Schmuckband Rad

Bischof Kohlgraf im Dekanat Dreieich

Besuch am 17. Mai 2018

Bischof Kohlgraf beim Dekanatsbesuch (c) D. Thiel
Bischof Kohlgraf beim Dekanatsbesuch
Do 18. Okt 2018
Judith Pfau

Die Impulse zur pastorale Ausrichtung im Bistum Mainz könnten zusammengefasst lauten: Von einer Komm-her-Kirche zu einer Geh-hin-Kirche, oder dem Titel des Buches von Peter Kohlgraf entsprechend: Nur eine dienende Kirche dient der Welt. Auf der Bistumsseite wurden die Protokolle der Dekanatsbesuche veröffentlicht, die letzten leider nicht mehr. Daher werden die Stationen des Besuches und wesentliche Aussagen von Bischof Peter Kohlgraf den Interessierten hier auf der Dekanatsseite zur Verfügung gestellt. 

ine dienende Kirche dient der Welt -
Bischof Kohlgraf im Dekanat Dreieich

Als sein 88. Nachfolger segnete Bischof Peter Kohlgraf eine restaurierte Statue des Heiligen Bonifatius in der Gemeinde „St. Martin" in Dietzenbach. „Atme in uns, Heiliger Geist" - so sangen die versammelten Christen in der morgendlichen Andacht. Bischof Kohlgraf bestärkte diesen Gedanken: Gottes Geist gibt allem Leben, also auch Atem; somit sollten überall Spuren Gottes zu entdecken sein - in der Welt, in unserem Dekanat, im Leben jedes einzelnen. Diese gelte es zu entdecken und Menschen den Blick dafür zu öffnen - im Vertrauen: Gott führt und begleitet uns. So könnten wir Zeugen sein wie Bonifatius.

Im folgenden thematischen Austausch mit Hauptamtlichen Pastoralen MitarbeiterInnen zum Thema „Glaubensverkündigung/-weitergabe, Gottesdienst" wurden u.a. Wege zu ehrlicher, tragfähiger Sakramentenpastoral gesucht und Chancen in Schule und Gemeinde benannt. Impulse unseres Bischofs: Persönliche Begegnungen wie auch Begleitung auf dem Weg zu den Sakramenten könnten in den Menschen nachwirken. Glaubwürdigkeit der Zeugen sei dabei wichtig, eigene Zweifel und Konflikte dürften ruhig benannt werden. Evtl. eine höhere Verbindlichkeit hinein bringen, Elternarbeit, Familienkatechese. Glaubenserfahrungen ermöglichen - wie MitarbeiterInnen es bereits tun, z.B. im Religionsunterricht oder mit Jugendlichen in Taizé. Wir säen - die Ernte liegt nicht in unseren Händen. Aufbrüche und neue Wege seien oft gerade dort möglich, wo es keine Volkskirche mehr gebe. Zugehen auf die Menschen, die nicht mehr zu uns kommen: Wie können wir Menschen ansprechen? Spüren wir etwas von dieser Liebe in all diesen Begegnungen?

Beim Gespräch mit KiTa-Leitungen und Pfarrsekretärinnen in St. Stephan, Sprendlingen, sprach Peter Kohlgraf u.a. an: Pfarrsekretärinnen sind das erste Gesicht der Gemeinde, und oft das einzige, dem die Menschen begegnen. Bzgl. Personalknappheit im KiTa-Bereich stellte Bischof Kohlgraf die Frage in den Raum: Finden wir für unsere konfessionellen KiTas in Zukunft noch das Personal, das zu uns passt, das ggf. auch ohne Taufe hinter dem Konzept steht? 
Auf das Thema Verwaltung ging Kohlgraf genauer ein: Es sollen neue Trägerstrukturen zur Entlastung für KiTa-Leitungen eingeführt werden. Eine Entlastung von Bürokratie sei Thema in vielen kirchlichen Bereichen. So sollen im Bistum zuerst die Pastoralräume geplant und dann ein dafür praktikables Verwaltungskonzept eingeführt werden, das für alle nützlich ist. Dazu möchte Bischof Kohlgraf im Herbst / Winter 2018 eine erste Idee vorstellen und zur Diskussion darüber einladen. Aus Erfahrungen anderer Bistümern werde gelernt, so dass Chancen ergriffen und Fehler vermieden werden können. So möchte Peter Kohlgraf als Bischof einen pastoralen Rahmen vorgeben und die konkrete Umsetzung den Verantwortlichen vor Ort anvertrauen, die mit den örtlichen Besonderheiten vertraut sind. Von Anfang an sollten dort alle Beteiligten gemeinsame Lösungen erarbeiten. Jedes Pastoralteam könnte so eigene kreative Lösungen finden, die in die Region passen.

