Ehepaar Hommer und Hans-Georg Orthlauf-Blooß (c) BSS

Wenn der Nikolaus ans Fahrerhäuschen klopft

Ehepaar Hommer und Hans-Georg Orthlauf-Blooß
Datum:
Mo. 6. Dez. 2021
Von:
Karl-Manfred Wirthwein

Kirchenaktion will auf Situation der Trucker aufmerksam machen

Lkw-Fahrer sind mehr oder weniger auf den Autobahnen daheim. Dass die Regale in den Geschäften gefüllt sind und Waren termingerecht geliefert werden, ist auch ihnen zu verdanken. Die Pioniere der Straße bringen Bewegung ins Land, und trotzdem hat dieser Berufsstand mit vielen Hindernissen zu kämpfen.

Mit einer besonderen Nikolausaktion hat die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Sankt Matthias in Neuwied und die Kolpingfamilie Neuwied gemeinsam mit der Betriebsseelsorge Mainz und der Fernfahrerseelsorge auf der Autobahnraststätte Wonnegau einen Ort guter Taten geschaffen. Das Ziel: Sie wollen ein Zeichen für eine Berufsgruppe setzen, die gesellschaftlich kaum Anerkennung erfährt und damit auf deren Situation aufmerksam machen.

Schokoladige Überraschung für Lkw-Fahrer

Lkw-Fahrer bekommen am Sonntag, dem 5. Dezember, Besuch vom Nikolaus, der unter anderem sein schokoladiges Pendant verteilt. Während manch anderer das Wochenende mit der Familie verbringt, sind die Fahrzeugkabinen das Zuhause zahlreicher Lkw-Fahrer. Oft sind es Menschen aus den ehemaligen Ostblockstaaten. Viele verdienen so wenig, dass sie sich noch nicht einmal ein preiswertes Hotel leisten können. Da bleibt nur das Übernachten auf den Parkplätzen. Die Bedingungen sind alles andere als gut. Die meisten Parkplätze sind ohne Wasser, Dusche oder Toiletten und nicht selten überfüllt. Die Fahrer bleiben sich selbst überlassen.

„Corona hat diese Situation noch einmal verschärft“, erklärt Betriebsseelsorger Hans-Georg Orthlauf-Blooß. Er kennt die Alltagsprobleme der Fahrer. Darunter sind welche, die wochenlang nicht zu Hause sind. Wenn man mit ihnen spricht, gehe einem förmlich das Herz auf. Schade findet er, dass gerade diese Menschen nicht gewürdigt werden. Zumal diese häufig zu Dumpinglöhnen und schwer erträglichen Arbeitsbedingungen unterwegs sind, heißt es. Das sei das eigentliche Problem, die dreiste Art, wie die Fahrer aus Osteuropa manchmal ausgenutzt würden, sagt Orthlauf-Blooß.

Auf der Raststätte steht auch der Lkw von Jarek. Er ist 38 Jahre alt und stammt aus Bulgaren. Er spricht nur wenig Deutsch. Seit einer Woche ist er mit einem 40-Tonner unterwegs, fährt Waren quer durch Europa. Es ist mittlerweile das zweite Wochenende, an dem er unterwegs sei, sagt er. Erst Ende dieser Woche wird er voraussichtlich wieder zu Hause sein. Über die Nikolausaktion freut er sich sehr, wie sein Lächeln verrät. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt er.

Nikolaus als Symbolfigur des Helfenden

Wie wichtig der Fernverkehr auf den Straßen ist, macht die derzeitige Situation in England klar. „Das zeigt, was passiert, wenn die Logistikketten nicht mehr funktionieren“, betont der Seelsorger. Dort fehlten die Fahrer (auch) ausgerechnet um die Weihnachtszeit, und das bringe umso mehr Probleme für jeden einzelnen Bürger mit sich. Man wolle auf diese und ähnliche Situationen aufmerksam machen und Danke sagen.

„Schließlich ist der Nikolaus der Prototyp des Menschen, der für andere da ist”, betont der Nikolaus, der auf der Raststätte unterwegs ist. Im richtigen Leben heißt er Michael Hommer und ist Diakon im Bistum Trier. Er hat einen weiß gekleideten Engel dabei, und gemeinsam sorgen die beiden für lächelnde Gesichter und strahlende Augen bei jenen Menschen, die weit weg von ihrem Zuhause sind. Die Aktion „Tat.Ort.Nikolaus“ wird vom Bonifatiuswerk mit 200 Schokoladennikoläusen gefördert.