Warum Domjubiläum?

Stichworte von Karl Kardinal Lehmann zur Pressekonferenz (01.12.08) anlässlich der Ankündigung des 1000-jährigen Jubiläums des Willigis-Domes in Mainz (2009)

Wenn etwas noch so alt und denkwürdig ist, müssen wir uns immer wieder in jeder Generation unsere Geschichte und ihre wichtigsten Zeugnisse aneignen. Jubiläen und Gedenktage sind gerade auch heute ein wichtiges Mittel, um dafür Anstöße zu geben.

Für den Dom in Mainz haben wir mehrere Daten. Aber eines steht ganz unumstößlich fest: Am 29./30. August des Jahres 1009 ist der von Erzbischof Willigis erbaute Dom kurz vor oder nach der Weihe - wir wissen es nicht ganz genau - einem verheerenden Brand zum Opfer gefallen. So etwas war damals und auch später nicht ungewöhnlich. Darum haben wir über die Jahrhunderte hinweg manche Zeugnisse von Brandkatastrophen und Blitzschlägen, auch von kriegerisch bedingter Zerstörung.

Deshalb muss man sich auch klar machen, dass die zeitlichen Abläufe und darum auch die damaligen Daten nicht selten unsicher und mehrdeutig sind. So kommt es, dass man in Mainz im Jahr 1975 bereits eine Tausendjahrfeier begangen hat. Heute ist es nicht mehr so sicher, dass Erzbischof Willigis sofort nach Dienstantritt (975) den Bau des Doms begonnen hat. Wir blicken zugleich auf das Jahr 1036, wo Erzbischof Bardo die Wiederherstellung des 1009 abgebrannten Domes mit der Weihe gekrönt hat. Man muss also diesen Dreiklang 975 (oder eben auch später gegen 1000), 1009 und 1036 vor Augen haben. Mit 1009 sind wir aber auf sicherstem Boden. Wir feiern im Übrigen im Jahr 2011 den 1000. Todestag von Erzbischof Willigis. Wir wollen dieses Datum in unsere Planungen einbeziehen.

Der Dombau hatte damals eine große Bedeutung. Erzbischof Willigis hat bewusst auf einem neuen Platz, auch wenn die Gegend sumpfig war, einen in den Größenverhältnissen riesigen Dom errichtet, der dem Rang des Erzbistums Mainz und seiner eigenen Stellung mächtigen Ausdruck geben sollte. Nicht zufällig hat man sich in manchem an das Muster von St. Peter in Rom gehalten. Erzbischof Willigis ließ sich von Rom das Recht geben, dass er bei wichtigen Amtshandlungen, wie z.B. bei Krönungen der Kaiser, allein berechtigt ist, den Papst zu vertreten. Dies alles kommt in der Größenordnung und in der Ausstattung des Domes damals und heute noch eindrucksvoll zur Darstellung. Deshalb war der Mainzer Dom auch in vieler Hinsicht ein Vorbild für den Dombau, z.B. in Worms und Speyer, aber auch in Augsburg und Regensburg.

Ein Dom ist eine beständige Baustelle, nicht nur der Instandsetzung und Reparatur wegen, sondern an ihm bauen auch die Jahrhunderte mit allen Generationen: von der Frühromanik über die Gotik, Barock und Rokoko bis hin zum Historismus und ganz bis in unsere Gegenwart hinein (vgl. die Ausstattung der Sakramentskapelle 2007).

Dies hat zur Konsequenz, dass wir im Dom nicht nur ein Denkmal der Vergangenheit feiern, sondern der Dom ist über die Jahrhunderte hinweg in ganz besonderer Weise zuerst ein Haus Gottes und des Gebetes gewesen und ist es noch. Darin liegt seine Kontinuität. Darum hat man immer wieder so viele Anstrengungen gemacht, darum gibt es über die Jahrhunderte ein Domkapitel mit der besonderen Sorge für den Dom als Gotteshaus. Dieser Gesichtspunkt ist uns sehr wichtig. Eine lebendige und in der Gegenwart lebende sowie wirkende Kirche feiert ihren Dom, der ganz gewiss auch noch eine große Bedeutung hat für die Geschichte und die Kultur unserer Stadt und unseres Landes. Schließlich war Mainz über 1000 Jahre lang das größte Erzbistum. Groß war es weniger wegen des eigenen Territoriums, sondern weil zum Erzbistum 15 Bistümer gehörten, die dem Erzbischof, der damals einen viel größeren Einfluss hatte als heute, unterstellt waren: von Chur im Süden bis Verden an der Aller im Norden und Prag im Osten.

Unter dem Leitwort „Denn der Tempel Gottes ist heilig - und das seid ihr" aus dem ersten Korintherbrief des hl. Paulus (3,17) wollen wir vor allem die spirituelle Bedeutung des Domes in unserer Gegenwart und für den christlichen Glauben hervorheben. Deshalb haben wir ein reiches Programm, aus dem schon jetzt in der etwas vorläufigen Gestalt ersichtlich wird, wie viele Gemeinden und Gemeinschaften, Berufe und Verbände, Schulen und Gruppen ein Jahr lang mitfeiern und dieses Jubiläum mitgestalten. Eine Briefmarke, die das Bundesfinanzministerium im August ausgibt, wird in unserem Land an das Jubiläum erinnern und ich bin ganz besonders unseren hier anwesenden Medienpartnern dankbar, dass sie uns bei diesem Jubiläum in hervorragender Weise unterstützen. Mit ihrer Hilfe wollen wir die Bedeutung des Domes damals und heute weit über die Kirche hinaus bekannt machen. Aber auch viele Vorträge bereichern die Kenntnis des Domes. Es wird nicht an der Mitwirkung vieler Künste fehlen: angefangen von der vielfältigen Musik am Dom selbst über ein Sprechtheater, eine Dichterlesung bis hin zu feierlichen Gottesdiensten. Dies soll aber auch zu einer Intensivierung und Stärkung unseres pastoralen und caritativen Einsatzes für die Menschen von heute werden.

Darüber werden aber nun unsere Medienpartner, die ich sehr herzlich begrüße, Genaueres sagen. Herr Generalvikar Prälat Dietmar Giebelmann und Herr Domdekan Prälat Heinz Heckwolf stehen Ihnen anschließend gerne für Ihre Fragen zur Verfügung. Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und bitte um Ihre wohlwollende Aufmerksamkeit im Jubiläumsjahr.