Nachlese Intervalle - Kammermusik im Gespräch

Intervalle - Kammermusik im Gespräch

Intervalle  (Foto: Erhard Bonifer)
Intervalle (Foto: Erhard Bonifer)
Di 3. Sep 2019
Steffen Bartenschlag

Das erste „Intervalle-Kammermusik im Gespräch“ Konzert fand am Sonntag, den 1. September, 18.00 Uhr in der Kapelle des Klosters St. Gabriel statt. Es spielte Cornelia Scholz, Violine und Johannes Wallbaum, Klavier u.a. Werke von Mozart, Schubert, Dvorak, Franck und Piazolla. Sie hatten ihr Programm unter das Motto: „Lieblingsstücke“ gestellt. Und die Stücke waren liebevoll ausgesucht und zusammengestellt. Das Neue an dieser Konzertreihe erklärte Klaus Deller, Vorsitzender des Freundeskreises St. Gabriel zu Beginn des Konzerts: In unterschiedlichen kammermusikalischen Besetzungen wird in dieser Konzertreihe nicht alleine konzertiert, sondern mit dem Zuhörer auch über die Werke gesprochen. Die Hinweise der Musiker können neue Hörerlebnisse eröffnen und das Musikerlebnis vertiefen.“

Und das praktizierten die beiden Solisten des Abends ganz hervorragend, authentisch und einladend, indem sie kurz in die Werke einführten, kleine Passagen anspielten, erklärten und auf Besonderheiten hinwiesen, bevor sie das Werk dann ganz präsentieren. Es wurde ein gelungener Auftakt der neuen Konzertreihe. Der Funke sprang über, das Publikum war begeistert ob der Vielfalt der dargebotenen Stücke und der hilfreichen Hinweise und der Musikbeispiele.

Die Werke des Abends umfassten die Zeit der Klassik über die Romantik bis in die Moderne und boten einen guten Rahmen unter dem Motto “Lieblingsstücke“, der Musik und den Klängen jeder dieser Epochen nachzuspüren und darüber hinaus zu erfahren, was den Musikern diese Stücke so einzigartig und wertvoll macht.

Cornelia Scholz erklärte, wie sich Mozart in der Sonate für Violine und Klavier KV379 für sie überraschend und deshalb so besonders als Romantiker zeigt oder in der Schubert Sonate für Violine und Klavier D385 den großen chromatisch ansteigenden Intervallsprüngen ein ganz gegensätzliches lyrische Seitenthema folgt, was für sie als Interpretin einen besonderen Reiz ergibt, den sie dem Zuhörer auch vermitteln möchte. „Die Synkopen bei Brahms ungarischem Tanz machen erst den feurigen Charakter aus, ohne die würde es richtig langweilig klingen“, führt Cornelia Scholz aus und zeigt es beispielhaft mal mit mal ohne. Hinweise zur kanonischen Melodieführung in Cesar Francks Violinsonate A-Dur, letzter Satz halfen die Komplexität des Stückes aufzulösen und besser hörbar zu machen. Cornelia Scholz spielte ihren Violinpart souverain, ausdrucksvoll und auch in hohen Lagen strahlend intonationssicher und fand in ihrem Klavierpartner einen einfühlsamen Begleiter. 

Johannes Wallbaum als Solist führte aus, dass man als Pianist an dem Komponisten Chopin nicht vorbeikomme und seine Musik emotional bewege und etwas mit dem Interpreten mache, was sich auch auf den Zuhörer übertrage. Das Scherzo in cis-Moll op. 39 von Frédéric Chopin überrasche ihn immer noch durch seine fragende Einleitungsfigur und die wilden Passagen, die panische Unruhe vermitteln. Und dann folge ein versöhnliches Choralthema, das von herabrieselnden Ton-Kaskaden unterbrochen und über Dur- und düstere Moll-Sphären moduliert und fortgeführt wird, bis man am Ende eine große Verdichtung erlebt. Und das alles rasend schnell und die gesamte Tastatur erfassend. Nach Wikipedia gehört das Scherzo zu Chopins bedeutendsten Klavierwerken und ist mit den zahlreichen pianistischen Herausforderungen nur großen Pianisten zugänglich. Johannes Wallbaum spielte es meisterlich und mit großer Intensität, so dass der Funke zum interessierten Publikum übersprang und es mit großem Applaus dankte. Und danach ganz im Kontrast zu den vielen Noten bei Chopin, so wird es dem Publikum erklärt, eines der Romantischen Stücke für Violine und Klavier op.75 von Dvorak, bei dem im Klavier ständig der Herzschlagrhythmus:“dam-da-da“ zu hören ist und die Geige sich mit einer einfachen böhmischen Weise darüber legt, so dass der Zuhörer in einen Zustand versetzt wird, in dem er seinem eigene Herzschlag nachspüren kann. So schön und beruhigend kann Musik auch sein.

Und auf der anderen Seite so mitreißend, wenn Johannes Wallbaum Klavier solo im zweiten Teil des Abends im Stil von Michel Petrucciani „Take the A train“ improvisiert. Tonfolgen im Bass, die so schnell sind, dass man einzelne Töne nicht ausmachen kann. „Jazz habe ihn schon immer fasziniert und bis heute nicht losgelassen und dieses Stück ganz besonders.“ Und Wallbaum spielt es einfach toll, zeigt sich als Jazzpianist der Extraklasse, zieht alle mit und erhält großen Applaus.

Zum Schluss gibt es vom Duo Scholz/Wallbaum noch mehrere Tango Argentino von Carlos Gardel und Astor Piazolla und die beiden Musiker stellen dar, welche Ausdrucksformen in dieser Form des Tanzes stecken, der sich seit dem Ende des 19. Jahrhunderts in verschiedenen Formen von Buenos Aires aus in der gesamten Welt verbreitet und besonders bei Piazolla von klassischen und jazzigen Elementen beeinflusst wurde, immer im zwei oder vier Vierteltakt, wie man lernen konnte.

Ein erster Abend einer neuen Konzertreihe, der alle Erwartungen erfüllte. Die Reihe „Intervalle-Kammermusik im Gespräch“ wird vom Freundeskreis für Kapelle und Haus St. Gabriel e.V. Hainburg unterstützt.