Der "Garten der Begegnung"

Die Frauen der türkisch-islamischen Gemeinde, der Ahmadiyya-Muslim-Bewegung und der beiden katholischen Gemeinden in Dreieich-Sprendlingen konzipierten mit fachlicher Unterstützung eines Landschaftsplaners ihren "Garten der Begegnung".

  • Der Grundriss sieht aus wie ein Fisch, den eine große Welle umgibt.- Im Eingangsbereich zeichnet sich ein breitbeinig stehender Mensch ab, der die Arme in der Haltung des Oranten nach oben öffnet.
  • Sein Kopf wird durch ein Jahreszeitenbeet gebildet.
  • Vom Hauptweg weichen sieben Trittsteine nach rechts und links ab.
  • Sie führen im Norden zu einer Erfrischung spendenden Quelle, dem Tee-Kösk, im Süden zum reinigenden Wasser, dem Teich.
  • Unter dem Baum, dessen Krone Schatten spendet, findet sich die Sitzgelegenheit.
  • Sozusagen wie im Bauch des Fisches sitzen die Besucher im Garten.

Der Koran (K 37, 139 ff) und die Bibel kennen die Erzählung über Jona, den Propheten, der sich seiner Aufgabe verweigert, vor Gottes Auftrag auf ein Schiff flieht, von Bord gestoßen wird und im Bauch des Fisches landet. Dort beginnt er sich zu besinnen. Der Koran läßt ihn ausdrücklich die Größe Gottes preisen. Da gewährt ihm Gott die Gnade an einem Ort an Land geworfen zu werden, wo er seine Aufgabe, die Menschen zur Einsicht und Umkehr zu rufen und Gott zu verkünden, erfüllen kann.

Dieser Jonas erinnert an unsere eigene Verzagtheit, die Tugend der Geduld, das Vertrauen in Gott und den Mut, sich der übertragenen Aufgabe zu stellen.

Der so sicher und breitbeinig betende Mensch ist ein Sinnbild, das die Mystik unserer Religionen gerne verwendet. Fest im Diesseits verwurzelt reckt sich der Beter Gott entgegen und nimmt dessen Gegenwart in die offenen Arme.

Das Jahreszeitenbeet mahnt die Ungeduldigen, sich an der Schönheit des gerade zu lebenden Augenblicks zu freuen. Die Runde des Beetes liegt der quadratischen Sitzgruppe gegenüber. Rund ist ein Sinnbild für ewig und die Unendlichkeit Gottes. Quadratisch läßt uns an die Welt mit ihren vier Himmelsrichtungen denken.

Sieben Trittsteine lassen uns an die Bedeutung der Zahl 7 in unseren Religionen denken. Sieben Stufen des Paradieses kennt der Islam und sieben Sakramente das katholische Christentum. Sie führen zum Wasser des Lebens, das reinigt und den Durst stillt.

Die Bepflanzung der Welle wird sich an den Gegebenheiten und den Anregungen aus Bibel und Koran orientieren. Sie soll möglichst alle Sinne ansprechen: Rosen und Lavendel empfangen die Eintretenden mit ihrem Duft, Weintrauben und die vollgepackte Kräuterspirale laden zum Schmecken und Naschen ein. In den Büschen und Bäumen werden Vögel nisten und zwitschern. Ein Barfußweg will erspürt werden, zu sehen gibt es an jeder Ecke etwas anderes...

Dieser Garten soll die Menschen anregen, sich, einander und Gott zu begegnen.
Aus der gemeinsamen Erfahrung und der Meditation in diesem Garten sollen sie sich in die Welt hinauswagen, wie sich der Prophet Jona aus dem Fisch in die Stadt Ninive wagte.