Hans-Georg Orthlauf-Blooß (c) bss Werner Feldmann

"Zeitungmachen" als ein Herzensprojekt

Hans-Georg Orthlauf-Blooß
Datum:
Mi. 23. Nov. 2022
Von:
Anja Weiffen

Mehr als zwölf Jahre wirkte Hans-Georg Orthlauf-Blooß in der Betriebsseelsorge. Zuvor war er 15 Jahre als Dekanatsreferent im damaligen Dekanat Alzey-Gau-Bickelheim tätig. Zum Abschied in den Ruhestand beantwortet der Pastoralreferent in der Kirchenzeitung Fragen zum Arbeitsleben, auch zum eigenen.

Es gibt gerade viele Krisen, die Betriebe und Arbeitsplätze betreffen. Wo „brennt“ es am meisten?

Die Beschäftigten bei Galeria Kaufhof müssen erneut um ihre Arbeitsplätze bangen. Nach den Schließungen im letzten Jahr sollen erneut ein Drittel der Filialen geschlossen werden. Im Hintergrund steht das veränderte Kaufverhalten der Kunden. Die Innenstädte müssen sich neu erfinden. Inflation und die explodierenden Energiekosten machen Unternehmen wie Beschäftigten zu schaffen. Die Forderung nach Inflationsausgleich und Hilfen sind folgerichtig. Harte Tarifauseinandersetzung in vielen Branchen stehen bevor.

Nur rund die Hälfte der deutschen Bistümer haben eine Betriebsseelsorge. Warum ist sie Ihrer Meinung nach wichtig?

Rund ein Drittel ihrer Lebenszeit verbringen die Menschen am Arbeitsplatz. Nicht immer ist die Arbeit gut und auskömmlich. Viele arbeitende Menschen sind aus verschiedensten Gründen gewaltig unter Druck. Unsere Aufgabe als Betriebsseelsorge ist, in möglichst vielen Bereichen der Arbeitswelt präsent zu sein und den Menschen auch in ihren „Sorgen und Nöten“ solidarisch und engagiert zur Seite zu stehen. Die Würzburger Synode in den 1970-er Jahren prangerte das Versagen der Kirche in der „Arbeiterfrage“ an. Unser Bistum hat darauf reagiert. Andere Bistümer müssen sich heute die Frage gefallen lassen, wo sie als Kirche in der Arbeitswelt erleb- und erfahrbar sind und wie sie die biblisch begründeten und in der Katholischen Soziallehre entwickelte Werte in der Arbeitswelt vertreten.

Was war Ihr Herzensprojekt in all den Jahren?

Ich hatte viele Herzensprojekte. Eines war das „Zeitungmachen“. Das mache ich für mein Leben gerne. In der Betriebsseelsorge war es die MALOCHE. Hier konnten wir über unsere Arbeit berichten und zeigen, wofür wir als Betriebsseelsorge stehen.

Was machen Sie im Ruhestand?

Ich engagiere mich wieder in der TAFEL Alzey, dann als Ehrenamtlicher. Seit ein paar Wochen versuche ich mich im Chor Cantabile meiner Pfarrei im Bass und habe vor, den zuhause mit den Jahren angewachsenen Renovierungsstau abzubauen. Ich freue mich auf diese Zeit.
Fragen: Anja Weiffen