Gedanken zum 4. Fastensonntag

von Dekan Alexander Vogl

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Blindenheilung_Dom zu Bremen
Fr 20. Mär 2020
Alexander Vogl

Solange wir keinen Gottesdienst feiern können, finden Sie hier für die Sonntage und Feiertage Gedanken von Mitarbeiter*innen aus unserem Dekanat.

„Unterwegs sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: „Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?“ Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden. Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.“  (Johannes 9,1-5)

Das ganze Evangelium zum 4. Fastensonntag aus Johannes 9,1-41  finden Sie unter www.bibelwerk.shop/einheitsuebersetzung , Sie müssen dort nur noch bei „Buch“ zu Johannes scrollen und bei den „Kapiteln“ auf 9.

Die Lesung aus dem Alten Testament steht in 1 Sam 16, 1b.6-77.10-13b.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Dekanat Dieburg!

Es ist der 4. Fastensonntag (Laetare), es finden auch weiterhin keine öffentliche Gottesdienste in unseren Kirchen statt, heute (Donnerstag, den 19.03) sind unsere Kirchen für das persönliche Gebet noch geöffnet mit der dringenden Anweisung, dass sich nur höchstens 2 Gläubige zur gleichen Zeit darin aufhalten dürfen, ob dies heute am Sonntag noch so sein kann ist ungewiss. Deshalb wollen wir auf unserer Dekanatshomepage in der kommenden Zeit auf diese Weise mit Ihnen in Kontakt sein und uns im Glauben miteinander verbinden! Die Hauptamtlichen unseres Dekanates werden Ihnen an dieser Stelle zu den Schrifttexten der kommenden Sonn- und Feiertagen Impulse und Gedanken zur Verfügung stellen. Halten wir im Gebet verbunden diese schwierige Zeit miteinander aus!

Im heutigen Evangelium geht es um den Blindgeborenen. Er wird von Jesus geheilt. Da haben die Pharisäer ihre Schwierigkeiten. Jesus passt nicht in ihre Vorstellung von Gesetzesauslegung. Er heilt am Sabbat. Um die Menschen abzuschrecken, sich Jesus zuzuwenden und an ihn zu glauben, stoßen sie den Geheilten aus der Synagoge aus. Das hieß auch, dass er religiös und gesellschaftlich ins Leere fallen sollte. Später begegnet ihm Jesus.

Er sagte zu ihm: "Glaubst du an den Menschensohn?" Der Mann fragte: "Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich glaube." Jesus erwidert ihm: "Du siehst ihn vor dir. Er, der mit dir redet, ist es." Dann findet der geheilte Mann zum Glauben an Jesus: "Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder." Das war die eigentliche, die innere Heilung des Blindgeborenen. Gegen alle Ausgrenzung und Einschüchterung glaubte er an Jesus als sein Lebenslicht.

Im achten Kapitel des Johannesevangeliums, das unmittelbar der Heilung des Blindgeborenen vorausgeht, legt Jesus Zeugnis von sich selber ab. Er sagte: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben.“ Wir haben die Hälfte der Fastenzeit überschritten und bitten Gott, dass er uns für das Geheimnis seines Sohnes als Licht auf dem Weg durch den Tod zum Leben erleuchte.

In der heutigen Gesellschaft gibt es eine Dunkelheit, eine „Abwesenheit Jesu“. Im Alltag, in den Massenmedien wird Jesus Christus noch genannt. Doch bleibt offen, wer er wirklich ist. Vieles ist vage und unklar. Manche nennen sich „gläubig“ und meinen die Existenz eines höheren Wesens, vielleicht eines Schöpfers. Sie glauben, dass es ein Jenseits gibt. Bei dieser Art von Religiosität ist Jesus praktisch nicht vorhanden.

