Kind Jesus: Mysterium in der Geschichte

Weihnachten (c) Bild von falco auf Pixabay
Fr 29. Nov 2019
Pfr. Prof. Dr. Cheriyan Menacherry

Gott, als Mysterium, ist nicht nur in der Psyche der Urmenschen, sondern in der Psyche aller Menschen. Kinder zeigen genau, wo Gott ist. Sie zeigen mit ihrem Finger zum unendlichen Himmel, dem Mysterium. Diese Geste zu Gott, dem Mysterium, haben die Kinder von Eltern und Erzieherinnen gelernt.

Gott, das Mysterium, ist Mensch geworden. Gott, der geheimnisvolle, der verborgene Gott hat sich geoffenbart; unbegreiflicher Gott, hat sich ‚begreiflich‘ gemacht, der Unendliche sich erniedrigt und ist Mensch geworden, das furchterregende Mysterium ist in Gestalt eines entzückenden, liebevollen Kindes erschienen.

Für die Urmenschheit war das Mysterium Gott namenlos. Mose hat vom Gott-Mysterium dessen Namen verlangt; er hat Antwort erhalten, wer Gott ist. (Ex.3,13-14). Das bisher namenlose Gott-Mysterium bekommt einen Namen: Jesus (Mt 1,25). Das Kind Jesus: Das Mysterium in der Geschichte ist zentral für den christlichen Glauben. Genau aus diesem Grund habe ich vor vielen Jahren einem Buch von mir den Titel gegeben: Christ: The Mystery in History (Christus: Das Mysterium in der Geschichte).

Von nun an schauen die Menschen, um Gott zu suchen, nicht mehr nur nach dem Himmel, sondern sie suchen Gott unter sich selbst: Die Hirten in Bethlehem schauten mit Furcht zum Himmel (vgl. Lk 2,9), aber dann eilten sie zur Krippe, um Gott mit großer Freude anzuschauen (vgl. Lk2,16 und 10). Die Sterndeuter schauten nach dem Himmel, um Gott zu sehen, aber ihre gottsuchende Wanderung endete, als sie mit großer Freude an der kleinen Krippe in Bethlehem, dem Kind huldigten (Mt 2,11).

Johannes hat so radikal formuliert, dass, wer Menschen in der Geschichte nicht liebt, der kann auch nicht Gott, das Mysterium, lieben. (vgl. 1Joh 4,20). Nur wer, um Gott zu zeigen, mit seinem Finger nach dem Himmel zeigt, um zugleich liebevoll nach seinen Mitmenschen zu zeigen, hat die Erfahrung von Weihnachten.

Liebe Freunde und liebe Pfarrgemeinde!

Ich wünsche Ihnen allen eine besinnliche Adventszeit, ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gnadenreiches Neues Jahr 2020!