Herz ist Trumpf!

Liebe Freundinnen und Freunde des Jakobsberges!

Betende Mönche (c) Kloster Jakobsberg
Betende Mönche
Datum:
Di. 24. März 2020
Von:
P. Rhabanus Petri OSB

Heute möchte ich allen, die sich uns verbunden fühlen, einen herzlichen Gruß senden. Ich tue dies auch im Namen meiner Mitbrüder und Mitschwestern.

Mittlerweile ist es auch bei uns sehr ruhig geworden. Vor acht Tagen verließen die letzten Gäste den Jakobsberg. Seitdem sind unsere Häuser geschlossen und auch die Kirche ist zu; lediglich der Vorraum zur Kirche ist offen, damit jeweils nur eine einzelne Person dort beten und eine Kerze bei den 14 hl. Nothelfern entzünden kann.

Als betende Gemeinschaft finden wir uns zum Stundengebet und zur Feier der Eucharistie in der Kirche ein, sitzen aber weit verstreut. Ja, es ist eine bisher nicht dagewesene Situation, die auch eine ganz eigene Atmosphäre schafft.

Diese Zeit bedeutet für uns alle ein besonderer Einschnitt. Nicht zuletzt auch für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ich an dieser Stelle mit ihren Familien sehr herzlich grüße. Es gibt bei uns allen viele Fragen, es gibt das Ge-fühl der Verunsicherung und manchmal auch Angst: Wie wird es weitergehen? Ist bald ein Ende der Pandemie in Sicht? Werde vielleicht auch ich krank wer-den? Gewiss, es sind viele Fragen, die uns umtreiben und bewegen.

Ich möchte Sie ermutigen: Bleiben sie mit ihren Fragen und Sorgen nicht alleine. Sprechen sie mit einem Menschen ihres Vertrauens, auch wenn es von Angesicht zu Angesicht nicht möglich ist. Aber es gibt ja heute noch andere Wege der Kommunikation. Achten sie auch sich. Achten sie aber bitte auch auf die Menschen in ihrer Umgebung, die vielleicht Hilfe brauchen, ein gutes Wort, ein Zeichen der Verbundenheit. Gerade heute ist es von großer Bedeutung, dass wir aufeinander achten. Das ist Herzenssache!

Und seien sie kreativ, wenn es darum geht, Licht ins Leben ihrer Mitmenschen zu bringen. Ein Lächeln auf die Lippen ihrer Nächsten zu zaubern und sie damit spüren zu lassen: Ich werde wahrgenommen. Menschen wenden sich mir zu. Vielleicht rufen sie einmal einen alleinstehenden Menschen an und fragen ihn, wie es ihm geht. Oder sie schreiben ein paar Zeilen und bringen damit zum Ausdruck: Ich vergesse dich nicht!

Gerade jetzt soll gelten, was wir vom Kartenspielen kennen: Herz ist Trumpf!

Und damit Herz Trumpf sein kann, beten wir hier auf dem Jakobsberg für sie alle mit. Wir schließen sie ein in die Feier der Eucharistie und erbitten für sie alle Gottes Segen, damit SEIN Licht in ihren Herzen brenne, damit sie trotz aller Sorgen und Nöte nicht verzagen, sondern immer wieder Freude erfahren dür-fen und Menschen sie spüren lassen: Es ist gut, dass es dich gibt.

Gewiss hat sich niemand diese Krise gewünscht. Aber sie kann uns zeigen, wenn wir achtsam sind, wovon wir Menschen letztlich leben, was unser Herz nährt und stärkt und was unserem Leben Sinn und Tiefe verleiht.

Auch wenn wir in diesen Wochen viele Einschränkungen zum eigenen Schutz und zum Schutz unserer Mitmenschen akzeptieren müssen – wir lassen uns nicht entmutigen. Wir stehen zusammen und bieten der Realität die Stirn – besonnen und beherzt.

Und so wünsche ich ihnen allen – auch im Namen meiner Mitbrüder und Mitschwestern – Gottes reichen Segen, viel Hoffnung und Zuversicht und immer wieder einen Grund zur Freude und zur Dankbarkeit.

Herzliche Grüße vom Jakobsberg

Ihr

P. Rhabanus