in der vergangenen Woche die Geschäftsleitung nach wiederholten Entlassungswellen die endgültige Schließung des Standortes zum 31.3.2020 bekannt gegeben.

Bereits im Herbst 2018 gab es bei Rhenus/SCR harte Einschnitte und einen massiven Stellenabbau. Über zweihundert Leiharbeiter und langjährige Festangestellte haben ihren Arbeitsplatz verloren. Im September 2019 wurde noch einmal die Belegschaft halbiert. Mehr als 100 Beschäftigte haben trotz eindringlicher Forderungen und Streiks (die Presse berichtete) ihre Stelle verloren und sind mit einer beschämenden Abfindung billig abserviert worden. Als Betriebsseelsorge haben wir dies hautnah miterlebt, sagt Betriebsseelsorgerin Reidt und erfahren, dass "wichtige soziale Argumente im Nichts verhallen".
Weiter heißt es in der Solidaritätserklärung: "Nun verlieren auch die verbleibenden 96 Beschäftigten unverschuldet ihren Arbeitsplatz. Allen Kolleginnen und Kollegen, die bei Rhenus/SCR ihre Arbeit verloren haben und durch die Schließung akut verlieren werden, gilt wiederholt und ausdrücklich unsere uneingeschränkte Solidarität und praktische Unterstützung im Umgang mit der schwierigen Situation. Als Betriebsseelsorge wissen wir um die physische und psychische Belastung ihrer Arbeit und die Entwicklungen der vergangenen Jahre. Nicht selten haben wir den harten Kampf des Betriebsrates für bessere Rahmenbedingungen begleitet und die Belegschaft in Krisensituationen unterstützt. 
Die Schließung Ende März markiert das Ende einer langen Rationalisierungs- und Leidensgeschichte einer einst über 500 Personen starken Belegschaft, deren verbliebener Rest bis heute wichtige gute Dienstleistungen für Opel leistet. Das Unternehmen Rhenus selbst hat von der Arbeit der Kolleginnen und Kollegen profitiert.
Verlierer sind und bleiben hingegen wieder die Beschäftigten mit ihren Familien. Viele von ihnen sind erfahrene Kolleginnen und Kollegen im fortgeschrittenen Alter. Sie bangen um eine existenzsichernde Perspektive. Ihre Arbeit in dauernder Krisensituation hat Spuren hinterlassen. Was bleibt, sind die Enttäuschung über fehlende Wertschätzung und Wut über verschwindend geringe Abfindungsangebote. 
Als Betriebsseelsorge teilen wir ihre Sorge und die berechtigte Empörung.
Wir unterstützen die Forderungen und den Kampf der Belegschaft um angemessene monetäre Entschädigung und appellieren an Rhenus Logistics als global aufgestelltes Unternehmen, soziale Verantwortung wahrzunehmen. Das ausdrückliche Bedauern über die Schließung seitens der Unternehmensleitung nehmen wir positiv zur Kenntnis und ernst. Wir erwarten eine faire Abfindung als Ausdruck angemessener und echter Wertschätzung.
Mit unserer Einrichtung in Rüsselsheim bieten wir unsere praktische Unterstützung an. Im Netzwerk mit anderen Akteuren schaffen wir Räume der Solidarität und bieten denen, die von Arbeitslosigkeit betroffen oder bedroht sind, die Möglichkeit zum Austausch und zum persönlichen Gespräch.