Es bleibt auch die Frage an uns, gerade jetzt in dieser so schweren Zeit: „Glaubst du an den Menschensohn“, der zugleich Sohn Gottes ist und uns zu seinem Vater führt? Der uns persönlich liebt und der für uns sein Blut am Kreuz vergoss? Ist das unser persönlicher Glaube? Nur im Verstand oder bewegt er unser Herz? Wir sind seit unserer Taufe mit Jesus in Beziehung. Doch das Feuer, das Gott damals angezündet hat, ist niedergebrannt. Oft sieht man nur noch die Asche. Zum Glück ist noch Glut darunter. Sie gilt es zu entfachen. Mancher wird sagen: „Zuerst müsste ich mein Misstrauen dem Herrn gegenüber loslassen, das scheint für mich schwer. Wenn ich nicht mehr alles selber in der Hand halte, fühle ich mich verunsichert.“ Gerade jetzt erleben wir ja augenscheinlich und massiv spürbar, wie wir eben nicht mehr alles selber in der Hand haben.

Der Geist Jesu, der Hl. Geist drängt uns, das Steuer unseres Lebens aus der Hand zu geben und es Jesus ganz, nicht nur halb, zu überlassen. Jesus muss in meinem Lebenswagen vorne sitzen und ich hinten. Oft schieben wir Jesus weg! Nein! schön hinten sitzen und Jesus alles zutrauen und ihm alle Vollmachten geben! Er steuert mich in gutes Land! Sein Licht leuchtet den richtigen Weg aus. 

Jacques Loew, einer der ersten Arbeiterpriester nach dem zweiten Weltkrieg, hatte in seiner Jugend den Glauben verloren. Aber eine tiefe innere Unruhe, eine Sehnsucht nach Gott, ließ ihn nicht los. Da kniete er sich eines Tages nieder und betete: "Herr, Gott, Jesus, wenn es dich gibt, dann lass mich dich erkennen!"

Und - er betete lange und oft so, ein halbes Jahr, bis er wieder glauben konnte. Heute sind wir wie der Blindgeborene gefragt: „Glaubst Du?“ Jesus fragt uns: „Bist du bereit, mir dein Leben zu übergeben?“ Öffnen wir ihm die Tore unserer Herzen! Sein Licht ist das Licht des Lebens. Wir wandeln nicht in der Finsternis.

In der Lesung des Epheserbriefes heute heißt es: “Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts! Das Licht bringt lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor.“ Aus der Beziehung zum Licht Christi in uns laden uns jetzt die drei Wochen vor Ostern zu Schritten der Versöhnung ein. Vielleicht ruft uns die Stimme des Gewissens zum intensiven persönlichen Austausch und Gebet mit Gott. Vertrauensvoll und ruhig kann ich Jesus meine Lebensschlüssel übergeben. Er darf Bereiche in mir öffnen, die ich nicht öffnen kann, weil Dunkelheit sie verschlossen hält. Ich darf Jesus alles hinhalten: meine Not, meine Zweifel, meine ungelösten Probleme, meine Ängste und Sorgen; meine Hingabe und mein Versagen, meinen Kleinglauben und mein Vertrauen: er wirkt in uns heilend wie beim Blindgeborenen.

Jesus sagt einmal: „Selig sind die Augen, die sehen, was Ihr seht“. Er meint uns: Weil wir durch ihn den Sinn des Lebens, der Liebe und des Sterbens erkennen dürfen. Der schönste Satz, den ein Ehepartner zum andern sagen kann, lautet: „Du hast mich glücklich gemacht.“ Bekennen wir heute schon und erst recht an Ostern als gläubige Menschen: „Jesus, Du hast uns glücklich gemacht! Danke!“

Ich wünsche Ihnen und all Ihren Lieben, den Gesunden und Kranken, den Alten und Jungen, jenen die bei Ihnen sind und jenen die sie im Herzen tragen einen gesegneten Sonntag, alles Gute und Gesundheit.

Es segne Sie und alle, die zu Ihnen gehören der allmächtige und gute Gott der + Vater, der + Sohn und der + Heilige Geist. Amen.

Ihr Dekan Alexander Vogl, Dieburg