Weihnachtskrippe

von Dr. Torsten Panholzer

 

Die Krippe in der St. Gordianus-Kirche in Bad Kreuznach-Planig ist von Weihnachten bis zum Fest Maria Lichtmess aufgebaut. Sie füllt die komplette Apsis des linken Seitenschiffs und hat zwei Ebenen.

Auf der unteren Ebene steht der große Stall mit der Heiligen Familie, Ochs und Esel, Hirten, Schafen sowie den drei Königen gefolgt von zwei Kamelen mit Begleitern. Seit 2019 befinden sich auch zwei kniende Engel im Stall. Die stehenden Figuren sind fast 50 cm hoch. Rechts neben dem Stall ist ein Bachlauf mit fließendem Wasser angelegt. Der Bach kommt unter einem beleuchteten Brückenbogen hervor.

Auf der oberen Ebene der Krippenanlage sieht man drei Hirten in einem kleineren Maßstab (ca. 15 cm). Sie stehen beim Lagerfeuer und wirken bestürzt von der Begegnung mit dem Engel. Dahinter die Häuser einer Stadt mit Toren, Türmen und einem Tempel. Es ist Jerusalem, das real nur 10 km vom Geburtsort Bethlehem entfernt liegt. Im Matthäus-Evangelium wird beschrieben, wie die Weisen aus dem Morgenland in Jerusalem nach dem neugeborenen König fragten: „Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ König Herodes erschrak „und mit ihm ganz Jerusalem“. Schließlich schickte er sie nach Bethlehem.

Weihnachtskrippe (c) Dr. Torsten Panholzer


Nach der Fertigstellung der St. Gordianus-Kirche im Jahr 1900 ist die Stadt für die Weihnachtskrippe wohl in den 20er Jahren angeschafft worden. Denn die Gebäude entsprechen den Bauplänen für eine Jerusalem-Krippe, die der Münchner Verlag Mey & Widmayer um 1920 veröffentlicht hatte. Die Entwürfe stammen vom Münchner Architekt Franz Lechleitner. Er hatte sich an einer Tiroler Krippe aus dem 17. Jahrhundert orientiert. Es sind Laubsägevorlagen für zwölf Objekte, davon sind acht Häuser. Die Pläne wurden zuletzt von Ralph Oldenburg wiederentdeckt, neu aufbereitet und werden auf seinem Web-Portal angeboten.

Die Entwürfe von Franz Lechleitner sind eine Mischung aus orientalischer und europäischer Architektur. Sie variieren in Größe und Plastizität, um eine Tiefenwirkung zu erreichen. Die größten, dreidimensional gestalteten Häuser sind bis zu 25cm hoch. Einige für den Hintergrund sind als Reliefs ausgebildet. Nach der ursprünglichen Konzeption werden die Häuser in einer Landschaft um einen kleinen Stall aufgestellt. Die Gebäude stehen dabei einzeln und sind mit Wegen verbunden. Dem Häusermaßstab entsprechend, sind die Figuren nur wenige Zentimeter hoch. Fotos von Realisierungen der Lechleitner-Pläne findet man zum Beispiel bei Ralph Oldenburg (1, 2, 3), im Diözesanmuseum Osnabrück  oder im Oberhessischen Weihnachtskrippen-Museum in Nidda-Ulfa 

Weihnachtskrippe, obere Ebene (c) Dr. Torsten Panholzer


Anders als bei den Jerusalem-Krippen sind die Häuser in der Krippe von St. Gordianus kompakt als Stadt in der Ferne platziert. Zusammen mit dem groß dimensionierten Stall, der vom Lechleitner-Entwurf abweicht, und den fast 50 cm hohen Figuren im Vordergrund wird eine stärkere perspektivische Wirkung erzielt. Alle Gebäude sind innen beleuchtet. Sie erscheinen sehr homogen, weil nur drei Farben verwendet wurden: Die Fassaden sind hellgrau gestrichen mit anthrazitfarbenen Akzenten und die Dächer sind in rotbraun gehalten. In den Entwürfen von Franz Lechleitner finden sich keine Angaben zur Farbgebung. Entsprechend der Baupläne von 1920 sind in der Krippe von St. Gordianus vorhanden: TempelKuppelhaus, kleines Tor, Turm mit TorGebäudegruppeMauer, Portal, BrunnenTreppe und Brücke.