Predigt von Bischof Peter Kohlgraf bei der Weihe der Ständigen Diakone

Predigt von Bischof Peter Kohlgraf bei der Weihe der Ständigen Diakone,Hoher Dom zu Mainz, Samstag, 30.11.2019, 9.30 Uhr

Sa 30. Nov 2019
Bischof Peter Kohlgraf

Lieber Herr Görtz, lieber Herr, Landua, lieber Herr Ostheimer,
liebe Ehefrauen unserer Weihekandidaten, liebe Familienangehörige und Freunde, Schwestern und Brüder!

Heute dürfen wir die Diakonenweihe feiern. Drei Männer stellen sich dem Dienst in der Kirche zur Verfügung. Es ist für eine Gemeinde schön zu erleben, dass Menschen für eine Aufgabe in der Kirche zur Verfügung stehen, die von ihrer Wortbedeutung her „Dienst“ bedeutet. Und ich darf erwähnen, dass dies nur möglich ist, weil die Ehefrauen und Familien diesen Weg mitgegangen sind und mitgehen. Ihnen darf ich einen herzlichen Dank sagen für dieses Glaubenszeugnis.

Gott ruft, das ist schon etwas Einzigartiges

Eigentlich ist jedes Dienstamt in der Kirche wirklich Dienst am Menschen, Dienst für Gott. Wenn Papst Benedikt XVI. sich zu Beginn seines Pontifikats als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn bezeichnet hat, ist dies vielleicht ein wenig tiefgestapelt, im Grunde sollte es aber so sein. Gott beruft Menschen in einen besonderen Dienst an der Gemeinschaft der Kirche. Der Dienstcharakter wird besonders deutlich im Diakonenamt, das ursprünglich auch dazu bestimmt war, die Armenfürsorge in den größer werdenden Gemeinden der frühen Kirche zu organisieren. Berühmte Diakone sind etwa Stephanus, der von den Aposteln bestimmt wurde, „den Dienst an den Tischen“ zu verrichten, Laurentius, der die Armen als die eigentlichen Schätze der Kirche bezeichnete, und Vinzenz von Valencia, einen Heiligen des 4. Jahrhunderts. Auch in der Liturgie hat der Diakon eine dienende Funktion, indem er dem Priester assistiert und das Evangelium verkündet. Er spendet das Sakrament der Taufe und begleitet die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg beim Begräbnis.

Gott ruft, das ist schon etwas Einzigartiges. Das setzt den Glauben an einen persönlich zum Menschen sprechenden Gott voraus, und es setzt voraus, dass ein Mensch wirklich antworten kann.

Heute erleben wir die feierliche Liturgie mit ihren Zeichen. Ich will versuchen, die Riten und die Zeichen der Weiheliturgie besser verstehen zu helfen, in denen der Ruf, aber auch die Antwort des Kandidaten ausgedrückt werden.

Am Beginn der Weiheliturgie werden die einzelnen Kandidaten dem Bischof namentlich vorgestellt, und jeder einzelne erklärt seine Bereitschaft mit dem biblischen Ruf: „Hier bin ich“. Gott ruft immer beim Namen, d.h. jeden persönlich, zu einem ganz konkreten Dienst. Dem Kandidaten wird klar: Du bist gerufen, und du musst antworten. In der Weihe geschieht ein einmaliger Ruf, aber die Antwort wird er lernen müssen, täglich neu zu geben.

Nachdem jeder einzelne seine Bereitschaft zum Dienst erklärt hat, fragt der Bischof den Priester, der die Kandidaten vorgestellt hat: „Weißt du, ob sie würdig sind?“ Der Priester gibt zur Antwort: „Das Volk und die Verantwortlichen wurden befragt, und ich bezeuge, dass diese sie für würdig halten.“ Die Kirche hat über Jahre die Echtheit der persönlich gespürten Berufung geprüft, und gibt ihre Zustimmung zur Weihe. Darin kommt zum Ausdruck, dass der Dienst in der Kirche nur gut ausgeübt werden kann, wenn der Amtsträger vom Volk Gottes getragen wird.

Das Volk antwortet mit dem Ruf: „Dank sei Gott. Die Gemeinde weiß darum, dass jede Berufung ein Geschenk Gottes für die Kirche ist.“

Nach der Predigt des Bischofs beginnt die eigentliche Weihe. Die Kandidaten versprechen, dass sie sich bemühen wollen, im Geiste Jesu zu leben, Männer des Gebetes zu werden und für die Armen dazu sein. Die Kandidaten versprechen damit die Bereitschaft, immer mehr zum Jünger Jesu zu werden. Sie sollen die Freude am Evangelium leben und ausstrahlen. Damit verbinden wir die Hoffnung, dass sie jedem und jeder Getauften Anstoß sind, den eigenen Weg der Nachfolge und Berufung zu gehen. Ausdrücklich werden heute auch die Ehefrauen der Kandidaten gefragt, ob sie bereit sind, den Weg der Berufung mitzugehen. Tatsächlich kann jemand nur schwer seine Berufung leben ohne die Unterstützung anderer, besonders auch der Familie.

