Hinweise zum Ramadan

In diesem Jahr, 2012, hat der Ramadan am 20. Juli begonnen. Im Anschluss daran findet das Fest des Fastenbrechens vom 19. August an statt. Diese Daten sind errechnet und werden durch die Beobachtung des Neumondes verifiziert. (vgl. islam.de)

Kurzinformation

  • Ramadan ist der Name des neunten Monats im islamischen Kalender.

    Es ist nach den Anweisungen des Koran und dem Vorbild des Propheten des Islam traditionell der Fastenmonat. (Vgl. Koran 2, 183-185)

  • In diesem Monat, in der 27. Nacht, der sog. Nacht der Bestimmung (vgl. Sure 97), ist nach islamischer Überlieferung Muhammad der Koran durch den Engel Gabriel übermittelt worden.

  • Diese beiden Aspekte, das Fasten und die Rezitation des Koran, prägen den ganzen Monat.

  • Ausführlicher und mit persönlichen Eindrücken illustriert nachzulesen bei:
    Angela Gründert: Himmlische Geschenke: Feste und Feiern im Islam. 2003, Herder spektrum 5348

 Tipps für den interreligiösen Dialog im Ramadan:

  • Muslime fühlen sich oft auch in Deutschland nicht von der Pflicht des Fastens dispensiert, obwohl hier die Gesellschaft kaum Rücksicht nehmen kann. Die Umgebung fastet nicht, will abends nicht durch lange Feiern gestört werden und hat kein Verständnis für die Parkplatzsuchenden vor den Moscheen.

  • Muslime sind im Ramadan überwiegend damit beschäftigt, ihren religiösen und gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Daher sind Terminvereinbarungen in diesem Monat schwierig.

  • Einladungen zum Fastenbrechen während des Ramadan sind für den Geladenen eine Ehre, für den Nichtmuslim eine wunderbare Erfahrung, für den Partner im Dialog eine Gelegenheit sein Anliegen auch in einem Grußwort zum Ausdruck zu bringen und für den Gastgeber die Chance eine löbliche Tat zu vollbringen. Kurz: Nehmen Sie, wenn es die Termine erlauben, die Einladung an!

  • Bei Terminen mit Muslimen im Ramadan empfiehlt es sich für den nichtmuslimischen Gastgeber aus Höflichkeit und Respekt vor der Pflicht des Fastenden über die Bereitstellung von Getränken für alle zu sprechen. Nichtmuslime unterliegen der Verpflichtung nicht und dürfen die Gastfreundschaft durchaus erwarten. Die Offenheit und das Argument finden in den meisten Fällen das Verständnis der anwesenden Muslime.

 Gratulation zum Fest des Fastenbrechens

  • Vergewissern Sie sich, ob Sie Muslimen gratulieren wollen, die auch wirklich das Fastenbrechen begehen. Alevitische Muslime z.B. kennen andere Fastenzeiten.

  • Das Vorverständnis der Christen, das sich aus Vergleichen mit eigenen Fastenzeiten vor großen Festen speist, verleitet dazu, den Ramadan als Vorbereitungszeit auf das Fest des Fastenbrechens zu verstehen. Aber schon der Name sagt, dass an diesem Fest gefeiert wird, dass das Fasten vorüber ist. Der Ramadan ist die Zeit mit besonderer Gewichtung. Das Fest bringt die Freude über die Bewährung in der Erfüllung einer religiösen Pflicht zum Ausdruck, es hat keinen eigenen theologischen Inhalt.

  • Gratulationen zum Fest können in schriftlicher und mündlicher Form erfolgen. Schriftlich erhalten sie in den Augen der Empfänger größere Würde und Bedeutung, verlieren aber in der Moscheegemeinde die Breitenwirkung. Mündlich ist der Zeitpunkt des Erscheinens in der Gemeinde und noch viel mehr bei Einzelpersonen am besten vorher abzusprechen.

Schriftliche Gratulation

  • Die Grußkarte entspricht islamischem Empfinden besonders dann, wenn sich die Ornamente auf florale und geometrische Muster beschränken. (Vgl. auch zur Bestellung: www.Orient-Papeterie.de)

  • Es hat sich schon bewährt, dass die Einrichtung, die meist die ersten Kontakte mit Muslimen aufnimmt, nämlich der Kindergarten, den Eltern und den islamischen Gemeinden gratuliert. Dann malen die Kinder z.B. den Mandala ähnliche Motive auf die Karten und übergeben sie den Familien im Vorfeld des Festes.

  • Die Gelegenheit ist jetzt günstig, wenn Pfarrteam oder Pfarrgemeinderat den Kontakt mit der islamischen Gemeinde aufnehmen möchten. Je nach schon bestehender Nähe zueinander kann eine Karte geschickt oder ein Besuch angemeldet werden.

  • Mögliche Anreden sind die üblichen des Briefwechsels oder z.B.: Liebe Schwestern und Brüder im Glauben an den Einen Gott!

  • Der Grußtext der arabischen Karten lautet normalerweise: „Ein gesegnetes Fest“ (´id mubarak).

  • Die vatikanischen Botschaften enden je nach Präsident anders, hier Kardinal Tauran wie folgt:

    "Ich erneuere, liebe muslimische Freunde, meine herzlichen Wünsche zu Ihrem Fest und bitte den Gott des Friedens und der Barmherzigkeit, Ihnen allen gute Gesundheit, inneren Frieden und Wohlergehen zu schenken. "(2007)

    "Liebe Freunde, jetzt, da Ihr Fasten zu Ende geht und Sie durch die Ihrer Religion teuren Praktiken gereinigt und erneuert sind, mögen Sie mit Ihren Familien und denen, die Ihnen lieb sind, ein glückliches und erfolgreiches Leben erfahren! Der allmächtige Gott erfülle alle mit seiner Barmherzigkeit und seinem Frieden." (2008)

  • Für (speziell jüngere) Privatpersonen bieten verschiedene Internetseiten den Service von e-cards. Bei Google „islamische grußkarten“ einzugeben führt zum Erfolg.

Ich wünsche allen Lesern dieser Hinweise Gottes Segen und den muslimischen Lesern außerdem Schatten und Kühle in diesem sommerlichen Ramadan.

Ich gratuliere Ihnen herzlich zum Fest.

Dr. Barbara Huber-Rudolf