Schmuckband Kreuzgang

Der milde September – Harry Belafonte – und der Engel der Güte

Tagesimpuls von Dr. Peter A. Schult, Arzt und Psychotherapeut

Mildes Herbstlicht (c) Pixabay.com
Mildes Herbstlicht
Datum:
Mi 2. Sep 2020
Von:
Dr. Peter A. Schult
... nur ein tröstlicher Gedanke im Alltag

Heute ist er 93 Jahre alt. Seine Lieder reisen immer noch um die ganze Welt. Die Rede ist von Harry Belafonte. Geboren 1927 in Harlem – ein unsanfter Stadtteil von New York. Sozialer Brennpunkt. Eines seiner melancholischsten Lieder: Try to remember – the kind of September. In diesen Tagen klingt es in meinen Ohren erneut. Eine gesungene Lyrik, die an das milde Herbstlicht erinnert und an die Sanftheit und Milde des Alters und der Natur: „Versuch dich an die frühen September zu erinnern, als das Leben besinnlich war und auch so sanft ... als du ein junger und rauer Mensch warst“. Try to remember! Erinnere dich! Und später heißt es in dem Lied: „... wenn die Erinnerung kommt, dann folge ihr ...“ . – „Erinnern heißt auswählen“, sagen die Therapeuten. Und die Japaner pflegen ein Sprichwort: „Gute Erinnerungen tragen das Leben“. Aber können Sie sich erinnern? Gelingt es Ihnen, Ihre persönlichen  Erinnerungen im milden (!) Herbstlicht leuchten zu lassen? Ein gesunder Prozess, wenn es uns gelingt.

Übrigens, das mittelalterliche Wort „milde“ kommt von mahlen. Mild heißt also „zermahlen, fein, weich, sanft“. Milde und Sanftheit setzen den Prozess des Gemahlen-Werdens voraus. Die milden Alten sind durch die Mühle des Lebens zermahlen worden. Sie können für ihre Familien ein Segen sein. Wir brauchen sie. Auch jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie, weil sie oft schon „zermahlt“ wurden. Die Corona-Krise ist geradezu eine solche Mühle des Lebens. Da bleiben Erinnerungen an die früheren Zeiten nicht aus. Viele sonnige Tage liegen hinter uns. „Wenn die Erinnerung kommt, dann folge ihr“, singt Belafonte. Ein Weichspüler ist er nicht. Aktivist, Bürgerrechtler und Unicef-Botschafter. Er sucht die Veränderung; will das Sanfte, nicht die Macht und den Profit. Schon Jesus Christus fordert mit seinen milden Augen mehr Barmherzigkeit und Güte. Da ist es gut, wenn uns der Engel der Milde und Sanftheit begegnet, am Besten auch in Menschen selbst. Diese Menschen tun uns gut. Gut tun uns auch die religiösen Erinnerungen und Texte: „Wo die Liebe und die Güte, da ist Gott“.

Hoffentlich haben wir diese Erfahrungen gemacht, vielleicht auch in unseren eigenen Kirchengemeinden. Wir benötigen Erinnerung. Try to remember. Dann können wir lernen unser Leben in das sanfte und milde Licht des Herbstes zu tauchen und mit zu summen: „try to rember, the kind of September“! – Übrigens Belafonte heißt übersetzt: „Gute Quelle“. Lieber Harry, bleib uns noch erhalten!

Tagesimpulse

Viele Gruppen, Treffen, Zusammenkünfte in unseren Gemeinden, in denen wir uns normalerweise auch über den Glauben austauschen und gegenseitig bestärken, fallen im Moment aus oder können nicht in gewohnter Weise stattfinden. Können wir uns in anderer Weise gegenseitig Ermutigung zusprechen?

Während der Corona-Krise wird an dieser Stelle in der Regel immer wieder – im Moment in der Regel wöchentlich, an jedem Mittwoch – ein kleiner Impuls gepostet: eine Botschaft, oft angelehnt an die Tageslesung oder das Tagesevangelium, dazu ein paar Impulsfragen, ein Hinweis auf ein Lied, eine kurze Bildmeditation oder ähnliches.

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um Kraft zu tanken und den eigenen Glauben zu stärken! Gerne dürfen Sie die Impulse auch weiter teilen.

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