Ein Brückenbauer sagt auf Wiedersehen

Pfarrer Paul Kollar verabschiedet sich nach 14 Jahren von der Pfarrgruppe Bodenheim-Nackenheim

Abschied Pfarrer Kollar (c) hbz/Stefan Sämmer
Abschied Pfarrer Kollar
Mo 6. Jul 2020
Von Lena Witte - mit Genehmigung der AZ übernommen

Er sitzt auf gepackten Kisten. 14 Jahre lang leitete der katholische Pfarrer Paul Kollar die Pfarrgruppe Bodenheim-Nackenheim, jetzt geht er in den Ruhestand. Ab August übernimmt Christian Kaschub seine Aufgabe.

Als Pfarrer Kollar nach Bodenheim kam, musste er sich an die rheinhessische Lebensart erst einmal gewöhnen, erzählt er im Rückblick schmunzelnd. Er, der als Donauschwabe aus dem Banat in Rumänien stammt, in Karlsburg auf Ungarisch studiert hat, dessen Muttersprache aber Deutsch ist, wurde in Bodenheim gefragt: Sprechen Sie überhaupt Deutsch? Während die Vorfahren seines Vaters aus Böhmen stammen, kommen Ahnen seiner Mutter aus dem Hunsrück. Als junger Mann hat er Ahnenforschung betrieben und in alten Unterlagen den Verweis aufs Bistum Mainz gefunden. Da war für ihn klar, dass er dorthin wollte.

Nachdem er als Pfarrer in Langen tätig gewesen war, verschlug es ihn nach Rheinhessen. „Es war nicht schwer, sich hier einzuleben“, sagt Kollar. Die Mitarbeiter und Menschen, die in der Pfarrei aktiv waren, hätten es ihm leicht gemacht, in der Pfarrgruppe anzukommen. Es habe ihm immer Freude gemacht, die Drittklässler in katholischer Religion zu unterrichten und über die Kinder auch in Kontakt zu deren Familien zu kommen. Nicht wenige Kinder hätten durch diesen persönlichen Kontakt auch Lust bekommen, als Messdiener aktiv zu werden. Überhaupt stehe die Jugendarbeit in der Pfarrgemeinde gut da – abgesehen vom Ausnahmezustand, den die Corona-Pandemie verursacht hat.

Von Frauenkreis bis Kirchenchor war es Pfarrer Kollar wichtig, mit den Menschen in Verbindung zu stehen. Denn: „Ich bin gerne unter Menschen.“ Nicht selten konnte in Nackenheim und Bodenheim das Gesellige mit dem Notwendigen verbunden werden: Man traf sich zur Arbeit, aber meist gab es auch etwas zu essen oder ein Glas Wein, „das ist nicht überall so“, weiß Kollar.

Ja, es lässt sich in Bodenheim gut leben, hat er erfahren und hat es genossen, einfach raus in die Weinberge zu gehen, wenn er den Kopf freibekommen oder ein wenig Abstand gewinnen wollte. Das Wandern und Radfahren in der Umgebung half ihm dabei. Den lockeren Umgang mit vielen Menschen in der Pfarrei, die hübsche Umgebung, all das wird ihm fehlen, weiß er schon jetzt und spürt etwas wie Abschiedsschmerz. „Da muss ich loslassen können.“

Trotzdem hält der Ruhestand wohl auch gute Seiten für ihn parat, nämlich mehr Freiraum. Pfarrer Kollar zieht nach Ludwigshafen-Oggersheim und wird von dort aus als Pfarrer weiterhin aushelfen, sowohl im Bistum Mainz als auch im Bistum Speyer, wohin er bereits Kontakte hat.

Denn er ist seit vielen Jahren als Aussiedler-Seelsorger tätig und kümmert sich als solcher um Zuwanderer mit deutschen Wurzeln, und das längst nicht nur im Rhein-Main-Gebiet. Sein Terminkalender war oft mit heißer Nadel gestrickt. Da hat er Maiandachten gehalten oder an Wallfahrtsorten in Süddeutschland gepredigt, um pünktlich zur Vorabendmesse wieder zurück in Bodenheim zu sein. Oder hat sich nach dem Sonntagsgottesdienst in seiner Gemeinde ins Auto gesetzt, um abends in München mit Pilgern zusammen Gottesdienst zu feiern.

Auch wenn er Aussiedler-Seelsorger bleibt, wird Kollar ab August nicht mehr so sehr eingespannt sein, mehr Zeit für Reisen und Freundschaften haben. Doch er weiß: „Arbeitslos wird man als Pfarrer nie.“

Neben der Arbeit, die nach außen sichtbar ist, fällt in der Pfarrei auch viel an, was bei Sitzungen oder am Schreibtisch erledigt wird. „Vieles ändert sich“, blickt Kollar auf seinen Berufsstand und will seinem Nachfolger Kaschub die Chance geben, sich auf dem pastoralen Weg zu positionieren. Die Pfarrei, findet Kollar, sei gut aufgestellt, vor allem aufgrund der Menschen, die sie vor Ort prägen und gestalten. Da sei er doch bloß ein Rädchen im Getriebe gewesen, sagt Pfarrer Kollar bescheiden. Ein Brückenbauer, der gemeinsam mit anderen vieles auf den Weg gebracht hat für eine lebendige Pfarrgruppe.