PGR Stein interviewt Kristyanto (c) Bistum Mainz

„Mein Job ist es, Spaß zu vermitteln!“

PGR Stein interviewt Kristyanto
Di 1. Okt 2019
Alexander Stein

Putroko Kristyanto (46) ist seit vier Jahren Vorsitzender des Pfarrgemeinderats der Pfarrei Hl. Familie in Rüsselsheim. In seiner Heimat sind Christen in der Minderheit. Kristyanto wurde in Indonesien geboren, dem Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Was seine Motivation ist, sich im Pfarrgemeinderat zu engagieren, und wie die Kirche der Zukunft aussieht, hat er uns im Interview erzählt.

Herr Kristyanto, wie sind Sie auf die Idee gekommen, im Pfarrgemeinderat mitzuwirken?

Das ist eine lange Geschichte. Meine Frau und ich, wir sind seit über zwanzig Jahren bei der Katholischen Kirche dabei. Als unsere Kinder klein waren, haben wir uns etwas zurückgezogen. Als mein Sohn zur Kommunion gegangen ist, haben wir uns wieder verstärkt im Gemeindeleben engagiert. Unser Pfarrer Eich aus Rüsselsheim ist sehr offen, er hat uns mit Freunden zum Familienkreis eingeladen und hat uns gefragt, ob wir nicht im Pfarrgemeinderat mitmachen wollen. Das war 2015. Die meisten haben JA gesagt!

Warum finden Sie es wichtig, im Pfarrgemeinderat zu sein?

Viele haben Angst vor der Distanz zum Pfarrer, zur Gemeinde. Wir sind das Bindeglied! Es ist daher wichtig, eine gute Beziehung zu den Hauptamtlichen aufzubauen, aber auch offen zur Gemeinde zu sein, beispielsweise nach dem Gottesdienst mit den Leuten zu reden.

Was ist inhaltlich Ihr Job im Pfarrgemeinderat?

Mein Job ist es, Spaß zu vermitteln! Auch mal zu sagen, dass wir in der Kirche cool sein können! In Rüsselsheim haben wir das ein Stück weit hinbekommen, dieses Gemeinschaftsgefühl, diesen Spaßfaktor. Kirche ist nicht nur beten und Gottesdienst.

Was haben Sie im Pfarrgemeinderat denn schon alles erreichen können?

Nun, das müssen andere entscheiden! Aber ich denke, das Thema, junge Leute oder Familien wieder einzufangen, das haben wir hinbekommen, zuletzt die Eltern der Erstkommunionkinder. Die Eltern haben die Kinder immer nur zum Kommunionunterricht gebracht und waren dann wieder weg, haben sie danach abgeholt, waren gleich wieder weg. Da wollten wir ansetzen. Wir haben uns mit ihnen zusammengesetzt, es ging da gar nicht um Religiöses, wir haben einfach miteinander gesprochen. Das kam sehr gut an! Wir haben jetzt auch gerade eine kleine Bar eröffnet – alle haben mit angepackt, damit wir dieses Projekt umsetzen konnten. Wichtig ist, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen: missionieren, aber auf eine andere Art. Wir haben sogar jemanden gewonnen, der mit 18 aus der Kirche ausgetreten ist und jetzt mit Mitte vierzig wieder eingetreten ist. Da sind wir stolz drauf! 

Haben Sie eine Vision?

Als ich vor vier Jahren angefangen habe, war mein Ziel, das Gemeindeleben zu gestalten. Mein Ziel war nicht, die Kirche voll zu bekommen. Ich denke, das kommt dann von alleine, wenn das Drumherum funktioniert. Dass die Leute den Eindruck bekommen, bei uns können sie zur Ruhe kommen, was im digitalen Zeitalter oft auf der Strecke bleibt. Wichtig ist, dass wir das Gemeindeleben zusammen gestalten! Ich lege viel Wert auf das Wort ZUSAMMEN, denn alleine kannst du die Welt nicht retten. Wir müssen gemeinsam anpacken, dann läuft alles von alleine.

Wie kann Kirche jünger werden, was sind Ihre Ideen? 

Indem wir das vorleben. Wenn das Gemeindeleben funktioniert, dann haben auch die jungen Leute wieder Lust darauf. Ich persönlich halte nicht viel davon, dass wir den jüngeren Leuten hinterherrennen. Wenn wir aber vorleben können, dass Kirche gar nicht so schlecht ist, dann haben sie Lust, sich einzubringen. Bei uns funktioniert das.

Wenn Sie den Begriff „Pastoraler Weg“ hören, dann denken Sie an …?

Hilfe! (lacht) Das ist ein schwieriges Thema! Das sind Fragen wie „Was kommt?“ und „Was wird aus uns?“. Ängste und Bedenken gibt’s viele. Viele Leute haben sicher Angst, loszulassen vom „Das haben wir schon immer so gemacht“, jetzt muss aber eben etwas Neues gemacht werden. Ich denke aber, das schaffen wir schon. Das wird nicht leicht werden, aber – ich bin ja großer Beatles-Fan – „The long and winding road“ steht vor uns („Die lange und kurvige Straße“) – gemeinsam werden wir es schaffen. Ich habe keine Angst vor etwas Neuem! Das hatte ich schon oft im Privaten – und ich denke, auch bei der Kirche, bei der Gemeinde werden wir das schaffen!

Was denken Sie beim Thema „Maria 2.0“?

Die Rolle der Frauen in der Kirche muss auf jeden Fall gestärkt werden.

Wie sieht die Kirche der Zukunft Ihrer Meinung nach konkret aus?

Enger zusammengerückt und: Wir müssen uns verändern. Wir müssen uns verändern wollen! Nicht, um jemanden zu gefallen, wir müssen uns einfach auf unseren Glauben konzentrieren!

Wenn noch jemand überlegt: soll ich mich für den Pfarrgemeinderat aufstellen lassen oder nicht – was würden Sie ihm sagen?

Ich würde ihn oder sie ansprechen und sagen: Dich würde ich gerne in meinem Team haben, denn ich bin fest davon überzeugt, dass wir gemeinsam unsere Aufgaben bewältigen können!

Ihre jetzige Amtszeit endet. Treten Sie dieses Jahr denn wieder an?

Auf jeden Fall!