Schmuckband Kreuzgang

Alles wird gut! - Zusage oder Zumutung?!?

Datum:
Mo. 15. März 2021
Von:
Dr. Bernhard Deister
Aus der Tageslesung
Das Buch Jesaja ist in einer Zeit der Katastrophe entstanden: Vertreibung, Exil, Unterdrückung. Und in diese Krisenzeit hinein schenkt Gott eine geradezu verrückte Zusage:
„Seht, ich erschaffe einen neuen Himmel und eine neue Erde. Man wird nicht mehr an das Frühere denken, es kommt niemand mehr in den Sinn.
Nein, ihr sollt euch ohne Ende freuen und jubeln über das, was ich erschaffe. Denn ich mache aus Jerusalem Jubel und aus seinen Einwohnern Freude. Ich will über Jerusalem jubeln und mich freuen über mein Volk. Nie mehr hört man dort lautes Weinen und lautes Klagen.“  (Jes 65,17-19)

Anregung
Wie schön wäre das – kein Weinen, kein Klagen, Jubel und Freude bei allen… Nach einem Jahr der Coronakrise und Kontaktbeschränkungen, mitten im bangen Warten, ob die Impfungen schneller sind als die s.g. dritte Welle, hören wir Gottes Zuspruch durch Jesaja: einen neuen Himmel und eine neue Erde – frei von Klimakatastrophe und Pandemie, von Unterdrückung, Terror und Krieg…
Wie schön wäre das – aber ist es überhaupt realistisch? Ist Gott denn wirklich einer, der eingreift, der mitwirkt, dass alles gut wird? Oder schaut Er höchstens zu und lässt laufen… Viele Menschen finden Ihn schon lange nicht mehr – weder in der Kirche noch in der Weltgeschichte. Wie damals in Israel – als angesichts der Katastrophe der Vertreibung aus dem Heiligen Land auch viele nicht mehr an Gottes Dasein und Seine Hilfe glauben konnten und wollten.
Verheißungen sind immer beides: Zusage und Zumutung! Sie weiten unseren Blick über das Unmittelbar gegebene Geschehen hinaus. Sie erinnern uns daran, dass viele Menschen die Erfahrung gemacht haben, dass da einer mit uns geht und dass Leid und Tod und die Gebrochenheit dieser Welt nicht das letzte Wort haben. Zugleich muten sie uns zu, dass es immer ein Hoffen auf eine bessere Zukunft ist, dass wir noch nicht im neuen Himmel und der neuen Erde angekommen sind, dass die Sehnsucht danach wehtun und uns überfordern kann.

Mich besinnen
  • Was lösen die Verheißungsbilder vom „neuen Himmel und der neuen Erde“ in mir aus – habe ich innere Phantasien von dieser neuen Zeit, in der sich alle ohne Ende freuen?
  • Wie wirkt auf mich die Zusage, dass es kein Weinen und kein lautes Klagen mehr geben wird, angesichts der fast 75.000 an oder mit Corona Verstorbenen allein in Deutschland?
  • Was kann und will ich an Schmerzvollem, Leidvollem, an Verletzungen und Totem hinter mir lassen, um neue Freude zu finden?

Impuls
Schreiben Sie auf ein Blatt Papier, worunter Sie gerade in diesen Tagen leiden, was für Sie zu „Weinen und Klagen“ führt. Gott schenkt Ihnen die Zumutung und Zusage, dass ER all dies verwandeln kann und will. Wenn es geht, zerreißen oder verbrennen Sie das Blatt und beten Sie dazu ein Vater unser – dass ER Ihnen schenkt, was Sie gerade brauchen, um neu zur Freude zu finden.

Nachklingen lassen
Dunkelheit bedeckt alle Völer der Welt - auf Jerusalem werde Licht!