Zu den Wurzeln

Gepilgert wird seit Adam und Eva

So 15. Mär 2015
Johannes Becher

„Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde." So spricht Gott im Buch Genesis zum Stammvater Abraham. Bis heute ist die Gemeinde der Glaubenden „ein pilgerndes Gottesvolk".

Seit Adam und Eva ihre Heimat im Gottesgarten Eden für einen Apfel aufs Spiel setzten, sind die Menschen unterwegs. Auf der Suche nach ihrer geistigen Heimat. Auf der Suche nach Gott. Die Frommen bauten ihm Altäre, um Orte zu haben, wo sie ihren Schöpfer gnädig stimmen. Ihm nahe sind.

Und auch, wenn sich das Volk Israel erinnert an den Vater, der „ein heimatloser Aramäer" war (Deuteronomium 26,5), ist da in den Zeiten des Exils und der Wüstenwanderung immer die Zusage von Gottes Treue: „Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe." (Genesis 28,15) Und so ist das Alte Testament voller Zeugnisse dieser vertrauensvollen Gottsuche.

Die Pilgerlieder der Psalmen sprechen von der Sehnsucht, heimzukommen ins Haus des Herrn. Auf den Zion. Nach Jerusalem. Die jährlichen Pilgerreisen zum Tempel sind auch ins Neue Testament gezogen. Jesus, der Jude, wallfahrt zum Tempel in Jerusalem. „Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?" (Lukas 2) Das Christentum bleibt ein Glauben auf dem Weg. Jesus zieht umher und predigt, nennt sich selbst den „Weg", er sendet seine Jünger aus, damit sie in alle Welt gehen und seine Botschaft verkünden. Sein Jünger Paulus unternimmt Missionsreisen bis nach Rom, Apostel werden in Indien und Spanien bezeugt.


Die Anziehungskraft Jerusalems

Wo hat unser Jesus gelebt, wo ist er geboren, wo hat er gepredigt, ist er gestorben?Als das Christentum im Jahre 380 (unter Kaiser Theodosoius) Staatsreligion im römischen Reich wird, beginnt eine neue Zeit des Pilgerns. Zurück zu den Wurzeln. Zu den Quellen des Glaubens. Auf nach Jerusalem! Von der Mutter Kaiser Konstantins, Helena, geht die Kunde, sie sei ins Heilige Land gepilgert. Das Kreuz von Golgota soll sie gefunden haben. Der Bericht der Ordensfrau Egeria gibt im vierten Jahrhundert ein Zeugnis über die magische Anziehungskraft Jerusalems. Die ist über die Jahrhunderte geblieben. Die Kreuzzüge werden zu „Pilgerfahrten" gedeutet, weil man die heiligen Stätten von den Ungläubigen befreien will.


Die Suche geht auch in einer globalen Welt weiter

Bereits im frühen Mittelalter suchen die Christen dann auch andere Heiltümer auf. Die Gräber der Blutzeugen, der Propheten ihrer Tage, der Heiligen ihrer Nation. Olav in Trondheim, Birgitta in Schweden, die Schwarze Madonna in Tschenstochau...

Und heute? In einer globalen Welt mit Netzwerken und Freunden, die man am Computer trifft, geht das Suchen weiter. Pilgern als Fahnden nach Gott. Auf Jakobswegen und in Taizé, bei Weltjugendtagen und in Lourdes. Und immer noch: in Jerusalem. Die Kirche und ihre Jünger bleiben ein „Volk Gottes auf dem Weg".

Dieser Text stammt - mit freundlicher Genehmigung - aus der Sonderbeilage "Zu dir oder zu mir? - Extra Pilgern" der Mainzer Kirchenzeitung "Glaube und Leben".