Freiheit und Verantwortung

André Witte-Karp, Ev. Pfarrer in Friedberg und stellv. Dekan

Witte-KarpAWK_2019 (c) Ev. Dekanat
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Sa 18. Mai 2019
André Witte-Karp, Ev. Pfarrer in Friedberg und stellv. Dekan

In dieser Woche wird unser Grundgesetz 70 Jahre alt.

. Am 23. Mai 1949 wurde es feierlich verkündet. Es war als provisorische Verfassung für die neue Bundesrepublik Deutschland gedacht. Viele haben wohl daran gezweifelt, dass aus den Trümmern wirklich ein demokratischer Staat entstehen könnte. Und wer hätte damals gedacht, dass wir auch nach 70 Jahren das Gundgesetz als Gerüst unserer Demokratie feiern würden?

Dieses Gerüst gilt es immer wieder mit Leben zu füllen. „Unser freiheitlicher, säkularisierter Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“, lautet dazu ein berühmter Satz von Ernst-Wolfgang Böckenförde. Er war Verfassungsrechtler, später selbst Bundesverfassungsrichter und bekennender Katholik. Vor wenigen Wochen ist er gestorben. Der Satz besagt: Unsere freiheitliche Ordnung ist angewiesen auf einen Grundkonsens, der sie trägt, der sich aber nicht verordnen lässt. Dieses große Wagnis muss ein demokratischer Staat eingehen, um der Freiheit willen!

So gilt auch heute: Die Voraussetzungen unserer Demokratie liegen am Ende nicht in der Verantwortung des Staates, sie liegen in unserer aller Verantwortung.

Nach der Wiedervereinigung wurde ein Artikel zu Europa neu in das Grundgesetz aufgenommen. Er schreibt die europäische Verankerung unseres Landes fest und die Werte des Zusammenlebens in Europa. Eine gute Gelegenheit, sich im Sinne unserer Verantwortung für Menschenwürde und Grundrechte, Demokratie und Recht, Gemeinwohl und Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden einzusetzen kommt schon am nächsten Sonntag: Dann ist Europawahl!