Schmuckband Kreuzgang

Meine Augen haben das Heil gesehen

Datum:
So. 27. Dez. 2020
Von:
Martina Patenge
Aus dem Tagesevangelium
Als die Eltern den neugeborenen Jesus in den Tempel bringen, um ihn dort vorzustellen, treffen sie Simeon und Hannah: Zwei alte fromme Menschen, die viel Zeit mit Beten im Tempel verbringen. Zwei, die sehr an die Geburt des Messias glauben und darauf warten. Zwei mit prophetischen Begabungen. Simeon „nahm das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: …meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.“…(Lk 2,28.30-32)
Hanna „trat hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.“ (Lk 2,38)
Und so geschieht es – zunächst: „Das Kind wuchs heran, wurde stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.“ (Lk 2,40)
Anregung
In den Märchen sind es oft Feen, die einem Neugeborenen Gutes (oder auch Schlechtes) verheißen. Ihre Macht wirkt sich auf das gesamte Leben eines Menschenkindes aus. Solche Märchenbilder greifen die Sorge auf, die frischgebackene Eltern von jeher hatten und auch heute noch haben: Da gibt es den Zauber des Anfangs, und gleichzeitig ist man erschüttert von der Größe dieses Anfangs. Zu erkennen, wie hilflos das Baby ist, wie sehr abhängig von sehr viel Liebe und Fürsorge, und wie offen und unbekannt dessen Zukunft. Das sind Momente, die auch ein wenig überfordern können. Deshalb gibt es in allen Religionen und Kulturen stärkende und stützende Rituale am Anfang eines Menschenlebens.
Auch für den neugeborenen Jesus gilt das. Auch seine Eltern kommen mit aller Unsicherheit und Freude in den Tempel zu den vorgeschriebenen Ritualen. Auch sie haben alle Hoffnungen in ihr Kind, und wissen doch nichts davon, was mal werden wird. Wie mag es ihnen ergangen sein, als die beiden Propheten Simeon und Hannah dem Kind eine solche große Zukunft voraussagen?
Sie werden vorbereitet auf eine ungewöhnliche Lebensgeschichte. Wir wissen, wie sie weitergegangen ist und bis heute weitergeht. Aber mit Simeon und Hannah werden wir noch einmal hineingezogen in den Anfang. Wir dürfen einen weiteren Blick auf das neugeborene Kind werfen, das so hilflos und zerbrechlich dem Leben und der Fürsorge seiner Umgebung ausgeliefert ist. Und in dem doch schon die ganze weitere Zukunft Gottes mit uns Menschen angelegt ist.
Zum Anhören, Mitsingen und Nachsinnen
Ich kann mich von den Worten Paul Gerhards mitnehmen lassen:
Ich steh an deiner Krippen hier (GL 256; Mel. 258)
oder mit der Melodie von Gotteslob 256
Impuls
Verweilen Sie wie Simeon und Hannah dabei, das Kind (in Ihrer Krippe, auf einer Weihnachtsdarstellung, vor Ihrem inneren Auge) voller Freude anzusehen – wie es Eltern und Angehörige mit ihren Babys tun. Lassen Sie alles zu, was Ihnen durch Herz und Sinn geht: „O dass mein Sinn ein Abgrund wär, und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!“
Zur Vertiefung
Predigt von Pfr. W. Mücksein zum Fest der Heiligen Familie:
Alles Leben ist Begegnung