Einzeln verspricht jeder Kandidat seinem Bischof Ehrfurcht und Gehorsam. Der Bischof ist für den kirchlichen Amtsträger mehr als ein Arbeitgeber oder Vorgesetzter. Er stellt für ihn Christus dar, der das Haupt der Gemeinde ist. Wer Diakon wird, macht sich verfügbar. Gehorsam meint etwas Positives: Wer hört, kann die Erfahrung machen, dass er frei werden kann, wenn es nicht nur um den eigenen Anspruch geht. Bischof und die Diakone stehen gemeinsam unter dem gehorsam gegenüber Gottes Wort und sie tun gut daran, dem Volk Gottes aufmerksam zuzuhören. Auch das beinhaltet das Gehorsamsversprechen.

Zum eindrucksvollsten Zeichen der gesamten Liturgie gehört wohl die Geste zu Beginn der Weihe. Die Kandidaten werfen sich zu Boden. Deutlicher kann man nicht mehr zum Ausdruck bringen, dass sie nicht in eigener Kraft und Begabung arbeiten wollen, sondern wissen, dass ihre Lebenskraft und ihre Sendung durch Gott allein kommen. Ich meine, dass dies im Laufe eines Diakonenlebens immer wichtiger wird. Wenn ich sehr erfolgreich und beliebt bin, ist es gut, sich sagen zu lassen: Es geht nicht in erster Linie um dich, sondern um den Herrn. Wenn ich unter Misserfolgen leide, ist es sehr heilsam zu wissen, dass ich bei allem persönlichen Einsatz doch nur ein Diener meines Herrn bleibe. Das Niederwerfen als Ausdruck einer inneren Haltung ist die beste Medizin gegen alle Formen des Klerikalismus und des Machtmissbrauchs, vor denen auch gute Kleriker nicht gefeit sind.

Die Gemeinde singt die Allerheiligenlitanei. Die Kirche ist nicht nur eine irdische Organisation. Wir Christen gehören auch zur himmlischen Familie, die für uns bittet und uns begleitet. Bei aller Schwäche des Einzelnen gilt, dass wir nicht allein sind. Und der Kandidat, der geweiht wird, bekommt ein Maß genannt, nachdem er sein Leben ausrichten kann. Er bekommt an den Heiligen gezeigt, dass ein Leben in der Nachfolge Christi nicht ärmer macht, sondern allen Reichtum schenkt.

Das entscheidende Zeichen ist schließlich die Handauflegung durch den Bischof. Es bedeutet Sendung und Inbesitznahme durch Christus. Das anschließende Weihegebet schließt die eigentliche Weihehandlung ab.

Was folgt, sind Riten, die das Geschehene erklären. Der Diakon bekommt das Evangelienbuch gereicht. Er ist der Verkünder des Evangeliums in der Liturgie, soll aber immer wieder auch Maß nehmen an Christus, der gekommen ist, den Menschen zu dienen.

Als letztes wird der Diakon mit den liturgischen Gewändern bekleidet: der quer getragenen Stola und der Dalmatik, dem Diakonengewand. Das Gewand in der Liturgie ist nicht äußeres Beiwerk. Es wird deutlich, dass der Diakon und der Priester als Person hinter seinem Dienst zurücktritt und jemand anderen darstellt. Manchmal wurde der Einwand erhoben, das Gewand hebe den Amtsträger zu stark von der Gemeinde ab und sei ein Zeichen einer Überhebung über die anderen. Ich meine, es geht genau um das Gegenteil. Es geht eben genau darum, dass der einzelne zurücktritt zugunsten Christi, dem er dient. Das Gewand erinnert den Diakon und den Priester daran, dass es nicht um ihn geht, sondern dass er seinen Dienst in Würde und Bescheidenheit tun soll. Der Bischof gibt abschließend jedem den Friedensgruß.

Wer die Weihe mitfeiert, erlebt etwas sehr Bewegendes. Menschen werden in Dienst genommen für eine große, schöne Aufgabe. Eine Aufgabe, die dem Menschen Würde gibt, die ihn ganz fordert.

Jeder Diakon wird sein Leben lang immer wieder an diese Stunde zurückdenken. Wer mitfeiert, kann die Gegenwart des Geistes Gottes spüren, der Menschen zu Großem fähig macht. Was aber besonders eindrucksvoll ist, mag der Glaube daran sein, dass Gottes Kraft immer in menschlicher Schwäche und in aller Menschlichkeit wirken will.

Lieber Herr Görtz, lieber Herr Landua, lieber Herr Ostheimer, diesen Wunsch geben wir Ihnen und Ihren Familien heute gerne mit.