Zum Thema „Kirche heute und in Zukunft in einer pluralen und multikulturellen Gesellschaft" machten sich Hauptamtliche Pastorale MitarbeiterInnen konkret mit dem Bischof auf den Weg - zu einem Spaziergang. Bischof Kohlgraf ermutigte, neue Formen zu finden, um Menschen auch außerhalb der Kirche anzusprechen wie auch in der Sakramentenkatechese - wo einzelne Gemeinden im Dekanat Dreieich interessante neue Wege gehen. 
In dieser Austauschrunde gab es Fragen zu den Berufsbildern und zukünftigen Aufgaben: Der Einsatz der haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden solle sich an den Charismen orientieren, und Begabungen sollten gefördert werden. Leitung z.B. könnte von Ehrenamtlichen-Teams übernommen werden, mit Vernetzung zum Pfarrer. Auf Bistumsebene könnte ein Erfahrungsaustausch über Projekte stattfinden sowie eine Reflexion, warum etwas (nicht) gelungen ist, damit andere daraus lernen können. Zur Frage nach dem Diakonat der Frau nannte Kohlgraf die Notwendigkeit der Unterscheidung: Was gehört zum Wesen der Kirche, was waren vom Geist Gottes geleitete Entscheidungen - und was sind zeitgemäße, veränderbare Regeln? Dies gelte es zu prüfen, da es bei Einführung des Diakonats der Frau wohl keinen Grund gebe, nicht auch die anderen Ämter für Frauen zu öffnen.

Die Fahrt durchs Dekanat ging weiter nach Langen. Im Gemeindezentrum von St. Thomas von Aquin fand gerade das „Café Welcome" statt, wo Einheimische und Flüchtlinge sich begegnen können, um das Ankommen im neuen Wohnfeld zu erleichtern.

Es folgte ein Treffen zum Thema „Sozialpastoral", an dem u.a. die Mitarbeiterinnen des Caritasverbandes teilnahmen. Dreieich gehört zu den fünf Dekanaten im Bistum, in denen im Projekt „Sozialpastoral" eine engere Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Caritas gestärkt wird. Vielfältige herausfordernde wie auch kostbare Erfahrungen aus der Praxis wurden geschildert. Diakonie, so Kohlgraf, beginne im kleinen Umfeld - Aufmerksamkeit für den Nachbarn, kleine Hilfen im Alltag zwischen Menschen. Der Not im Leben der Menschen solle im Gemeindeleben Raum gegeben werden, die biblische Botschaft in der Liturgie auch im Blick auf Armut ins Leben übersetzt werden: Sorge um den Nächsten sei Wesensausdruck der Kirche.

Bzgl. der zukünftigen Gestaltung größerer pastoraler Räume ermutigte Bischof Kohlgraf, darin die Chancen zu ergreifen: Die geistige Heimat werde ausgeweitet - und damit die Möglichkeiten. Als Kirche sollten wir nicht warten, dass Menschen kommen, sondern uns fragen: Wo begegnen wir Menschen und bringen etwas ein?

Zur Heiligen Messe waren Christen aus dem ganzen Dekanat versammelt. Bischof Kohlgraf betonte Kernpunkte christlichen Glaubens: In der Glaubensweitergabe gehe es um Erfahrung und Beziehung - Christus möchte in uns sein wie Christus im Vater ist; eine Beziehung, die uns trägt im Leben und über den Tod hinaus. Wenn diese Beziehung uns erfüllt und unser Leben durchdringt, können wir daraus diese Welt mitgestalten. Unserem konkreten Nächsten können wir aufgrund der eigenen Erfahrung das Angenommensein und die Liebe vermitteln.

Am Abend stellten ehrenamtlich Engagierte aller Gemeinden des Dekanates ihre Schwerpunkte, brennenden Themen und Fragen vor.

Die Impulse zur pastorale Ausrichtung im Bistum Mainz könnten zusammengefasst lauten: Von einer Komm-her-Kirche zu einer Geh-hin-Kirche, oder dem Titel des Buches von Peter Kohlgraf entsprechend: Nur eine dienende Kirche dient der Welt.

Zum Dekanat Dreieich mit 33.151 Katholiken (ca. 21% der Bevölkerung) gehören die Pfarrgemeinde Dietzenbach und die Pfarreienverbünde Neu-Isenburg, Stadt Dreieich und Langen/Egelsbach. Die Prägung reicht von traditionell bis interkulturell (Dietzenbach). Dekan ist Erik Wehner, Dekanatsreferent Johannes Geldermann.