Schmuckband Kreuzgang

Aus dem Blog: 15. bis 21. Mai 2020

15. bis 21. Mai 2020

Digitale Dekanatsversammlung (c) Bernd Lülsdorf
Digitale Dekanatsversammlung
Termin: Freitag, 22.05.20 - 00:00

Am vergangenen Dienstag, dem 19. Mai 2020 fand die erste DDD (Digitale Dekanatsversammlung Darmstadt) statt. Zu behaupten es wäre ein voller Erfolg gewesen, trifft wohl nicht zu, aber ein herausforderndes Übungsfeld  war sie allemal.

Ein Kommentar von Benedikta Caspari

Deutlich wurde, dass eine streitbare Sitzung in dem Medium Videokonferenz noch einiges Lernen bedarf. Vielleicht ist es ja auch so, dass der Pastorale Weg vor allem ein Lernfeld für eine gute Streitkultur sein kann.

Die Dekanatsversammlung war als das höchste beschlussfassende Gremium im pastoralen Weg im Dekanat schon seit langem als ein Meilenstein an diesem Termin angesetzt gewesen. Sie sollte trotz Corona eine Chance bekommen, dies zu bleiben. Es galt, den Themengruppen "Neue Strukturen" und "Finanzen und Verwaltung" einen legitimierten Startpunkt zu setzen, das Schmerlenbach-Papier als Leitlinien unserer weiteren Arbeit zu verabschieden und das Statusgespräch zum Pastoralen Weg mit der Bistumsleitung vorzubereiten.

Die Architektur der Versammlung sah vor, dass sich die Delegierten aus den Pfarrgemeinden oder Pfarrgruppen jeweils vor einem Bildschirm versammelten, natürlich unter Einhalten der Abstandsregel, so dass sich nicht jede Person einzeln in die Videokonferenz einwählen musste. Dies hat mitunter zu einem netten Public-Viewing-Gefühl geführt, das auch manche technische Länge überspielte.

An ihre Grenzen kam die Versammlung aber spätestens durch die Tücken einer streitbaren Sitzungskultur. Dort, wo man im Normalfall mit Geschäftsordnungsanträgen die Tagesordnung verändern oder den Schluss einer Debatte beantragen kann, wurde bald deutlich, dass die Verständigung über komplizierte Sachverhalte, die Einhaltung von Rednerlisten mit telefonisch zugeschalteten Versammlungsteilnehmern sowie ein Chatraum, der wie ein Separee gewirkt hat, den inhaltlichen Redefluss deutlich in Mitleidenschaft zog.

Auch wenn die angesprochenen Themen und ihr Ansinnen durchaus bedenkenswert waren, so hatten sie doch in diesem Medium keine Chance, entsprechend gewürdigt zu werden.

Letztlich konnten die Themengruppen gestartet werden, die gemeldeten Mitglieder werden demnächst eine Einladung zum Online-Auftakt bekommen. Der Entwurf für das Statusgespräch hat eine Rückmeldeoption bis zum kommenden Mittwoch bekommen; alle Äußerungen, die bis dahin aus den Gremien kommen, werden nebeneinander in das Papier eingearbeitet und nach Mainz geschickt. Das Dekanatsprojektteam wird dann bei seinem Treffen die Sammlung noch vervollständigen. Die Diskussion des Schmerlenbach-Papiers wurde nochmals verschoben, bis ein Modus gefunden wird, der eine würdige Diskussion zulässt.

Drei Anträge waren im Vorfeld an die Versammlung gestellt wurden, von denen sich einer, der die Ablehnung des Statuspapiers zum Inhalte hatte, durch dessen Weiterverarbeitung erledigt hatte. Ein zweiter zur Einbindung der Pfarrgemeinderäte in den Prozess und ein dritter zur Diskussion und Entscheidungsfindung von weiteren Papieren konnten nicht mehr behandelt werden, da die Versammlung an ihre zeitliche Grenze geraten war und ein Antrag zur Verlängerung keine Mehrheit fand. Sie werden nun zunächst die Steuerungsgruppe beschäftigen.

Auch wenn das Ende „ein bisschen plötzlich“ kam und die fehlende inhaltliche Diskussion Unzufriedenheiten generierte, kann der Versammlung doch eine hohe Disziplin mit dem Medium und eine große Leidensfähigkeit mit technischen Zeitfressern bescheinigt werden. Ein gemeinsames Wachsen an der Herausforderung war es schon, und auch die gemeinsame Feststellung, dass eben doch nicht alles digital zu lösen ist; bzw. vielleicht auch umgekehrt: Dass digitale Vorgänge eben auch andere Regeln benötigen.

Und eines haben wir gemeinsam auf jeden Fall erreicht: Wir waren die Dekanatsversammlung im Dekanat, die die bisher höchste Anwesenheit der Mitglieder aufweisen kann!