Schmuckband Kreuzgang

Worauf ich schaue

Eine Art Erntedank

Apfel - nicht perfekt (c) Bistum Mainz
Apfel - nicht perfekt
Datum:
Do 1. Okt 2020
Von:
Eva Reuter

Seit einigen Jahren mache ich immer wieder eine Übung. Wenn mich etwas nervt, ich mich über etwas ärgere, versuche ich bewusst, den Blick zu ändern. Ich mache mir bewusst, worauf ich schaue: ...

  • Auf dem Heimweg bin ich in den Regen gekommen – Mist alles nass!
  • Endlich treffe ich mal wieder eine Freundin auf einen Kaffee – Der Kaffee schmeckt grauenhaft.
  • Mein Mann hat den Einkauf übernommen – Brot hat er nicht mitgebracht.

Worauf ich schaue ist oft geprägt, vom Anspruch nach Perfektheit, nach reibungslosen Abläufen, nach 100%. Dabei muss es nicht perfekt sein, um gut zu sein. Das versuche ich mir immer wieder bewusst zu machen. Ich trainiere meinen Blick auf die andere Seit zu lenken:

  • Gut für die Natur, dass es regnet.
  • Das Gespräch war so schön.
  • Ich liebe meinen hilfsbereiten Mann!

Die Kampagne für „Krumme Dinger“, die auch „nicht normgerechtes“ Obst und Gemüse als wertvoll in den Fokus rückt, ist auch so eine Blick-Veränderung. Der Apfel hat nicht weniger Vitamine, weil die Schale fleckig ist. Die Gurke ist saftig - auch wenn sie krumm ist. Lecker ist es auch noch!

Und wie bei allem, setzt irgendwann der Trainingseffekt ein. Es gelingt mir viel schneller, das Gute zu sehen. Ich bin gut darin geworden, auch bei größeren Ärgernissen den Fokus auf das zu lenken, was gut gelaufen ist oder sich positiv entwickelt.

Ich feiere also immer wieder mal „Erntedank“: Ich bin dankbar für das Gute in meinem Leben, was mir zuwächst. Ich danke Gott für die kleinen Banalitäten im Alltag: ein freundliches Wort, ein nicht verpasster Bus, ein gutes Essen. Und ich versuche etwas von meiner „Ernte“ zu teilen: Ich erzähle von schönen Erlebnissen, verteile gute Worte und übe fleißig weiter, den Blick bewusst zu lenken.

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