40 Jahre Partnerschaft zwischen Ruanda und Rheinland-Pfalz

Parlamentarischer Abend in Mainz

220511-Parl. Abend1-2 (c) kfd Diözesanverband Mainz e.V.
220511-Parl. Abend1-2
Datum:
Mi. 11. Mai 2022
Von:
Gisela Franzel

Seit vielen Jahren unterhält die kfd Mainz ein Partnerschaftsprojekt mit der Schwesterngemeinschaft "Amies des Pauvres" in Ruanda. Über regelmäßige Spenden ist es dem Diözesanverband möglich die Bildungswege von Ordensfrauen als auch deren tägliches Leben konkret zu fördern. Regina Hahn-Blaik ist als Mitglied im Diözesanleitungsteam für das Projekt zuständig und nahm als Vertreterin der kfd Mainz am parlamentarischen Abend teil. Hier lässt sie an ihren Eindrücken teilhaben:

 

 

Was bedeutet eigentlich „Graswurzel-Partnerschaft“?

 

Aus Anlass des Jubiläums fand in Mainz ein Parlamentarischer Abend im Landtag zum Thema „Partnerschaft auf Augenhöhe in der Entwicklungszusammenarbeit“ statt.

Der Begriff stammt von der „Graswurzel-Bewegung“, eine Basisbewegung, meist eine politische oder gesellschaftliche Initiative, die aus der Basis der Bevölkerung stammt. (Siehe Wikipedia)

Graswurzelpartnerschaft beruht auf gegenseitigem Respekt und dem Verständnis, auf beiden Seiten zu profitieren und sich weiter zu entwickeln.

 

1982 - vor 40 Jahren - entstand auf diesem Hintergrund die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und dem afrikanischen Staat Ruanda. Der damalige Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel hatte Ruanda ausgesucht, weil es von der Größe her gut zu Rheinland-Pfalz passte und ebenso stark von der Landwirtschaft geprägt ist. In der Podiumsdiskussion beim Parlamentarischen Abend wurde resümiert, dass diese Auswahl genau passend war!

Was 1982 - (übrigens blieb es in Deutschland nur bei einer einzigen Partnerschaft, denn kein weiteres Bundesland gründete eine solche Initiative) - als ein spannender Versuch zweier Länder zur Neugestaltung von Entwicklungspolitik startete, wurde zu einem international anerkannten Modell einer bürgernahen, dezentralen und sehr effizienten Zusammenarbeit auf lokaler Ebene. Nur Rheinland-Pfalz unterhält in Ruandas Hauptstadt Kigali ein Partnerschaftsbüro zur Koordination der Partnerschaft. Dort sind deutsche und ruandische Angestellte gemeinsam in der Begleitung zahlreicher Projekte tätig.

 

Nach ersten Partnerschaften „Jumelage“ auf kommunaler Ebene, gründeten Kirchengemeinden beider Konfessionen Freundschaften. Später entwickelten sich Schul- und Hochschulpartnerschaften. Über 180 Schulen im Land haben eine Partnerschule in Ruanda. Zahllose Betriebe und die Handwerkskammer engagieren sich im Bereich Ausbildung und Arbeit. Eine weitere wichtige Säule des Partnerschaftsgedankens sind über 40 Vereine, die Partnerschaften eingegangen sind. Dazu zählt auch der kfd-Diözesanverband mit dem Partnerprojekt „Amies des Pauvres“.

 

Sehr berührend war das Gespräch auf dem Podium mit den beiden früheren Ministerpräsidenten Dr. Bernhard Vogel, CDU und Kurt Beck, SPD, die mit leuchtenden Augen davon berichteten dass die Partnerschaft in den 40 Jahren immer ein parteiübergreifendes Anliegen gewesen sei. Viele erlebte Geschichten wurden ausgetauscht. Auch die schreckliche Phase des Genozid in Ruanda überstand die Partnerschaft. Das Gespräch moderierte die stellvertretende Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Anke Beilstein, MdL. In einem weiteren Podium mit Vertreter:innen der Fraktionen im Landtag und der Stiftungen, sowie dem Geschäftsführer des Partnerschaftsvereins wurde engagiert über das Thema „Entwicklungszusammenarbeit auf Augenhöhe“ diskutiert.

Zwei Dinge fielen besonders auf:

  1. Demographie: Vor 40 Jahren waren die beiden Länder einigermaßen vergleichbar nicht nur in territorialer Größe, sondern auch mit den Einwohnerzahlen. Heute hat sich das enorm verschoben und gibt uns zu denken: Rheinland-Pfalz ist rückläufig und hat noch rund 4,1 Millionen Einwohner. In Ruanda steigen die Einwohnerzahlen jährlich und lagen 2021 bei rund 13 Millionen (1982 ca 5 Millionen). Es ist das am dichtesten besiedelte Land Afrikas. Das Durchschnittsalter ist ca. 20 Jahre.
  2. Frauen: Der Parlamentarische Abend war stark dominiert von Männern, auch wenn die prominenteste Vertreterin des Landes Ministerpräsidentin Malu Dreyer war. Von 101 Parlamentariern sind nur 32 Frauen!

Ruanda dagegen ist weltweit das Land mit dem höchsten Frauenanteil im Parlament, nämlich 61,3 %.

Ein starker Eindruck von Frauenbeteiligung und Geschlechtergerechtigkeit im Hinblick auf den Vergleich zwischen Deutschland und Ruanda stand am Ende des Abends.

 

Regina Hahn-Blaik