Schmuckband Kreuzgang

Mittwoch nach Ostern: Beim Namen genannt

Suchen und gefunden werden

Maria von Magdala und der
Maria von Magdala und der "Gärtner"
Mi 15. Apr 2020
Dr. Bernhard Deister

Aus dem Tagesevangelium:

Maria von Magdala wollte Jesus die letzte Ehre erweisen – das ehren, was ihr von ihm geblieben ist. Doch das Grab ist offen und leer – der Leichnam, den sie suchte, verschwunden. Stattdessen Engel und plötzlich hinter ihr Jesus, den sie aber nicht erkennt.

"Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du? Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm: Herr, wenn du ihn weggebracht hast, sag mir, wohin du ihn gelegt hast. Dann will ich ihn holen. Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister. Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest.“ (Joh 20,15-17)

Anregung

Welch‘ Wechselbad der Gefühle: In Trauer einem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen wollen, IHN dann als Auferstandenen erkennen und dann gleich wieder loslassen zu müssen. Während die Jünger sprach- und verständnislos wieder nach Hause gehen (Joh 20,10) stellt sich Maria Magdalena dem Unfassbaren – sie sucht den, der nicht im Grab ist und wird von Jesus gefunden und angesprochen. Als er sie beim Namen nennt, erkennt sie ihn.

Auch wir müssen in diesen Tagen den Auferstanden ganz anders als erwartet suchen – statt in festlicher Liturgie in leeren Kirchen, statt in froher Runde in zugemuteter Stille allein daheim. Da können uns die Tränen kommen – und viele Fragen: Wo bist Du, Jesus, in diesen Tagen der Bedrohung und Pandemie? Wo bist Du in diesen Tagen ohne Eucharistie und gemeinsame Gottesdienste? Wo kann ich Dich suchen – und von Dir gefunden und beim Namen genannt werden, wie Maria Magdalena?!?

Mich besinnen

  • Wen/was suche und vermisse ich in diesen östlichen Tagen?
  • Wen oder was würde ich gerne festhalten –
    an wem oder was würde ich mich gerne festhalten?
  • Halte ich die Spannung aus, die im Verlust vertrauter und erwarteter Formen liegt? Oder will ich wie die Jünger am liebsten nach Hause ins Gewohnte und Vertraute gehen?
  • Wo bin ich in diesen Tagen von Jesus gefunden und angesprochen worden?
  • Wie klingt es in mir, wenn ich von IHM beim Namen genannt werde?

Impuls

Lassen Sie sich heute wie Maria Magdalena von Gott beim Namen nennen. Nehmen Sie sich in der Stille Zeit, Ihren eigenen Vornamen ins Gebet zu nehmen und immer wieder in sich hineinzusprechen. Lauschen Sie dabei, ob sich Ihre innere Stimme mit der Gottes verbindet.

Und wie ist es für Sie, von anderen heute bei Ihrem Namen genannt zu werden?